Boulder Dash

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Dieser Artikel behandelt die Serie von Computerspielen Boulder Dash. Für die gleichnamige Achterbahn, siehe Boulder Dash (Lake Compounce).
Boulder Dash
Entwickler First Star Software
Publisher First Star Software
Designer Peter Liepa, Chris Gray
Erster Titel Boulder Dash (1984)
Letzter Titel Boulder Dash 30th Anniversary (2014)
Plattform(en) Atari 400, Atari 800, Atari 1200XL (Acorn Electron, Amstrad CPC, Amiga, Apple II, Atari 2600, Atari ST, BBC Micro, ColecoVision, C64, DOS, Epoch Super Cassette Vision, Fujitsu FM-7, Game Boy, Intellivision, iOS, KC 85, Mac OS, MSX, NES, Nintendo DS, PC-88, PSP, ZX Spectrum, Wii, Windows, Xbox 360)
Genre(s) Puzzle, Geschicklichkeit

Boulder Dash ist ein Computerspiel von Peter Liepa und Chris Gray, das erstmals 1984 für Ataris 8-Bit-Heimcomputer (400, 800, XL) vom US-amerikanischen Herausgeber First Star Software veröffentlicht wurde. Bereits wenig später erfolgten Portierungen für fast alle zeitgenössischen Heimcomputersysteme; ab 1990 kam eine Vielzahl an lizenzierten Umsetzungen auch für modernere Computersysteme und Spielkonsolen hinzu. Aufgrund der vielen spielmechanisch ähnlichen Nachfolger wird diese gesamte Serie im Sinne einer Genrebezeichnung bisweilen ebenfalls als Boulder Dash betitelt.

Das Spiel entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Verkaufsschlager und wird rückblickend vielfach als Klassiker der Videospielgeschichte gesehen. Neben den von First Star Software autorisierten Nachfolgern existiert eine große Anzahl an inoffiziellen Weiterentwicklungen und Nachahmungen (Klone).

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre vermittelte der Spielehersteller In-Home Software[1] eine Zusammenarbeit des erfahrenen Programmierers Peter Liepa mit dem Spieleautoren Chris Gray. Ziel des Unterfangens war die Verbesserung einer von Gray entwickelten Variante des Arcade-Spiels The Pit, einem Sammel- und Geschicklichkeitsspiel. Die angedachte Aufgabe Liepas dabei war die Überführung weg von der langsamen Interpretersprache BASIC hin zu einer schnellen und schlanken Version in Maschinensprache.[2]

Während der Programmierarbeiten und der Tests auf seinem Atari 800 offenbarten sich Liepa jedoch diverse spieltechnische Schwächen. Um das von ihm als zu berechenbar empfundene Spielgeschehen abwechslungsreicher zu gestalten, ersann Liepa zusätzliche Wechselwirkungen zwischen den von Gray vorgeschlagenen Spielobjekten. Eine auf Gravitation basierende und gekoppelte Bewegung zwischen diesen Felsbrocken und Juwelen sollte die bislang von Liepa vermisste Dynamik ins Spiel bringen. Zunächst setzte er den Kernbestandteil seines neuen Konzepts, die „Physik-Engine“, in Form eines leicht zu modifizierenden Forth-Programms um. Anschließend erweiterte Liepa dieses Grundgerüst Schritt für Schritt um neue Ideen und erschuf so innerhalb von sechs Monaten ein von Grays Entwurf weitestgehend unabhängiges Spiel. Entsprechende Grafiken und Toneffekte wurden ebenfalls von Liepa erstellt, so dass der schöpferische Anteil Grays am Spiel mit fortschreitender Spielentstehung stetig sank. Liepas Aussagen zufolge beschränkte sich Grays Beitrag gegen Ende der Arbeiten lediglich auf Kleinigkeiten wie etwa das Aussehen des Startbildschirms.[1]

Kurz vor Fertigstellung des Spiels entschied sich Liepa, einen anderen als den ursprünglichen vorgesehenen kanadischen Herausgeber In-Home Software für den Vertrieb zu gewinnen. Nach sechsmonatiger Suche[2] entschied er sich für den US-amerikanischen Publisher First Star Software. Auf dessen Drängen hin fügte Liepa in das etwa zu 90 Prozent fertiggestellte Spiel Bonusmaterial ein und besserte verschiedene Details nach. Danach überführte er das bis dahin nur in Forth vorliegende Programm vollständig in Maschinensprache für Ataris 8-Bit-Heimcomputer. Damit stand einer Veröffentlichung des Spiels auf unterschiedlichen Datenträgern wie Diskette und Steckmodul nichts mehr im Wege.[1] Das Spiel erschien nach seiner an das englische Wort balderdash (deutsch Unsinn, Mumpitz, Quatsch) angelehnten Namensfindung schließlich im Sommer 1984[3] zunächst nur für Atari 400, 800 und die XL-Reihe.

