Booksharing

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Booksharing (aus dem Englischen, auf Deutsch in etwa "gemeinsames Nutzen von Büchern"), im englischen Sprachraum auch book sharing[1], book exchange[2] oder book swapping[3] genannt, ist das gegenseitige Zurverfügungstellen von Büchern jeder Art in weitgehend nichtkommerziellen Netzwerken und Communitys. Möglich ist alternativ oder kombiniert Tauschen, Verleihen/Leihen oder Schenken/Verschenken. Die gegenseitige Nutzung wird virtuell und angemeldet über Internet-Plattformen, real und anonym an bestimmten Orten oder kombiniert organisiert. Booksharing wird weltweit praktiziert, vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa.

Allgemeiner Hintergrund und Verbreitung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Booksharing tauchte erstmals um 2000 in den USA im Umfeld der Denkschule einer alternativen Cooperative Economy[4], Shareconomy oder Collaborative Consumption (Wirtschaft oder Konsum auf Gegenseitigkeit nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit)[5]. Der Begriff hat sich in Deutschland bislang nur zögernd durchgesetzt, bekannter ist der Begriff Bookcrossing oder BookCrossing[6], eine Sonderform von Booksharing mit einer festeren Struktur und Organisation sowie mittlerweile kommerziellen Interessen[7]. Einer der wenigen sozialen Netzwerke in Deutschland, die sich als Anbieter für Booksharing bezeichneten, war Bookelo mit Sitz in München. Der Dienst wurde jedoch inzwischen eingestellt[8]. Mittlerweile gibt es auch eine über Facebook organisierte Online Plattform für Booksharing aus St. Gallen in der Schweiz[9].

Vom selbstgezimmerten Bücherkasten bis Bookcrossing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In anderen Lebensbereichen entspricht Booksharing vom Grundprinzip her der Teilhabe am Wirtschaftsgeschehen auf Gegenseitigkeit auch in Deutschland. Bekannt sind Organisationsformen wie Carsharing (Autos), der Kleiderkreisel (Bekleidung) oder CouchSurfing (Reisen). Außerhalb des Internets gibt es Booksharing als eine Art unorganisierte Graswurzelbewegung für Bücherfreunde, die anonym im öffentlichen Raum Bücher tauschen wollen, schon lange. Solche Bewegungen entstanden vor allem in urbanen, kleinen lesefreudigen Nachbarschaften in den USA, etwa im New Yorker Literaten-Stadtbezirk Brooklyn[10], in Portland, Oregon[11], aber auch in Intellektuellen-Vierteln in Moskau[12] und in Berlin am Prenzlauer Berg[13]. Dort werden die Bücher entweder planlos irgendwo, etwa auf Bänken, oder in selbstgezimmerten, an Vogelnistkästen erinnernden Bücherkästen für ein anonymes und kostenloses Booksharing ausgewildert. Erwünscht, aber nicht zwingend ist es, ein eigenes Buch als Ersatz für das entnommene zu deponieren. Anders als das straff durchorganisierte Bookcrossing, das diese sozial-nachbarschaftlichen urbanen Traditionen des Bücherauswilderns aufgreift, ist diese Ur-Form von Booksharing meist eher unstrukturiert. Eine Sonderstellung nimmt das Projekt Little Free Library[14] mit Basis in Wisconsin ein, verbunden mit einer Internet-Plattform und 5000 weltweit registrierten Nutzern. Grundidee ist es, in Form kleiner, selbstgezimmerter Bibliotheken nach Art von Puppenhäusern Bewohner aus der Nachbarschaft vor allem in ländlichen Regionen regelmäßig mit Büchern und Lesefutter im Booksharing-System zu versorgen. Das Ur-Modell aus einem kleinen Ort in Wisconsin hat mittlerweile eine Reihe von Nachahmern weltweit gefunden bis hin nach Afrika. Auch in Deutschland hat Little Free Library mittlerweile Unterstützer[15].

BookMooch als Pionier für Büchertausch-Plattformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einer der Gründerväter von Booksharing als digitaler Plattform zum Tausch der eigenen Bücher mit denen anderer Bücherfreunde gilt der in den USA lebende Brite John Buckman. Der Internet-Entrepreneur und studierte Philosoph entwickelte in den 1990er Jahren die Idee für die Plattform BookMooch im kalifornischen Berkeley. BookMooch ist mittlerweile einer der größten und am professionellsten auftretenden Internet-Plattformen für Booksharing nach dem Tausch-Prinzip und ist auch in Deutschland vertreten [16]. Büchersammler Buckman hatte sich geärgert, weil viele gute Bücher gebraucht über Billiganbieter im Internet verramscht wurden. Andererseits fand er rare und nicht mehr lieferbare Bücher nur noch überteuert in Online-Antiquariaten. So kam dem Internet-Unternehmer die Idee mit Booksharing, um Bücher nach persönlichem Interesse mit Gleichgesinnten über eine Plattform im Internet auszutauschen[17]. Das Booksharing erfolgt über ein Punktesystem. Die Mitglieder können sich weltweit kostenlos bei BookMooch registrieren und eigene Bücher anbieten. Sobald sie ein Buch auf die Reise geschickt haben, erhalten die Mitglieder Punkte, mit denen sie Bücher ihrer Wahl unabhängig von deren realem Wert auf dem Buchmarkt eintauschen können. BookMooch organisiert zudem Charityprojekte und verteilt kostenlos Bücher an Kinderkrankenhäuser und finanziell eingeschränkte kleine Stadtbibliotheken sowie Gefängnisse. Neben dem wesentlich bekannteren Booksharing-Pionier Bookcrossing zählt BookMooch zu den größeren über das Internet organisierten Booksharing-Communitys mit rund 500.000 Büchern im Tauschangebot. Der Gründer zieht mittlerweile über Amazon-Verkäufe von der Plattform aus sowie freiwilliges Funding durch Mitglieder Profit, die Mitgliedschaft bleibt kostenfrei. Jedes 20. über BookMooch getauschte Buch wurde zuvor bei Amazon gekauft. Mittlerweile entsteht an der Universität Maryland eine Doktorarbeit über BookMooch[18].

