Markthalle IX

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Markthalle IX
Eisenbahnmarkthalle
Eisenbahnmarkthalle2 Berlin.JPG
Daten
Ort Berlin
Architekt Hermann Blankenstein, August Lindemann
Baujahr 1891
Grundfläche 3500 m²
Koordinaten 52° 30′ 7,8″ N, 13° 25′ 53,3″ OKoordinaten: 52° 30′ 7,8″ N, 13° 25′ 53,3″ O

Die Markthalle IX, auch Eisenbahnmarkthalle genannt, ist eine von ehemals 14 städtischen Markthallen in Berlin, die Ende des 19. Jahrhunderts in den damaligen Bezirken Berlins errichtet wurden. Sie ersetzten die offenen Märkte auf verschiedenen städtischen Plätzen und garantierten bessere hygienische Bedingungen sowie die effiziente Versorgung der wachsenden Bevölkerung.[1] Die Markthalle IX im Ortsteil Kreuzberg wurde 1891 eröffnet. Nach wirtschaftlichen Aufwärts- und Abwärtsentwicklungen im 20. Jahrhundert wurde sie stetig weiter benutzt. In den 1990er Jahren übernahmen große Lebensmitteldiscounter immer mehr zusammenhängende Verkaufsflächen, das gesamte denkmalgeschützte Gebäude[2] verkam jedoch. Seit Oktober 2011 gibt es drei private Betreiber, die das Konzept der vielfältigen kleinteiligen Angebote in der Halle mit Erfolg wieder zum Leben erweckten. Seit 2014 veranstaltet die Markthalle IX alle zwei Jahre das Festival „Stadt, Land, Food“.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenbereich während einer Veranstaltung, 2015

Die nach den Standardplänen des Stadtbaurats Hermann Blankenstein unter Mitwirkung des Architekten August Lindemann errichtete geschlossene Markthalle erhielt ihren Standort in Kreuzberg zwischen der Eisenbahnstraße 42/43 und der Pücklerstraße 34, quer über das von der Wrangelstraße und der Muskauer Straße begrenzte Wohngebiet. Sie hatte bei ihrer Eröffnung 1891 eine Verkaufsfläche von 3296 m² für 300 kleine Marktstände für alle Waren des täglichen Bedarfs.

Einige Beschädigungen am Ende des Zweiten Weltkriegs konnten rasch repariert werden und bald boten die ersten Händler wieder ihre Waren an. Problematisch war in den 1950er Jahren, dass die Berliner Lebensmittel nur auf Lebensmittelkarten erhielten. So blieb der Handel recht eingeschränkt. Die vom Eigentümer, der Stadt Berlin, zur Verwaltung der Markthallen gegründete Berliner Großmarkt GmbH vermietete immer mehr Flächen der Halle an Discounter. Dies führte zu Umsatzrückgängen bei den kleineren Händlern; das Interesse der Bewohner an einem tatsächlichen Markttreiben ging verloren.

2009 gründete sich die Initiative „Projektgruppe Markthalle IX“, um einen Verkauf der Markthalle zu verhindern und gleichzeitig die Markthallenstruktur mit modernen Angeboten wieder zu beleben. Nachdem die Initiatoren Florian Niedermeier, Bernd Maier und Nikolaus Driessen zur Unterstützung ihrer Idee eine Unterschriftensammlung durchgeführt und zusammen mit dem Architekten Peter Lemburg ein Konzept für die denkmalgerechte Sanierung dieser Halle entwickelt hatten, konnten sie schließlich mit der Großmarkt GmbH im März 2012 den Kaufvertrag abschließen. Der vereinbarte Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro war geringer als das Angebot eines Großinvestors, dessen Pläne einen Abriss des historischen Gebäudes und den Neubau eines modernen Einkaufszentrums mit Tiefgaragen beinhalteten. Der Senat hatte sich jedoch von dem Konzept einer „Wiederbelebung der historischen Halle als Kiezmittelpunkt“ überzeugen lassen. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten fanden schrittweise vom Sommer bis zum Spätherbst 2011 statt. Die umgestaltete Eisenbahnmarkthalle wurde am 1. Oktober 2011 offiziell wieder eingeweiht.[4] Die Verkaufsfläche für die Marktstände mit regionalen und Bioprodukten wird mit 2850 m² angegeben.

