Bodersweier

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Bodersweier
Stadt Kehl
Wappen von Bodersweier
Koordinaten: 48° 36′ 0″ N, 7° 52′ 22″ O
Höhe: 135 m
Einwohner: 2000
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 77694
Vorwahl: 07853
Kleiner Dorfplatz in der Gemeindemitte
Kleiner Dorfplatz in der Gemeindemitte

Bodersweier ist ein Stadtteil von Kehl im Baden-Württembergischen Ortenaukreis. Das Dorf hat ca. 2000[1] Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodersweier liegt im Rheintal ca. 2 km östlich des Rheins, der hier die Deutsch-Französische Grenze bildet, und 7 km nordöstlich von Kehl. Die Innenstadt des französischen Straßburg ist 10 km entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung stammt von 884 n. Chr., als Kaiser Karl III. dem Kloster Honau seinen Besitz bestätigte, darunter auch Gut zu Bothalasuuileri. Der Name des Ortes wurde von der älteren Forschung noch auf einen elsässischen Adligen mit Namen Bodal zurückgeführt, der dem Kloster Honau bereits im 8. Jahrhundert Güter stiftete. Die jüngere Forschung erkennt in der Ansilbe bod dagegen eher die Bezeichnung für „sumpfiges Wasser“, was die Geländesituation des Ortes, der zur Zeit seiner Besiedlung wohl noch in einem ausgeprägten Mündungsdelta der Kinzig lag, treffend charakterisiert. Mit dem restlichen Besitz des bereits früh untergegangenen Klosters Honau kam Bodersweier bis zum 10. Jahrhundert als Teil des districtus Honowe an den Bischof von Straßburg. 1226 wurden ein Leutpriester und eine Kirche in Bodersweier erwähnt. Die drei im 13. und 14. Jahrhundert amtierenden Straßburger Bischöfe aus dem Geschlecht der Lichtenberger belehnten Familienangehörige mit bischöflichen ein Lehen. Die Erstbelehnung mit Bodersweier erfolgte vermutlich 1274.[2] Bodersweier lag in der Herrschaft Lichtenberg im Amt Lichtenau.[3] 1335 nahmen die mittlere und die jüngere Linie des Hauses Lichtenberg eine Landesteilung vor. Dabei fiel das Amt Lichtenau – und damit Bodersweier – an Ludwig III. von Lichtenberg, der die jüngere Linie des Hauses begründete.[4]

Anna von Lichtenberg (* 1442; † 1474) war als Tochter Ludwigs V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474) eine von zwei Erbtöchtern mit Ansprüchen auf die Herrschaft Lichtenberg. Sie heiratete 1458 den Grafen Philipp I. den Älteren von Hanau-Babenhausen (* 1417; † 1480), der eine kleine Sekundogenitur aus dem Bestand der Grafschaft Hanau erhalten hatte, um sie heiraten zu können. Durch die Heirat entstand die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Anna, erhielt Philipp I. d. Ä. 1480 die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg. Die andere Hälfte gelangte an seinen Schwager, Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Das Amt Lichtenau gehörte zu dem Teil von Hanau-Lichtenberg, den die Nachkommen von Philipp und Anna erbten.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg (1514–1590) führte nach dem Regierungsantritt 1538 die Reformation in seiner Grafschaft konsequent durch, die nun lutherisch wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Kriegen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts hatte der Ort wie die gesamte Umgebung unter Plünderungen, Brandschatzungen und Einquartierungen zu leiden. Der Wiederaufbau kam wegen der fortgesetzten kriegerischen Unruhen nur zögerlich in Gang, und die von der Herrschaft eingeforderten hohen Abgaben zur Zahlung der Kriegsschulden taten ihr Übriges. Der Unmut der Bauern im Hanauerland äußerte sich im Aufstand der Hanauer Bauern von 1725. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1736, fiel das Erbe – und damit auch das Amt Lichtenau mit Bodersweier – an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte von Hanau-Lichtenberg, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurden das Amt Lichtenau und Bodersweier 1803 dem neu gebildeten Kurfürstentum Baden zugeordnet, während das benachbarte Kehl zunächst an Frankreich fiel, wodurch Bodersweier weiterhin Zollstelle blieb, was insbesondere zu einem Aufschwung des Speditionswesens im Ort führte.

Am 1. Januar 1975 wurde die Ortschaft nach Kehl eingemeindet.[5][6]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Das Kirchenpatronat des Ortes lag ursprünglich beim Abt des Klosters Honau, ab 1398 beim Stift Alt Sankt Peter in Straßburg. Seit Einführung der Reformation durch Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg († 1590) und der etwa 1559 erfolgten Bestellung eines evangelischen Pfarrers war Bodersweier bis ins frühe 19. Jahrhundert fast rein protestantisch. Der bekannteste am Ort wirkende Geistliche war Quirinus Moscherosch, Ortspfarrer von 1655 bis zu seinem Tod 1675, der durch seine Gedichte auch überregional bekannt wurde.

