Bornstedter Friedhof

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Bornstedt und der Friedhof auf einer Karte von 1910

Der Bornstedter Friedhof liegt direkt gegenüber dem Krongut Bornstedt in direkter Nachbarschaft zur Potsdamer Orangerie. Auf ihm sind nicht nur Einwohner von Bornstedt begraben, sondern auch zahlreiche Persönlichkeiten. Bereits Theodor Fontane berichtete: Was in Sanssouci stirbt – wird auch in Bornstedt begraben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchhof des 1935 nach Potsdam eingemeindeten Dorfes Bornstedt ist seit dem 18. Jahrhundert vom Bürgertum und vom Adel gern zur letzten Ruhestätte gewählt worden. Der Friedhof als solches wurde bereits 1599 angelegt. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde er stetig erweitert. Bis zur Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle im Jahre 1860 betreuten die Geistlichen der Potsdamer Stadtpfarrkirche, ab 1721 Sankt Nikolai bzw. ab 1848 die der Friedenskirche das Dorf und den Friedhof. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte das Gut Bornstedt schon 1664 gekauft. Es unterstand damals dem Amt Potsdam. In der Zeit von 1734 bis 1826 war es selbstständig. Seine Aufgabe war hauptsächlich die Versorgung des Großen Militärwaisenhauses in Potsdam. Im Jahre 1864 wurde es dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm als Kronfideikommissgut zur Verfügung gestellt. Eine Umgestaltung des Kirchhofs ab 1867 folgte. Theodor Fontane besuchte 1869 den Friedhof und fand noch die traditionelle Obst- und Grasnutzung durch den Küster vor. Erst zehn Jahre später wurde diese Nutzung beendet. Der heutige Zustand geht auf die Wiederbelegung ab 1897 und eine Umgestaltung in den Jahren 1911 und 1912 zurück. Der unter Denkmalschutz stehende Teil 1 des Friedhofes wird nicht mehr belegt. Er gliedert sich in fünf Teile und den Sello-Friedhof. Auf dem Teil II des Friedhofs befindet sich auch eine Trauerhalle. Sie wurde durch Reinhold Persius ca. 1900 erbaut. Dank eines Fonds der Weltkulturorganisation der Unesco konnte die Trauerhalle im Jahr 2010 denkmalgerecht saniert werden. Es entstand auch ein neuer Anbau, nachdem der in den 1970er Jahren gebaute auf schlechtem Untergrund ins Rutschen gelangte.

Die in Potsdam mangelhaften Möglichkeiten zur Einrichtung repräsentativer Erbbegräbnisse veranlassten Adel und Bürgertum auf den umliegenden Dörfern, vor allem aber in Bornstedt, Grabgewölbe einzurichten. Diese Gewölbe und Grabkapellen, wie auch die Begräbnisse in der Kirche selbst, sind durch den Abriss der Dorfkirche und die Neubauten 1805 und 1856 verloren gegangen. Durch einen Anbau an die Kirche 1881/82 verkleinerte sich der östliche Teil des Friedhofes weiter.

Große Teile des nördlichen Potsdam, wie auch die Schlösser und Gärten von Sanssouci, entstanden auf der Bornstedter Gemarkung. Der Bornstedter Friedhof entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum bevorzugten Begräbnisplatz von Hofgärtnern, Hofbeamten und Würdenträgern aus der Zeit der Monarchie. Bis 1905 entstanden so fünf Friedhofsteile, die heute noch deutlich voneinander getrennt sind. Ein besonderer Bereich ist der Friedhof der Hofgärtnerfamilie Sello. Er wurde 1844 von Ludwig Hermann Sello angekauft und war zur Bestattung von Familienangehörigen und Freunden bestimmt.