Im Frühjahr 2019 berichtete die Berliner Presse, dass die Betreiber der Markthalle den Mietvertrag für die verbliebene Aldi-Filiale abwickeln und stattdessen in der Markthalle einen dm-drogerie markt etablieren wollen. Von Anwohnern wird dies als Verdrängung ärmerer Kundschaft wahrgenommen, die in der Halle sonst nirgendwo mehr niedrige Preise fänden. Den Markthallen-Betreibern wird von ihnen vorgeworfen, die Halle 2011 mit dem Versprechen eine „Halle für alle“ machen zu wollen, vergünstigt vom Senat Berlin gekauft zu haben und jetzt aber die Halle auf Events, Gastronomie und dem Angebot eher teurer Produkte auszurichten. Es wird auch kritisiert, dass an fünf Tagen in der Woche in der Halle kaum ein Markt stattfände. Viele Anwohner der Markthalle können sich das Angebot der Markthalle nicht leisten und sind daher auf die günstigen Angebote von Aldi angewiesen. Kreuzberger Initiativen zur Markthalle fordern daher eine „Kiezmarkthalle statt einer Luxus-Food-Halle“. Ihr Ziel ist es, dass die Markthalle ein tägliches, günstiges, vielfältiges Lebensmittel­angebot bezahlbar für alle anbietet und dass Aldi oder ein vergleichbarer Lebensmittelhändler mit ähnlichen Preisen und Angeboten in der Halle bleibt. Sie fordern eine Teilhabe für alle an der Halle. Die Betreiber verweisen dagegen darauf, dass Bioprodukte zentraler Bestandteil des Konzepts seien und die niedrigen Preise bei Discountern aus ihrer Sicht auf Kosten der Produzenten zustande kommen.[5]

Aktuelle Nutzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschank der Brauerei Heidenpeters

Seit dem Winter 2011/2012 findet jeweils freitags und sonnabends, seit Dezember 2014 auch dienstags ein Wochenmarkt in der Halle mit vor allem saisonalen Lebensmittelangeboten aus Berlin/Brandenburg statt.[6] Seit April 2013 gibt es jeweils donnerstags einen „Street Food Day“. Zum Konzept gehört außerdem die Kantine Neun, die auch außerhalb der normalen Marktöffnungszeiten werktäglich einen Mittagstisch bietet.

Etwa alle drei Monate gibt es einen „Naschmarkt“, zu dem kleine Manufakturen süße Erzeugnisse aus fairem Handel und Bio-Zutaten anbieten.

Auf dem „handmade supermarket“ präsentieren und verkaufen Designer, Künstler und kleine Modelabels ihre Produkte (Schmuck, Kosmetik, Spielsachen, Keramik, Fotografie, Kunst und auch Kleinmöbel). Die Betreiber dieses Spezialmarktes bezeichnen das Konzept als „Einkaufsforum für Produkte jenseits von Massenproduktion“. Darüber hinaus gibt es Kulturveranstaltungen (beispielsweise einen Vintage-Modemarkt oder eine Diskussionsrunde „Bauer trifft Kiez“).[7]

Hinzugekommen sind seit 2011 kulinarische Produktionsbetriebe: Neben einem Barbecue-Smoker befindet sich in den Kellergewölben die Brauerei Heidenpeters.[8]

Veranstaltungen

Seit 2012 findet im Mittelgang der Halle einmal jährlich der Berlin-Brandenburger Käsekuchenwettbewerb statt. Seit 2014 gibt es jeweils am ersten Sonntag im Februar die Sondermesse Wurst & Bier.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Markthalle IX – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Malene Gürgen: Essenmit Anspruch. In: Die Tageszeitung: taz. 30. März 2019, ISSN 0931-9085, S. 41,44–45 (taz.de [abgerufen am 23. Mai 2019]).
  2. Baudenkmal Markthalle IX
  3. Festival „Stadt Land Food“ – Frische Ideen für Kantinen. In: Der Tagesspiegel, 1. Oktober 2018
  4. Beilage der taz, 1. Oktober 2011.
  5. Robert Klages: Erst muss der Aldi weg – dann werden wir verdrängt. In: Der Tagesspiegel (Online-Ausgabe), 7. März 2019
  6. Homepage Markthalle Neun, auf der Startseite oben rechts: Wochenmarkt Di., Fr. 12–20 Uhr, Sa. 10–18 Uhr; abgerufen am 28. Januar 2015.
  7. André Tucic: Immer proppenvoll. Einst heruntergewirtschaftet floriert die denkmalgeschützte Markthalle IX in der Eisenbahnstraße in Kreuzberg wieder. In: Berliner Zeitung, 31. März / 1. April 2012.
  8. Karin Schmidl: Ingwer-Bier und Pastinaken-Püree. In: Berliner Zeitung, 14. Dezember 2012; abgerufen am 3. März 2013.