Nur wenig später im selben Jahr erschienen Portierungen für viele andere zeitgenössische Heimcomputersysteme[4], darunter Exoten wie der japanische PC-88 von NEC. Bis auf die Version für den IBM PCjr waren Liepa und Gray an deren Umsetzung jedoch nicht beteiligt. Parallel dazu arbeitete First Star Software zusammen mit Liepa bereits am offiziellen Nachfolger Boulder Dash 2.[1] Im zweiten Quartal 1985 erfolgte die Eintragung des Begriffs Boulder Dash als geschütztes Warenzeichen (englisch registered trademark).[5]

Spielprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildschirmgeschenen von „Epiphany“, einer freien Boulder-Dash-Variante mit zusätzlichen Spielelementen

Das Spielgeschehen findet in einer mit Erde, Felsbrocken und Diamanten gefüllten Höhle statt. Diese wird – stark abstrahiert und auch nur ausschnittsweise – im Seitenschnitt auf dem Bildschirm dargestellt. Ziel ist es, darin eine vorgegebene Anzahl von Diamanten einzusammeln und den Eingang zur nächsten Höhle zu passieren. Dazu muss sich die vom Spieler zu steuernde Figur Rockford durch die Erde graben, um beispielsweise die Positionen der Diamanten zu erreichen. Wird dabei die Grenze des gezeigten Ausschnitts erreicht, erfolgt eine Verschiebung desselben bis wiederum dessen Grenze erreicht wird usw. usf. bishin zu den äußeren Grenzen der Höhle.

Erschwert wird das Graben durch undurchdringliche Felsbrocken, die wie Diamanten auch in unmittelbar darunter angrenzende Grabengänge fallen und die Spielfigur erschlagen können. Beim Herabfallen sind Lawinenbildungen möglich, wenn die Unterhöhlungen groß genug sind und sich viele aneinanderliegende Felsbrocken und Diamanten darüber befinden. Ein fallender Felsbrocken beziehungsweise ein lawinenartiger Steinschlag kann zum Versperren eines vormalig passierbaren Weges führen. Das Einsammeln verbleibender Diamanten oder das Erreichens des Ausgangs ist dann unter Umständen nicht mehr möglich. Das gezielte Untergraben eines Felsbrockens und dadurch verursachte Steinschläge kann aber auch dazu genutzt werden, um vormals blockierte Wege oder von Steinen umschlossene Diamanten freizulegen.

Weitere Beeinflussungen der Spieleumgebung sind durch das horizontales Verschieben der Felsbrocken in Grabegängen und eine weitere Form des Grabens durch die Spielfigur möglich. Die immer anspruchsvoller werdenden insgesamt 20 Höhlen (vier Bonushöhlen eingeschlossen) verfügen über bis zu zwölf verschiedene Spielelemente. Dazu zählen beispielsweise auch sich bewegende Monster, die durch herabfallende Felsbrocken getroffen werden müssen, um sie in Diamanten zu verwandeln.[6]. Die Durchquerung jeder der Höhlen erfordert daher eine spezielle Herangehensweise, die zudem innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu absolvieren ist. Dem vorausschauenden Graben der Gänge und damit dem puzzleartigen Verschieben von Objekten kommt neben geschickten Ausweichmanövern der Spielfigur dabei die entscheidende Bedeutung zu.

Vor dem Start eines Spiels können zudem verschiedene Schwierigkeitsstufen (Level) angewählt werden. Mit zunehmendem Level werden die Bewegungen aller mobilen Elemente schneller, was seitens des Spielers eine kürzere Reaktionszeit erfordert.[7]

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boulder Dash II „Rockford's Revenge“ (1985)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Fehler wurden beseitigt. Die neuen Elemente Schleim und Wachsende Mauer kamen hinzu. Im Gegensatz zur BD1-Engine stoppt hier die Amöbe nicht, wenn man einen Felsbrocken in die Magische Wand fallen lässt, was auch damit zusammen hängt, dass dieses eigenartige Magische-Wand-Timing entfällt.

Zusammen mit dem ersten Teil als Super Boulder Dash im Jahre 1986 von Electronic Arts veröffentlicht.

Boulder Dash III (1986)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Spiel wurde von einem anderen Programmierer-Team zusammengestellt. Es verwendet wieder die alte BD1-Engine, allerdings mit neuer Grafik. Die Höhlen besitzen einige Konstruktionsfehler, die das Durchspielen der Level 4 und 5 unmöglich machen. Außerdem sind viele Animationsbits falsch gesetzt, weshalb die Monoliths (neuer Name für die Amöben) in den meisten Höhlen nicht animiert sind.

