Borsig-Siedlung

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Borsig-Platz (Berlin-Heiligensee)

Die Borsig-Siedlung ist eine Wohnsiedlung im Ortsteil Berlin-Heiligensee, im Bezirk Reinickendorf. Sie trug zuerst die Bezeichnung Neu-Heiligensee und liegt zwischen der Stadtgrenze zum Land Brandenburg, dem Sonnenwalder Weg, dem Kiefheider Weg und der Ruppiner Chaussee. Angrenzend daran befindet sich die in den 1950er Jahren errichtete Waldsiedlung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung als Werkssiedlung der August Borsig GmbH in Berlin-Tegel und der AEG Hennigsdorf ist auf die Zeit vor 1928[1] zurückzuführen. Dies betrifft insbesondere die Verkehrswege Ziegenorter Pfad, Teile des Thurbrucher Steigs, des Sagemühler Steigs und des Stolpmünder Wegs. Im Ziegenorter Pfad entstanden von 1922 bis 1924 bereits die Reihenhaussiedlung und die dazugehörigen Kleingärten, welche zum Teil noch vorhanden sind.[2]

Der Großteil der Siedlung mit ihren für den Siedlungscharakter typischen Doppelhaushälften entstand in den Jahren von 1935 bis 1938. Nach Entwürfen des Architekten Fritz Buck wurde die Siedlung von der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Borsigscher Werksangehöriger e.G.m.b.H. realisiert.[3]

Am Borsig-Platz, zwischen den Häusern Karwitzer Pfad 7a–d und 13a–d, welcher ursprünglich Marktplatz genannt wurde, befanden sich im Karwitzer Pfad 10 ein Fleischer (Inh. H. Rietig) und im Karwitzer Pfad  2 ein Bäcker (Inh. R. Harder).[4] Zusammen mit zwei Poststellen stellten sie die Grundversorgung der Siedler sicher.[5]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

typische Haushälfte im Jahre 1969

Im Jahr 1925 werden im Berliner Adressbuch zwei Poststellen für den Bereich Neu-Heiligensee genannt: Postagentur 1, Ruppiner Chaussee und Postagentur 2, Kirsch-Allee 8/9.[6] Eine andere Quelle gibt 1928 die Poststelle Bln.-Neuheiligensee 1 im Thurbrucher Steig 23 an, welche zum Postamt Tegel 1 gehörte und im Jahre 1955 in den Ziegenorter Pfad 60 (nach anderen Quellen Ziegenorter Pfad 80) umzog.[7][8] Vom 3. Januar 1972 gab es die Poststelle 1 Bln 520 im Thurbrucher Steig 1, welche 1985 zu 1 Bln 275 wurde und anlässlich der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen in 13503 Berlin 275 umbenannt wurde. Im Jahre 1998 wurde diese dann geschlossen.[9]

Am Ende des Sagemühler Steigs, etwa auf Höhe der Einmündung zum Freester Weg, befand sich das Gebäude der 17. Grundschule, welches am 10. Oktober 1923 eingeweiht wurde.[10] Dieses diente nach Errichtung des Neubaus im Stolpmünder Weg 45 zunächst als Hort und schließlich als Pflegestätte für ältere Menschen.[11] Der Schulneubau entstand 1961–1963 und erhielt im Jahr 1967 den Namen Ellef-Ringnes-Grundschule. In den 1990er Jahren ließ die Bezirksschulverwaltung auf dem Grundstück Freester Weg 5 einen Filialbau für diese Schule errichten. Diese wurde später durch die Martin-Luther-King-Schule als Behelfsstandort genutzt, bis das Bezirksamt Reinickendorf im Jahre 2012 das Bauwerk für die schulische Weiternutzung aufgab und an einen Investor veräußerte. Im April 2015 begannen die Räumungsarbeiten.[12]

In der Nacht vom 30. September auf 1. Oktober 2013 brannte die große Turnhalle der Ellef-Ringnes-Grundschule im Stolpmünder Weg vollständig aus. Nebengebäude wurden dabei ebenfalls beschädigt. Um den Schulbetrieb mit dem Sportunterricht weiter aufrechtzuerhalten, entschied sich der Senat für einen Umzug in die Gebäude der ehemaligen Heiligensee-Grundschule Im Erpelgrund 11–17. Zunächst war nach der Sanierung der Turnhalle ein Rückzug geplant. Eine Filialnutzung durch die Albrecht-Haushofer-Oberschule, welche sich im Kurzebracker Weg 40 befindet, war im Gespräch. Eine Nutzung als Notunterkunft für Flüchtlinge hatte der Bezirk Reinickendorf ebenfalls ins Auge gefasst.[13]

