Bernt Spiegel

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Bernt Spiegel (* 20. April 1926 in Heidelberg) ist ein deutscher Psychologe, Markt- und Verhaltensforscher sowie Spezialist für Motorradfahren. Er gilt als Begründer der Marktpsychologie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Psychologie studierte Spiegel Physiologie und Psychopathologie in Heidelberg, die Promotion erlangte er 1951, die Habilitation 1957. 1963 wurde er Ordinarius für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität Göttingen, 1965 Dekan und 1967 Mitglied der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Dann gründete er sein eigenes Institut für Marktpsychologie: Das „Spiegel-Institut Mannheim“, das sich auf dem Gebiet der Marktforschung etabliert hat. Das Konzept der Marktnische („Nischenstrategie“) entwickelte Spiegel während seiner Professur an der Universität Göttingen.[1][2] Er gilt als Marktforscher, versteht sich jedoch eher als Verhaltensforscher. Seit den 1960er Jahren fährt Spiegel Motorrad. Von 1981 bis in die 2000er Jahre war er als Senior-Instruktor bei Perfektionstrainings – insbesondere auf dem Nürburgring – für die Zeitschrift MOTORRAD tätig.[3] Dabei entwickelte er kurze Übungsvorsätze für Kursteilnehmer, die, über das Sicherheitstraining hinaus, Allgemeingut für Motorradfahrer geworden sind:

„Hände locker auflegen! […] Unterkiefer locker! […] Nicht mit den Zähnen bremsen! […] Lange außen bleiben! […] Legen, legen, legen!“

Bernt Spiegel[1][4]

Die obere Hälfte des Motorrads[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein 1998 im Verlag Heinrich Vogel erschienenes Buch Die obere Hälfte des Motorrads ist zu einem Bestseller geworden, das 2012 in Englisch, das zugehörige Trainingsbuch 2014 auch in Niederländisch erschien. Darin wird die Einheit von Fahrer und Maschine thematisiert. Zur Frage Karls V.: „Ob das Pferd ein Teil des Reiters sei oder der Reiter ein Teil des Pferdes,“ sieht Spiegel die Parallele zum Motorradfahren, bei dem der virtuose Fahrer ein Teil der Maschine ist.[5] Erstmals erwähnt Spiegel die (präadaptierte) „programmierte“ Schräglage des Menschen, die [als ererbtes Repertoire] „nur bis etwa 20 Grad reicht“.[6]

„Dieses Buch passt in kein Schema. Es handelt davon, dass der Mensch ein Motorrad kaum beherrschen kann. Dafür gibt es eigentlich keine Zielgruppe.“

Stephan Wehowsky[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die obere Hälfte des Motorrads: Über die Einheit von Fahrer und Maschine. 10. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03386-3.
  • Upper Half of the Motorcycle: On the Unity of Rider and Machine. Whitehorse Gear, 2010, ISBN 978-1-884313-75-2. (englisch)
  • Motorradtraining alle Tage: Das Übungsbuch zu Die obere Hälfte des Motorrads. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03477-8.
  • Motorfietstraining iedere dag. De Alk & Heijen, 2014, ISBN 978-90-6013-349-1. (niederländisch)
  • Die Struktur der Meinungsverteilung im sozialen Feld: Das psychologische Marktmodell. Huber Verlag, Bern/ Stuttgart 1961.
  • Werbepsychologische Untersuchungsmethoden: Experimentelle Forschungs- und Prüfverfahren. Duncker und Humblot, Berlin 1958.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Porträt Professor Dr. Bernt Spiegel. (Memento vom 1. November 2016 im Internet Archive) auf: motorradonline.de (abgerufen am 4. Oktober 2014)
  2. Vgl. Marktpsychologie. In: Dorsch: Lexikon der Psychologie. 10. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern 1982, ISBN 3-456-85460-9.
    Marktlücken und Marktpsychologie. In: Marketing Enzyklopädie. Band 2, Verlag Moderne Industrie, 1974, ISBN 3-478-22020-3.
    Marktpsychologie. In: Herders Lexikon der Psychologie. 3 Bände. 2007, ISBN 978-3-86756-037-5.
    Spiegel, Bernt. In: Großes Duden Lexikon.. Band 7, 1967.
  3. Motorrad Action Team: Perfekt Motorrad fahren. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01530-7, S. 150.
  4. Die obere Hälfte des Motorrads. S. 234.
  5. Die obere Hälfte des Motorrads. S. 123, 124.
  6. Die obere Hälfte des Motorrads. S. 43.
  7. Unterwegs im Mesokosmos. auf: journal21.ch (abgerufen am 12. Oktober 2014)