Brentanohaus

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Brentanohaus an der Hauptstraße in Winkel, Blick von Westen
Brentanohaus von der gegenüber liegenden Brentanoscheune aus gesehen

Das Brentanohaus im Stadtteil Winkel (Rheingau) der Stadt Oestrich-Winkel ist das geschichtsträchtige und denkmalgeschützte Wohnhaus eines ehemaligen Landgutes mit einem das Ortsbild prägenden Charakter. Es befindet sich im Eigentum des Landes Hessen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus wurde 1751 von Johann Michael Ackermann aus Bingen und seiner Frau Maria Catharina Pleissner erbaut. Dann ging es an den Sohn Adam Ackermann über, der 1789 verstarb, ohne einen Sohn zu hinterlassen. Der reiche Frankfurter Kaufmann Franz Dominicus Brentano (1765–1844) erwarb mit seinem Bruder Georg Brentano (1775–1851) 1804 das Anwesen, um es ab 1806 als Sommersitz für sich und seine Frau Johanna Antonia Josepha Edle von Birkenstock (1780–1869) zu nutzen. 1808 ging es ganz in die Hände von Franz und seiner Frau Antonia, Toni genannt, über.[1]

In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ging die Nutzung des Brentanohauses an den ältesten Sohn von Franz Dominicus und Antonia Brentano über. Georg Franz Melchior Brentano (1801–1852) hatte am 5. Januar 1836 Lilla Pfeifer (1813–1868), die Tochter des aus Sommerau (Eschau) im Spessart stammenden, ehemals in Amsterdam tätigen, Handelsmannes und Reeders Valentin Pfeifer (siehe bei Emil Pfeifer), geheiratet. Diese Linie der Familie nannte sich von da an Brentano-Pfeifer. Die Familie von Georg Melchior Brentano-Pfeifer lebte abwechselnd in Winkel und in ihrem Domizil in der Neuen Mainzerstraße 11 in Frankfurt.[2][3][4] In Winkel betrieben sie Weinanbau und -verkauf.

Vom Ursprung des Hauses zeugen bis heute an Wänden und Geländern Verzierungen der Familie Ackermann, die ein großes geschwungenes „A“ aufweisen. Doch auch das Familienwappen der Brentanos findet sich an vielen Stellen des Hauses. Mobiliar, Teppiche und Tapeten sind vielfach noch Originale. Ebenso befindet sich noch ein Teil der alten Bibliothek im Haus, deren ältestes Buch aus dem 16. Jahrhundert stammt und eine Sammlung von Liedern enthält.

Das Brentanohaus wird inzwischen nicht mehr bewohnt, es steht aber für vereinbarte Führungen zur Besichtigung der historischen Zimmer offen.

Im Jahr 2014 verkaufte Udo Baron von Brentano das dringend sanierungsbedürftige Haus an das Land Hessen. Der Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro für Anwesen und Weingut sowie rund 2,1 Millionen Euro Sanierungskosten für das Haupthaus wurden vom Land übernommen und das Gebäude soll anschließend an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen übergeben werden. Die Stadt Oestrich-Winkel will gemeinsam mit dem Freien Deutschen Hochstift eine gemeinnützige Trägergesellschaft gründen, die das Anwesen vom Land pachten und das Kulturgut betreuen wird.[5]

Prominente Gäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus gilt als eines der Zentren der Rheinromantik und diente der Familie und ihrem Bekanntenkreis als Sommerresidenz. Zu den vielen Gästen aus Politik und Kultur, die in das Haus einkehrten, zählten Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm und Freiherr vom Stein. Goethe verfasste hier u. a. einen Teil seiner Italienischen Reise.