Am 16. Oktober 1954 fand die Grundsteinlegung der Waldkirche im Stolpmünder Weg 41 statt. Im darauffolgenden Jahr, am 7. August 1955 wurde das Gebäude eingeweiht.[14]

Im Jahr 1977 begann die GeSoBau die Doppelhaushälften an Mitarbeiter der Borsig GmbH zu verkaufen.[15] Diese Privatisierung führte zu dem Plan, auf dem Gelände der Siedlung einen Hochhauskomplex ähnlich der im Märkischen Viertel zu errichten. Die Gründung der BORSIG-Siedlung Siedlergemeinschaft e.V. verhinderte jedoch die radikale Bebauung und erwirkte für Teile der Siedlung den Denkmalschutz-Stautus: für die Reihenhäuser am Ziegenorter Pfad und am Borsig-Platz. Für die übrigen Wohnhäuser, 1935 bis 1938 errichtet, besteht seit dem Jahr 2002 eine Erhaltungsverordnung.[16]

Zwischen 2006 und 2008 entstanden auf ungenutzten Flächen unweit des Borsig-Platzes neue Ein- und Zweifamilienwohnhäuser.[17]

Besonderes Vorkommnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Juli 2015 fand eine Entschärfung einer 125 kg-Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im nahegelegenen Stolpe-Süd statt. Der dafür notwendige Sperrkreis von einem Kilometer Durchmesser umfasste auch große Teile der Borsig-Siedlung. Anwohner in diesem Sperrkreis mussten hierzu ihre Häuser verlassen.[18][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Schlickeiser: Heiligensee. 700 Jahre Geschichte eines Reinickendorfer Ortsteils. Chronik des Bezirkes Reinickendorf von Berlin. Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehung Reinickendorf e.V. (Hrsg.), Berlin, 2008, ISBN 3-927611-29-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Heiligensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geoportal Berlin / Kartenanzeige Luftbilder 1928, Maßstab 1:4000
  2. Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Siedlung Heiligensee, 1. Bauabschnitt; Objektnummer: 09010130
  3. Schlickeiser: Heiligensee. 700 Jahre Geschichte eines Reinickendorfer Ortsteils.…, S. 135.
  4. Schlickeiser: Heiligensee. 700 Jahre Geschichte eines Reinickendorfer Ortsteils. … S. 151
  5. Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Siedlung Heiligensee, „Marktplatz“; Objektnummer:09010133
  6. Postämter. In: Berliner Adreßbuch, 1925, III, S. 247.
  7. Schlickeiser: Heiligensee. 700 Jahre Geschichte eines Reinickendorfer Ortsteils…, S. 183.
  8. Poststempel der Poststelle Bln-Neuheiligensee 1 vom 1. September 1944
  9. Übersicht über Poststellen und -ämter in Berlin von 1907 bis 1991
  10. Geschichte der Ellef-Ringnes-Grundschule
  11. Wohngemeinschaft Sagemühle (Memento des Originals vom 15. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pflegedienstdoering.de
  12. Begründung gemäß § 2a Baugesetzbuch (BauGB) zum Bebauungsplan XX-240b-2 für das Grundstück Freester Weg 5 im Bezirk Reinickendorf, Ortsteil Heiligensee (Memento des Originals vom 29. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de
  13. Nachnutzung der Ellef-Ringnes-Grundschule In: Berliner Woche
  14. Geschichte der Waldkirchengemeinde der Kirchengemeinde Berlin-Heiligensee
  15. Borsigsiedlung Heiligensee – Erneuern, Erweitern, Ergänzen. Der Wegweiser durch die Gestaltungsverordnung vom 29. Mai 2001. Herausgegeben durch das Bezirksamt Reinickendorf.
  16. Erhaltungsverordnung Borsigsiedlung in Heiligensee auf den Seiten des Bezirksamtes Reinickendorf von Berlin
  17. Über das Bauvorhaben der NCC Immobilien GmbH, In: Berliner Morgenpost, 23. November 2005.
  18. Weltkriegsbombe gefunden – Sicherheitshinweise für den 16. Juli 2015 – Polizeimeldung vom 15. Juli 2015
  19. Bürgerinformation zur Bombenentschärfung am 16. Juli 2015@1@2Vorlage:Toter Link/www.berlin.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

Koordinaten: 52° 37′ 18″ N, 13° 14′ 25″ O