Goodreads und andere Plattformen für Bücheraustausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Plattformen und Netzwerke für Booksharing meist auf Tauschbasis gibt es in den USA und in Großbritannien[19]. Einige wie BookLikes sind auch in Deutschland aktiv[20]. Die in San Francisco beheimatete Plattform Goodreads hingegen ist eine Sonderform des Booksharings, da die von rund 20 Millionen Usern genutzten und eingestellten Bücher einschließlich Rezensionen von der Community weder getauscht noch geschenkt oder verliehen, sondern ausschließlich digital empfohlen werden können. Amazon-Käufe bietet auch diese mitgliederstärkste Plattform ihrer Art weltweit, deren Übernahme Amazon im März 2013 angekündigt hat. Im Mai 2013 wurde die Übernahme vollzogen.[21] Ein ähnlich strukturierter Anbieter für Booksharing in Verbindung mit Social Networking ist die Plattform Copia mit Bücherdiskussionen der Community-Mitglieder in Echtzeit mit Schwerpunkt auf E-Books[22].

Bookelo als erste deutsche Booksharing-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 2012 gegründeter Anbieter ist Bookelo aus München die einzige rein deutsche Plattform für Booksharing, erfunden von Internet-Unternehmer Matthias Gasser[23]. Die Besonderheit, die Bookelo von anderen Plattformen dieser Art unterscheidet, ist seine Organisation als eine Art riesige Bibliothek. Tauschgeschäfte sind laut den Geschäftsbedingungen von Bookelo ausdrücklich nicht möglich. Anders als bei Goodreads werden die Bücher real verliehen. Wer Mitglied werden möchte, registriert sich kostenlos auf der Plattform und bietet Bücher aus dem eigenen Bestand zum Verleihen an. Umgekehrt können angemeldete User Leihgesuche für Bücher einstellen. Die einzelnen Modalitäten und die Leihfristen machen die beteiligten Community-Mitglieder unter sich per E-Mail oder Facebook aus. Eine Leihgebühr für Bookelo fällt dabei nicht an, allerdings besteht wie bei BookMooch die Möglichkeit, Bücher über die Plattform bei Amazon zu bestellen. Auch ein Verschenken von Büchern, etwa von nicht mehr benötigten Studienbüchern, ist möglich. Mitglieder bei Bookelo können zudem über die Software der Plattform ihre eigenen Bibliotheksbestände individuell verwalten. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung wurde Bookelo, das überregional Mitglieder in ganz Deutschland hat, als "Bibliothek 3.0" bezeichnet[24].

Booksharing wird neu definiert als erweiterter Bibliotheksbegriff und als Nachfolgemodell der flächendeckend sterbenden Kultur der Stadtbibliotheken in Deutschland. Vor allem in ländlichen Regionen bilden Booksharing-Plattformen wie Bookelo eine neue Mischform aus digitaler Bibliothek und privat organisierten realen Leihbüchereien auf Zeit als soziale Netzwerke. Damit steht Bookelo neben Anbietern für Tausch und Verschenken sowie Auswildern von Büchern als innovative Leihbücherei für einen zweiten eigenständigen Weg im Booksharing.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A fun new way of sharing books and it's growing a big following
  2. A List of Book Exchange Websites
  3. Book Swap Site Round-Up
  4. From mobile libraries to tiny libraries, how to get others to read the books you love.
  5. Why Book Sharing Sites are on the Rise
  6. BookCrossing: Wie das Internet den Büchern Beine macht
  7. Startseite von BookCrossing
  8. Deutsche Startseite von Bookelo
  9. Schweizer Booksharing Plattform
  10. Books Found on Brooklyn Stoops, and Other Book Love
  11. Portland volunteers will share favorite titles during book-sharing event that spreads joy of reading
  12. Russia Magazine: Moscow Park Houses Book-Sharing Program In The Trees
  13. Ein Buch im Baum – zugreifen und nachfüllen bitte!
  14. Startseite von Little Free Library
  15. Little Free Library – Bücher kostenlos ausleihen
  16. Deutsche Startseite von BookMooch
  17. Interview mit BookMooch Gründer John Buckman
  18. Survey about BookMooch
  19. Bookworms, save your pennies -- try book sharing instead
  20. New Book Sharing Site Goes Live
  21. Drew Olanoff: Amazon Acquires Social Reading Site Goodreads, Which Gives The Company A Social Advantage Over Apple. SF Gate. Abgerufen am 14. Februar 2016.
  22. Startseite von Copia
  23. bookelo: Das neue, persönliche Leihsystem für Bücher im Web
  24. Süddeutsche Zeitung vom 26. Februar 2013