Bremsplatten

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Bremsplatten mit sichtbarer Beschädigung der Karkasse an einem Kartreifen

Ein Bremsplatten[1] ist eine Flachstelle auf der Lauffläche von Reifen, die bei extremen Bremsvorgängen, hauptsächlich im Motorsport und auf einem festen Untergrund wie Asphalt, entstehen kann.[2] Dabei wird ein Reifen beim Bremsvorgang punktuell abgerieben und damit eine Reifenunwucht hervorgerufen.

Bei Schienenfahrzeugen ist dieses Phänomen als Flachstelle bekannt.

Ursachen[Bearbeiten]

Verbremser von Heikki Kovalainen in einem McLaren-Mercedes

Im Motorsport ist ein Rennfahrer bestrebt, sein Fahrzeug möglichst spät und stark zu verzögern. Da in den meisten Rennserien die Verwendung eines Anti-Blockier-Systems verboten ist, kann es bei starker Verzögerung zum Blockieren eines Rades kommen. Durch die Reibung des Reifens auf der Fahrbahnoberfläche kommt es zu hohen Temperaturen und starkem Abrieb an dieser Stelle des Reifens.

Auch bei einem Dreher kommte es leicht zu Bremsplatten an mehreren Reifen, wenn beim Drehvorgang gebremst wird und die Räder gewollt blockieren.

Im Straßenverkehr kann es bei einer Vollbremsung zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Da der Reifen jedoch für eine vielfach höhere Laufleistung als im Rennsport ausgelegt ist (anderer Härtegrad), ist die Reibung und damit auch die Abnutzung eines Reifens auf der Fahrbahnoberfläche deutlich geringer.

Konsequenzen[Bearbeiten]

Die Konsequenzen eines Bremsplatten sind starke Vibrationen im Fahrzeug, die zu einer Verschlechterung des Fahrverhaltens und auch zu einer höheren Geräuschentwicklung führen können. In den meisten Fällen neigt ein Reifen durch die an dieser Stelle größere Auflagefläche dazu, auch bei etwas geringerer Bremswirkung erneut zu blockieren, und damit die Vibrationen weiter zu verstärken.

Bei nur geringer Intensität des Bremsplattens können die Vibrationen durch die weitere Abnutzung des Reifens nach kurzer Zeit wieder verschwinden, ein zeitaufwändiger Reifenwechsel ist nur in wenigen Fällen sinnvoll. Bei „größeren“ Bremsplatten kann jedoch die Lauffläche bis auf die Karkasse abgenutzt sein, ein Reifenwechsel ist hier zwingend erforderlich.

Ein bekanntes Beispiel für die Folgen eines Bremsplatten ereignete sich beim Großen Preis von Europa 2005 auf dem Nürburgring, als Reifenwechsel nicht erlaubt waren. Der in Führung liegende Kimi Räikkönen schied in der letzten Runde aus, nachdem er beim Anbremsen einen Bruch der Radaufhängung erlitten hatte. Ursache dieses Bruches waren Vibrationen, die durch einen Bremsplatten verursacht wurden. Räikkönen hatte sich im Laufe des Rennens mehrmals verbremst.[3] In der darauf folgenden Saison waren Reifenwechsel wieder erlaubt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies (Hrsg.): Fahrwerkhandbuch: Grundlagen, Fahrdynamik, Komponenten, Systeme, Mechatronik, Perspektiven. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg+Teubner Verlag, 2011, ISBN 978-3-8348-0821-9, Radbremsen und Bremssysteme, S. 194 (Google books, abgerufen am 24. März 2012).
  2.  Bert Breuer, Karlheinz H. Bill (Hrsg.): Bremsenhandbuch: Grundlagen, Komponenten, Systeme, Fahrdynamik. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8348-0064-3, Bremsenergieübertragung und -modulation, S. 111.
  3. Aufregung nach Räikkönens Last-Minute-Crash. motorsport-total.com, 30. Mai 2005, abgerufen am 20. März 2012.