Borbachschlösschen

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Borbachschlösschen

Das Borbachschlösschen liegt im Borbachtal im Wittener Stadtteil Annen oberhalb der Ruhr in unmittelbarer Nähe des Hohensteins. Das Gebäude wurde 1867 errichtet. Seine dezente Architektur wird vor allem durch den gotisch anmutenden Spitzbogen und die Erker aus Ruhrsandstein geprägt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1867 errichtet. Der Erbauer und Eigentümer war Johann Gerhard Sticht. Im Jahre 1912 wurde das Gebäude erheblich vergrößert und erhielt seine bis heute prägende architektonische Gestaltung. Diese Mauern erlebten die Reichsgründung 1871, zwei Weltkriege und ein wechselvolle Eigentümerschaft. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Gebäude restauriert. Die Historismus-Stuckdecken und Säulen und die Jugendstil-Bleiverglasungen bezeugen die kulturgeschichtlichen Epochen der Architektur dieses Gebäudes.

Im Borbachschlösschen befand sich 1939 ein Raum für kirchliche Zwecke, der auch vom Paderborner Generalvikariat am 8. April 1939 genehmigt wurde. Für die Ausstattung des Raumes, für den auch für 400 Mark ein Harmonium angeschafft wurde, standen außerdem ein Altar und ein transportabler Beichtstuhl zur Verfügung. Für den Raum wurde vierteljährlich eine Miete von 30 Mark bezahlt.[1] Auch nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nutzte die katholische Kirche diesen Saal für ihre Gottesdienste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die katholische Kirche einen Teil des Gebäudes für ihre Gottesdienste und Versammlungen. In den 1950er-Jahren war das Borbachschlösschen ein beliebtes Garten- und Ausflugslokal im Borbachtal.

Heute wird das Borbachschlösschen von der Familie Hasenkamp bewohnt. Die Familie Hasenkamp ist einer der ältesten Familien der Region. Eine erste urkundliche Erwähnung derer von Hasenkamp geht auf das Jahr 1165 zurück. Zu dieser Zeit bewohnte die Familie von Hasenkamp ein großes bäuerliches Anwesen in (Bochum)-Stiepel. Wennemar von Hasenkamp, der neben Johann Gerhard Hasenkamp zu den wichtigsten Ahnen der Familie gehört, erbaute als Amtmann von Bochum 1467 den Rittersitz der Familie von Hasenkamp in Weitmar.

Im Jahre 1592 erweiterte Johann von Hasenkamp den Rittersitz zu einem Schloss aus Ruhrsandstein.

Infolge der Reformation spaltete sich 1599 die Familie. Der protestantisch gewordene Johann Gert von Hasenkamp verzichtete auf alle Ansprüche und Titel und verließ den Rittersitz, um sich in Lengerich bei Tecklenburg als Großbauer niederzulassen. Sein Ur-Ur-Enkel Johann Gerhard Hasenkamp, 1736 geboren, war als pietistischer Prediger ein streitbarer Gelehrter, der mit Johann Wolfgang von Goethe über Grundfragen der christlichen Religion stritt. Johann Gerhard Hasenkamp war ein enger Freund und Berater von Johann Caspar Lavater, dem Begründer der Physiognomie.

Im Jahre 1764 verstarb der letzte katholische Hasenkamp kinderlos auf dem Familien-Schloss in Weitmar. Seine protestantischen Verwandten in Lengerich schlugen das Erbe aus, weil sie die auf dem Anwesen errichtete katholische Kapelle als Beleg für die unerträgliche Glaubensfeindschaft bewerteten. Ein großformatiges Ölgemälde des alten Stammsitzes der Familie Hasenkamp ist heute im Eingangsbereich des Borbachschlösschens angebracht.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit etwa 30 Räumen gehört das Borbachschlösschen zu den kleineren Landschlössern seiner Zeit. Die restaurierten Stuckdecken aus der Zeit des Historismus und die zahlreichen Stuck-Säulen mit ionischen Kapitellen verleihen dem Gebäude einen gediegenen Schlosscharakter. Zur heutigen Ausstattung gehören zahlreiche Möbel der Manufaktur Warrings und eine Sammlung von Genre-Gemälden des 18. Jahrhunderts.

Im Erdgeschoss befindet sich die alte Schlossküche und der große Empfangssaal, der bis 2010 als Gaststätte genutzt wurde. Heute wird der Saal für Seminare, Konzerte und Lesungen der Akademie im Borbachschlösschen genutzt. Aus der Zeit des Jugendstils stammen ein Fliesenboden im Erdgeschoss und kunstvolle Bleiverglasungen in den Erkerfenstern.

Der Gewölbekeller zeigt die Baukunst des 19. Jahrhunderts. Große tonnenschwere Sandsteinquader bilden das Fundament des Hauses und sorgen für ein ausgeglichenes Klima. Im ersten Geschoss, der „Beletage“, dominiert die Bibliothek auf mehr als 300 m². Dort sind mehr als 3.000 Bände der neueren Zeit und etwa 500 antiquarische Bücher untergebracht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Schenk: Witten. Sutton Verlag, 2010, ISBN 978-3-89702-654-4.
  • Christian Lukas: Witten-Annen. 1. Auflage. Sutton Verlag, 2012, ISBN 978-3-95400-004-3.
  • Wilfried Bracht, Wilhelm Putz: Annen-Süd, Eigenverlag Geschichtsverein Annen e.V., 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilfried Bracht, Wilhelm Putz: Annen-Süd, Eigenverlag Geschichtsverein Annen e.V., 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 25′ 45″ N, 7° 22′ 17″ O