Goethe weilte hier im Jahre 1814 und schrieb seine Notizen zur „Rheinreise“ und den Anfang der Schilderung: „Das Rochusfest bei Bingen“. Er wohnte in dem Hause der „geliebten wie verehrten“ Patricier-Familie Brentano-Birckenstock (jetzt – 1870 – Brentano-Pfeifer), und im selben Hause schrieb Bettina von Arnim, Clemens Brentano’s Schwester, ihre Briefe an Goethe nach Weimar. Die Briefe entstanden hier im Jahre 1807, als Bettina im zweiundzwanzigsten Lebensjahre stand. Goethe verewigte sein trautes Winkel in den Versen:

„Wasserfülle, Landesgröße, heit’rer Himmel, frohe Bahn,
Diese Wellen, diese Flöße, landen auch in Winkel an –“[6]

Clemens Brentano, der als Hauptvertreter der Rheinromantiker gilt, hielt sich jedoch nur selten in dem Haus auf.

Den Mittelpunkt des Hauslebens bildete der sogenannte „Saal“ im Obergeschoss. An den Saal grenzte ein Schlaf- und ein Arbeitszimmer, welches Johann Wolfgang von Goethe bei seinen Aufenthalten in den Jahren 1814 und 1815 nutzte. Goethe galt als schwieriger und launischer Gast. Er stand gewohnheitsmäßig sehr früh am Morgen auf und begab sich auf einen Morgenspaziergang in den Gärten, bei dem er nicht gestört werden wollte. Verstieß man gegen seinen Wunsch nach Ruhe, so musste man mit strengen Reaktionen und schlechter Laune rechnen. Zum Abend hin genoss Goethe gerne Wein in nennenswerten Mengen. Obwohl er sonst Frankenweine bevorzugte, trank er hier jedoch auch den örtlichen Riesling, und die Familie Brentano nahm die Gelegenheit gerne wahr, ihren berühmten Gast auf diese Weise zufriedenzustellen.[7]

Das Schlafzimmer, in welchem Goethe übernachtete, weist eine nahezu perfekt erhaltene Tapete mit leuchtenden Blaufarben auf. Da Tapetenfarben normalerweise im Laufe von ca. 200 Jahren deutlich verblassen, ließ die Familie Brentano die Tapete untersuchen, wobei man feststellte, dass die Farben unter Beigabe des giftigen Schweinfurter Grüns hergestellt wurden.

Bettina von Arnim galt als vernarrt in Goethe, wurde von diesem jedoch als zunehmend lästig empfunden. Nach einem Streit führte dies schließlich dazu, dass Goethe sich ihren Aufenthalt im Haus während seiner Besuche im Brentanohaus verbat. Dem prominenten Gast wurde diese Bitte gewährt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Müller von Königswinter (1816–1873): „Das Haus der Brentano“. In seinem erstmals 1873 veröffentlichten Roman setzte der Dichter der Romantik ein Denkmal. Der in Winkel geborene Franz von Brentano (1882–1940) gab den Roman im Jahr 1913 als Buch heraus. Er war der Enkel des Dichters Wolfgang Müller von Königswinter und von Georg Melchior Brentano-Pfeifer (1801–1852). Seine Eltern waren der in Winkel verstorbene Emil Georg Brentano-Pfeifer (1845–1890) und die Tochter des Dichters, Antonie „Tony“ Johanna Emilie Müller (1857–1883).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brentanohaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.brentano.de/
  2. Staats- und Adress Handbuch der freien Stadt Frankfurt, 1852
  3. Chronik der Familie Pfeifer, um 1975 (nur im Familienkreis veröffentlicht)
  4. Beilage zur Allgemeinen Zeitung München, Donnerstag, 9. April 1868
  5. Oestrich-Winkeler Stadtverordnete billigen Trägergesellschaft für Brentanohaus Wiesbadener Kurier vom 5. Februar 2014
  6. Die Gartenlaube (1870)/Heft 25
  7. Die Beschreibung von Goethes Aufenthalten im Brentanohaus wurde im Rahmen der Führung einer Besuchergruppe und persönlichem Gespräch am 21. April 2006 von Angela Baronin von Brentano im Brentanohaus gegeben.

Koordinaten: 49° 59′ 44″ N, 8° 0′ 6″ O