Eine jüdische Gemeinde in Bodersweier bestand bereits im 18. Jahrhundert. Die Gemeinde wuchs nach dem Übergang an Baden im Lauf des 19. Jahrhunderts an. 1812/13 erbaute sich die wachsende Gemeinde eine neue Synagoge. 1875 lebten 116 Juden im Ort und machten damit rund 10 % der Bevölkerung aus. In den nachfolgenden Jahren setzte jedoch aufgrund der ärmlichen ländlichen Verhältnisse wie auch in anderen Landgemeinden eine starke Landflucht ein, so dass die jüdische Gemeinde im Jahr 1925 nur noch 46 Personen zählte. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Im September 1939 wurden sämtliche Juden des Ortes deportiert, doch kehrten einige Personen im Lauf des Jahres 1940 zunächst zurück, bevor im Oktober 1940 die letzten 15 Juden des Ortes nach Gurs verschleppt wurden. Insgesamt gelten 17 Juden aus Bodersweier als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Die ehemalige Synagoge kam in Staatsbesitz, diente zunächst noch als Busgarage, wurde nach 1945 an die Israelitische Landesgemeinde Südbaden zurückerstattet, von dieser an privat verkauft und 1951 abgerissen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem späten Mittelalter stand dem Ort ein gewählter Heimbürge vor. Ab dem 17. Jahrhundert stand dem Heimbürgen auch der von der Herrschaft eingesetzte Stabhalter als Vertreter des Rheinbischofsheimer Schultheißen zur Seite, der im 18. Jahrhundert vom „herrschaftlichen Schultheißen“ (umgangssprachlich: „Schulz“) abgelöst wurde. 1812 wandelte sich die Amtsbezeichnung von Schultheiß zu Vogt, mit der badischen Gemeindeordnung von 1831 wurde der jeweilige Gemeindevorsteher als Bürgermeister bezeichnet.

Bürgermeister 1831 bis 1974[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bodersweier hatte von 1831 bis 1974 folgende Bürgermeister (in Klammern das Jahr des Amtsantritts):

  • Hemler (1832)
  • Lauck (1845)
  • Johann Georg Baaß (1850)
  • Hennenberger (1868)
  • Heinrich Braun (1876)
  • Jakob Müll (1881)
  • Johann Hemmler (1894)
  • Karl Wund (1914)
  • Michael Hemmler (1928)
  • Karl Thorwarth (1938)
  • Karl Murr (1945)
  • Berthold Hetzel (1946)
  • Alfred Murr (1967)
  • Wilhelm Köbel (1974, kommissarisch)

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ergebnis der Gemeindegebietsreform 1973 wurde Bodersweier 1975 nach Kehl eingemeindet, und das Amt des Ortsvorstehers geschaffen. Amtsinhaber, und damit Vorsitzender des Ortschaftsrates, ist seit 2009 Manfred Kropp (SPD).[7] Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 brachte folgende Sitzverteilung:

4
3
3
Von 10 Sitzen entfallen auf:
  • SPD: 4
  • Bürgerliste: 3
  • FW: 3

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortskern des Fachwerkdorfes Bodersweier steht seit 1980 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Im Ort sind alle im Hanauerland vorkommenden Fachwerkhaustypen vertreten. Die Fachwerkbauten stammen zumeist aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Eine Besonderheit stellen die früher häufig vorkommenden, heute jedoch nur noch sehr selten anzutreffenden einstöckigen Fachwerkbauten in der Querbacher Straße 1 und in der Langstraße 22 dar. Das Gebäude in der Langstraße 22 ist außerdem ein besonders schmaler Bau mit so genannter Hausgangküche, wobei auf enger Grundfläche die direkt hinter der Haustür beginnende Küche den ansonsten vorhandenen Flur ersetzt. Aufgrund seiner Seltenheit wurde dieses Haus schon vor längerer Zeit unter Denkmalschutz gestellt.

Besonders häufig anzutreffen sind die für das Hanauerland typischen Kniestockhäuser, in Bodersweier vor allem in einseitig versetzter Variante anzutreffen, wobei das länger auskragende Dach in Zeiten landwirtschaftlicher Nutzung oft als Raum zum Trocknen von Mais oder Tabak verwendet wurde. Die zweistöckigen Fachwerkhäuser des Ortes waren meist von einem Krüppelwalmdach überdeckt, haben dieses infolge jüngerer Renovierungen jedoch häufig eingebüßt.

Die Johanneskirche in Bodersweier wurde bereits 1226 urkundlich erwähnt und 1616 durch den heutigen Bau ersetzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bodersweier haben der Hersteller von Hotelkosmetik, die ADA Cosmetics International GmbH, und der Hersteller für Hebebühnen und Prüftechnik, die Otto Nußbaum GmbH & Co. KG, ihren Hauptsitz.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landstraße 75 führt durch Bodersweier. Die Busanbindung wird von der SWEG erbracht (u.a. Linie 301).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bodersweier befindet sich eine Werkrealschule

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bodersweier – Berichte, Erzählungen und Bilder aus der Geschichte eines Dorfes im Hanauerland. Kehl 1984.
  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3
  • Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bodersweier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haushaltsplan 2017/18, S.1 (PDF)
  2. Eyer, S. 56, 145.
  3. Eyer, S. 99, 239; Knöpp, S. 13.
  4. Eyer, S. 79f.
  5. http://www.kehl.de/stadt/verwaltung/ortschaften/bodersweier.php
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 514.
  7. http://www.kehl.de/stadt/verwaltung/ortschaften/bodersweier.php