Boulder Dash Construction Kit (1987)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier handelt es sich um die PLCK-Engine. Neu hinzu kamen versteckte Ausgänge und Voodoo-Rockfords. Zum ersten Mal sind Magische-Wand- und Amöbezeit getrennt einstellbar. Die fünf Level gibt es nicht mehr, da das Höhlenformat sich geändert hat. Dafür sind in dieser Version 48 Höhlen mit beliebigem Inhalt möglich. Die Möglichkeit, seine eigenen Spiele zu bauen, ist jedoch mit Mängeln behaftet: Ein schwerer Fehler sorgt dafür, dass das Spiel oft beim Höhlenaufbau abstürzt. 15 Höhlen sind als Boulder Dash 4 mit auf dem Datenträger enthalten.

Neuauflagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Folgenden werden alle durch First Star Software herausgebrachten Neuauflagen in tabellarischer Form zusammengefaßt.[8]

Titel Plattform Jahr
Boulder Dash Vol. 1 Mobilgeräte (Java) 2001
iPhone, iPod 2009
Boulder Dash - EX Mobilgeräte (Java) 2001
Gameboy Advance 2002, 2003
Boulder Dash - Xmas 2002 Browser (Java, Flash) 2002
Boulder Dash - Treasure Pleasure 2003
Boulder Dash - M.E. Mobilgeräte
Boulder Dash -Pocket PC Extreme 2004
Boulder Dash - Smartphone Extreme
Boulder Dash - Tournaments for Prizes 2005
Boulder Dash Mobilgeräte
Atari 5200 2006
Nintendo Wii (Commodore 64 Emulation) 2008, 2009
Boulder Dash - Panic! 2005
Boulder Dash Vol. 2 - Rockford's Revenge Atari 5200
iPhone, iPod (Commodore 64 Emulation) 2010
Boulder Dash - M.E. 2 Mobilgeräte 2006
Boulder Dash - Rocks! Nintendo DS 2007
Sony PSP 2008
Blackberry, iPhone, iPod, Windows Mobile 2009, 2011
Boulder Dash - Pirate’s Quest Windows-PC, MAC
Boulder Dash - XL Xbox, Windows-PC 2011
Mobilgeräte (Android, iOS) 2012
Boulder Dash - The Collection Mobilgeräte (Android) 2011
Boulder Dash - The Full Collection 2012
Boulder Dash - XL 3D Nintendo 3DS 2012, 2013
Boulder Dash - 30th Anniversary Mobilgeräte (Android, iOS) 2014

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inoffizielle Nachfolger und Klone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den offiziellen Nachfolgern existieren von First Star Software nicht autorisierte Fortsetzungen und Modifikationen. Dies umfaßt Neugestaltungen unter Zuhilfenahme der originalen Spielelemente und -figuren aber auch künstlerisch und teilweise spielmechanisch abgewandelte Versionen.

Noch vor der Veröffentlichung des offiziellen Construction Kits gab es erste Versionen, die von Fans erstellt wurden. Dr. Watson hatte sein eigenes Boulder Dash 4 gebaut und Don Pedro führte die Reihe mit den Teilen 5–11 weiter. No One und The Blockheads starteten währenddessen eigene Reihen. Alle diese Versionen verwenden die BD1-Engine. Des Weiteren existieren zwei Finalboulder-Spiele, wobei es sich um remixte Versionen dieser älteren Spiele handelt. Einen Editor gab es für diese Engine nicht, so dass alles direkt im Speicher mit einem primitiven Monitor gebaut werden musste.

Der Construction Set+ (1987) von The Softkillers ist ein Levelpacker, mit dem man eigenständige Spiele bauen kann. Die alte Absturzursache im Game-Modul wurde jedoch nicht behoben. In diesem Editor kann man auch erstmals die Grafiken editieren und Schriftzeichensätze importieren. Das hierfür leicht modifizierte Game-Modul wird kurz als Soft-Engine bezeichnet.

Retrospektiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verbreitung des Internets entstanden mehrere Fan-Websites, von denen man heute eine Sammlung an fangemachten Boulder-Dash-Spielen herunterladen kann.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Randy Kindig, Kevin Savetz, Brad Arnold Transcript of an audio interview with Peter Liepa. Abgerufen am 18. September 2016.
  2. a b Heinrich Lenhardt: Lenhardts Spielejahr 1984: 50 Computer- und Videospiel-Klassiker - Boulder Dash. Ebook, 2016.
  3. Scott Mace: First Star Rocks and Rolls. InfoWorld, Juni 1984, S. 50.
  4. John B. Purcaru: Games vs. Hardware - The History of PC Gaming. Ebook, S. 226, 242-248.
  5. Boulder Dash – Trademark Details. Trademarks.justia.com, abgerufen am 19. September 2016.
  6. John B. Purcaru: Games vs. Hardware - The History of PC Gaming. Ebook, S. 226.
  7. Jerry Drake: Boulder Dash Construction Set. Current Notes, Juli/August 1988, S. 58.
  8. http://www.firststarsoftware.com/boulderdash.htm