Kurfürstentum Baden

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Kurfürstentum Baden
Wappen
Wappen Badens
Karte
Gebietszuwachs 1802/1803 in violett
Entstanden aus Markgrafschaft Baden
Herrscher/Regierung Kurfürst Karl Friedrich
Hauptstädte/Residenzen Karlsruhe
Dynastien Haus Baden (Zähringer)
Aufgegangen in Großherzogtum Baden 1806

Kurfürstentum Baden war eine kurzlebige und inoffizielle Bezeichnung für die Markgrafschaft Baden in den drei letzten Jahren des Heiligen Römischen Reichs. Sie entstand am 27. April 1803 mit dem Inkrafttreten des Reichsdeputationshauptschlusses, als Markgraf Karl Friedrich eine der durch Auflösung der geistlichen Fürstentümer frei werdenden Kurwürden erhielt. Als er im Jahre 1806 die Rheinbundakte unterzeichnete und dadurch die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches mit unterstützte, wurde die Kurwürde hinfällig und die Markgrafschaft wurde von Napoleons Gnaden zum Großherzogtum erhoben.

Territoriale Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kurpfalz - Gebietsbereinigung von Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Verhandlungen über einen Entschädigungsplan für den Verlust der linksrheinischen Gebiete erhob der badische gesandte in Paris, Sigismund von Reitzenstein, die Forderung nach Eingliederung der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz nach Baden. Reitzenstein wollte damit ursprünglich nur eine Verhandlungsposition für allfällige Tauschobjekte aufbauen. Bayern fand sich aber für einen Verzicht bereit, wenn es mit seinem Kernland näherliegenden Gebieten entschädigt würde. Bayern erhielt diesen Ausgleich - vornehmlich das Fürstbistum Augsburg und verzichtete auf die damals ohnehin überschuldete Kurpfalz (mit Mannheim und Heidelberg).

Säkularisation geistlicher Fürstentümer, Stifte und Klöster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weitere Entschädigung für den Verlust der linksrheinischen Gebiete an Frankreich erhielt Baden den rechtsrheinischen Besitz der Fürstbistümer Konstanz, Basel, des Straßburg und Speyer. Dazu kamen noch die Reichsstifte Petershausen und Gengenbach, die Reichsabtei Salem sowie der größte Teil des Reichsstifts Salmannsweiler, außerdem auch die Prälaturen Schwarzach, Frauenalb, Allerheiligen, Lichtental, Ettenheimmünster, Reichenau und Öhningen.

Mediatisierung der Reichsstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem wurden durch die Mediatisierung die Ortenauer Reichsstädte (Offenburg, Gengenbach, Zell am Harmersbach) und das Reichstal Harmersbach Baden zugeschlagen, ebenso wie der Linzgau mit Überlingen und Pfullendorf. Ursprünglich kam auch die Reichsstadt Wimpfen hinzu, wurde jedoch sogleich im Rahmen eines Gebietsaustauschs an das Großherzogtum Hessen abgetreten. Das ebenfalls an Baden gefallene Biberach an der Riß wurde 1806 gegen die Städte Villingen, Bräunlingen und Tuttlingen sowie die Grafschaft Bonndorf an Württemberg ausgetauscht, das die Stadt am 24. Oktober 1806 in Besitz nahm.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem bereits durch die Vereinigung der römisch-katholischen Markgrafschaft Baden-Baden mit der lutherischen Markgrafschaft Baden-Durlach zur Markgrafschaft Baden im Jahre 1771 das Prinzip cuius regio eius religio aufgeweicht worden war, erhielt das neue Kurfürstentum durch die Eingliederung der Kurpfalz ein reformiert geprägtes Territorium hinzu. So hatte der Kurfürst drei große christliche Konfessionen in seinem neu zusammengefügten Staatsgebiet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Schimke (Hrsg.): Regierungsakten des Kurfürstentums und Großherzogtums Baden 1803-1815. Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten, Bd. 8. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2011, ISBN 978-3-486-58677-0
  • Kurfürstlich Badische Landes-Organisation. In 13 Edicten sammt Beylagen, und Anhang. Carlsruhe 1803 in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Stievermann: Geschichte der Stadt Biberach (Sondereinband). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0564-7, S. 499 ff.