Bestreitbarkeit

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Unter Bestreitbarkeit (englisch contestability) versteht man in der Mikroökonomie die Möglichkeit eines Markteintritts durch einen potenziellen Konkurrenten. Ist ein Markteintritt leicht möglich (d. h. liegen wenige oder gar keine Marktschranken vor), so spricht man von einem bestreitbaren Markt. Können andere Unternehmen aufgrund zu hoher Marktschranken selbst bei hohen erzielbaren Gewinnen nicht in den Markt eintreten, so handelt es sich um einen nicht bestreitbaren Markt.

Die Bestreitbarkeit eines Marktes wird bestimmt durch die am Markt vorhandenen Marktschranken, den Zugang zu Absatz-, Beschaffungsmärkten und adäquaten Technologien, sowie das Preissetzungsverhalten der bisherigen Anbieter am Markt (im Falle eines Monopols oder Oligopols).

Bestreitbarkeit lässt sich auch als soziales Dilemma auffassen: Betrachtet man zwei Unternehmen, die jeweils vor der Wahl stehen, ob sie in den Markt eintreten oder nicht, so kann ein alleiniger Markteintritt zu einem hohen Gewinn führen. Ein Nichteintritt hingegen führt zwar zu keinen Kosten, jedoch auch zu keinen Gewinnen. Problematischer ist die Situation, wenn beide Akteure sich für einen Markteintritt entscheiden. Dann nämlich kann keines der Unternehmen mit einem Monopolgewinn, stattdessen mit versunkenen Kosten rechnen.

Theorie bestreitbarer Märkte[Bearbeiten]

Die Theorie der bestreitbaren (angreifbaren) Märkte besagt, dass unter der Annahme der vollkommenen Ersetzung des Marktinhabers beim Eintritt, keiner Markteintrittsbarrieren und keiner versunkenen Kosten (z. B. Kosten der informativen Werbung), alleine die Drohung mit Markteintritt auf den Marktinhaber disziplinierend wirkt (hit-and-run-Strategie möglich). Problematisch sind dabei die Annahmen zu sehen, dass es keine Markteintrittsbarrieren gibt, was in der Realität kaum der Fall ist, und dass die Ersetzung des Marktinhabers vollkommen ist, was unbeschränkte Kapazitäten voraussetzt und dass die Preise rigider sind als die Mengen, was in der Realität eher umgekehrt ist.

Beispiel[Bearbeiten]

Ein Monopolist produziert ein homogenes Gut. Er sieht sich der Nachfrage D(p) = 1 - p (p = Preis) gegenüber. Seine Fixkosten (F) betragen \frac{1}{7}. Der Monopolist hat einfachheitshalber keine variablen Kosten. Der Monopolist möchte seinen Gewinn (\Pi) maximieren: max{ \Pi } = max{ (1-p)p - F }. Ein Maximum liegt vor, wenn die erste Ableitung des Gewinns Null und die zweite kleiner als Null ist.


\frac{\partial \Pi}{\partial p} = 1 - p - p = 0 \quad 
\frac{\partial ^2 \Pi}{\partial p^2} = -2 \quad 
p = \frac{1}{2} \quad 
\Pi = \frac{1}{4} - F \quad

Der Markt ist dabei angreifbar, da es für ein anderes Unternehmen lohnend ist, in den Markt einzutreten, den Monopolisten zu unterbieten und positive Gewinne zu erwirtschaften. Damit der Markt nicht angreifbar wird, setzt der Monopolist den Preis, bei dem er Null-Gewinne macht.

\Pi = (1 - p)p - \frac{1}{7} = 0 \quad \Leftrightarrow \quad 7p^2 - 7p + 1 = 0 \quad p = \frac{7 \pm \sqrt{21}}{14} \quad p = \frac{7 - \sqrt{21}}{14}.

Die Theorie bestreitbarer Märkte diente als eine wettbewerbspolitische Doktrin der Regierung Thatcher. Sie postuliert, dass der freie Marktzutritt ausreiche, damit Monopolisten zu Durchschnittskosten statt zu Monopolpreisen anböten und es damit zu einer optimalen Allokation der Ressourcen kommen würde. Deshalb genüge die Bestreitbarkeit des Monopols.

Literatur[Bearbeiten]

  • Baumol, W. J.; Panzar, J. C. & Willig R. D. (1982) Contestable Markets and the Theory of Industry Structure