Grabmale (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es befinden sich unter anderem das Grab des „Langen Kerls“ Wilhelm Wagenführer,[1] das Grab von Werner Alfred Pietschker und der Familienfriedhof der Familien Stiftung Hofgärtner Hermann Sello auf dem Friedhof. Der wie Theodor Fontane in seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschreibt „Hofgärtner in Bataillonen“ der Gärtnerfamilien Sello und Nietner vereint. Auf diesem privaten Teil des Friedhofs (Erbbegräbnisplatz) findet man auch die Gräber des berühmten Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné sowie der Architekten Friedrich Ludwig Persius und Reinhold Persius. Über 500 namhafte, einst bedeutende Persönlichkeiten ruhen auf den fünf Teilen des Bornstedter Friedhofs: unter anderem auch Wilhelm Karl Prinz von Preußen, der 2007 als Letztem verstorbene Enkel des deutschen Kaisers Wilhelm II, wie auch der preussische Kriegsminister, Erich von Falkenhayn.

Das Kirchenschiff
Bronzeplastik auf dem Heldenhain des Bornstedter Friedhofs
Bild Name
Gedenktafel Catt.JPG Henri de Catt (1725–1795), Privatsekretär von Friedrich II. von Preußen

bekannt als sein Vorleser

Samuel Sello.JPG Johann Samuel Sello (1715–1787), Königlicher Hofgärtner
Emil Sello.JPG Emil Sello (1816–1893), Preußischer Hofgärtner
Manger.JPG Heinrich Ludwig Manger (1728–1790), Preußischer Oberhofbaurat und Garteninspektor
P J Lenne Grabkreuz Bornstedt.jpg Peter Joseph Lenné (1789–1866), General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten
Mackowsky, Hans (1871-1938) Grabstein.jpg Hans Mackowsky (1871–1938) Kunsthistoriker
Grab Gillis Grafström.JPG Gillis Grafström (1893–1938) Schwedischer Eiskunstläufer
Otto von Mendelssohn Bartholdy.JPG Otto von Mendelssohn Bartholdy (1868–1949) deutscher Bankier und Industrieller
Grabstein Ludwig von Reuter 1975.jpg Ludwig von Reuter (1869–1943) deutscher Marineoffizier, zuletzt Admiral

Die Bornstedter Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist direkt an der Ribbeckstraße gelegen und hat einen freistehenden, 34 Meter hohen Campanile. Der vorgelagerte Säulengang entstand 1842/43 im italienischen Architekturstil nach Entwürfen von Friedrich Ludwig Persius. Bereits vor 1795 existierte jedoch die „Erste Bornstedter Kirche“. Im Jahre 1805 wurde die „Zweite Bornstedter Kirche“ erbaut. Friedrich August Stüler wurde mit dem weiteren Entwurf und der Ausführung 1854/55 beauftragt. 1881/82 erhielt die Bornstedter Kirche durch die Umbauten von Reinhold Persius ihre heute noch erhaltene Fassung. In der Kirche befinden sich außergewöhnliche Ausstattungsgegenstände wie u. a. die Grabplatte von Jacob Paul von Gundling.

An der Eichenallee, der nördlichen Begrenzung des Friedhofs, befindet sich ein kleiner Heldenhain für Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg. Hans Kölle gestaltete 1935/36 im Auftrag von Hans Friedrichs, dem damaligen Oberbürgermeister Potsdams, den schlichten Hain. In der Gedenkanlage befindet sich rechts vom Eingang eine Bronze-Skulptur, die 1937 von Walter E. Lemcke geschaffen wurde.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Haeckel: Geschichte der Potsdamer Friedhöfe. Mitteilung des Vereins für die Geschichte Potsdams, 1937
  • Karlheinz Deisenroth: Märkische Grablege im höfischen Glanze. Der Bornstedter Friedhof zu Potsdam. 2. Auflage. trafo-Verlag, Berlin 2003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bornstedter Friedhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zu den Langen Kerls Private Homepage

Koordinaten: 52° 24′ 31″ N, 13° 1′ 44″ O