Brevibacterium

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Brevibacterium
Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Actinobacteria
Ordnung: Actinomycetales
Unterordnung: Micrococcineae
Familie: Brevibacteriaceae
Gattung: Brevibacterium
Wissenschaftlicher Name der Familie
Brevibacteriaceae
Breed 1953
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Brevibacterium
Breed 1953

Brevibacterium ist eine Gattung grampositiver Bakterien mit hohem GC-Gehalt in der DNA. In der Nahrungsmittelindustrie (Käseherstellung und Produktion von Aminosäuren) spielen verschiedene Arten von Brevibacterium eine wichtige Rolle.

Merkmale und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brevibacterium ist ein sich nicht aktiv bewegendes, obligat aerobes Bakterium. Die Vertreter der Gattung sind chemoorganotroph. Bei dem Stoffwechsel handelt es sich um die Atmung mit Sauerstoff als terminalen Elektronenakzeptor (aerobe Atmung). Gärung (Fermentation) wird von diesen Bakterien nicht ausgeführt, somit zählen sie zu den Nichtfermentierern (Nonfermenter). Während der Kultivierung beobachtet man zunächst kurze Stäbchen, die oft auch unregelmäßig gekrümmt sind. Später (in 3 bis 7 Tagen) bilden sich meist Kokken mit einem Durchmesser von jeweils 0,6 bis 1,0 μm. Der Katalase-Test fällt positiv aus.

Viele Arten sind salzliebend (halophil) und kommen in unterschiedlichen Habitaten vor. Brevibacterium linens wurde u. a. von marinen Fischen isoliert und im Seewasser gefunden. Brevibacterium casei kommt in der Rohmilch vor. Brevibacterium epidermidis ist ein Teil der Hautflora des Menschen.

Bedeutung für den Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art Brevibacterium flavum wird für die Herstellung und kommerzielle Verwendung der Aminosäure Lysin genutzt. Diese Aminosäure ist für den Menschen und einige Tiere essentiell und wird als Nahrungsmittelzusatz eingesetzt. Die systematische Stellung dieser Art ist unter den Mikrobiologen umstritten, sie wurde mit einigen anderen Arten zu Corynebacterium glutamicum gestellt.[1] Trotzdem findet man sie innerhalb der Literatur oft noch unter dem Namen Brevibacterium flavum.

Einige Arten – etwa Brevibacterium linens als Hauptkeim oder auch Brevibacterium bruneum, Brevibacterium erythrogenes, Brevibacterium helvolum werden bei der Herstellung von Weichkäsen oder Sauermilchkäsen zur Schmierebildung genutzt. Brevibacterium linens („Rotschmierebakterium“) wird hier zum Reifen von „Rotschmierekäse“ verwendet, zum Beispiel für Romadur und Bakterien-Harzer.

In letzterer Zeit gewann Brevibacterium auch an klinischer Bedeutung. So wurde Brevibacterium mit der Osteomyelitis, einer Entzündung des Knochenmarks, in Verbindung gebracht[2] und Brevibacterium otitidis wurde von Ohrentzündungen isoliert.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brevibacterium zählt zu der Familie Brevibacteriaceae. Die Gattung wurde im Jahre 1953 mit der Typus-Art Brevibacterium linens von dem Mikrobiologen Robert Stanley Breed eingeführt. Die Art wurde 1910 als Bacterium linens erstbeschrieben. Im Jahr 1953 erfolgte dann die Umstellung zu der neu aufgestellten Gattung Brevibacterium.

Einige Arten dieser Gattung(Auswahl):[3]

Synonyme und Umstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Arten stieg zunächst rapide an, spätere Untersuchungen zeigten das die Unterschiede zwischen den einzelnen Arten zu groß waren, aufgrund dessen wurden viele Arten wieder von der Gattung getrennt und zu anderen Gattungen – wie Aureobacterium, Curtobacterium und Corynebacterium – gestellt. Eine (unvollständige) Liste der Umstellungen:

  • Brevibacterium acetylicum wurde zu der Gattung Exiguobacterium gestellt und wird nun unter den Artnamen Exiguobacterium acetylicum geführt.
  • Brevibacterium ammoniagenes jetzt: Corynebacterium ammoniagenes
  • Brevibacterium citreum: Curtobacterium citreum
  • Brevibacterium divaricatum: Corynebacterium glutamicum
  • Brevibacterium fermentans: Cellulosimicrobium cellulans
  • Brevibacterium imperiale: Microbacterium imperiale
  • Brevibacterium incertum: Desemzia incerta
  • Brevibacterium liquefaciens: Glutamicibacter nicotianae
  • Brevibacterium luteum: Curtobacterium luteum
  • Brevibacterium lyticum: Cellulosimicrobium cellulans
  • Brevibacterium oxydans: Microbacterium oxydans
  • Brevibacterium protophormiae: Glutamicibacter protophormiae
  • Brevibacterium pusillum: Curtobacterium pusillum
  • Brevibacterium saperdae: Microbacterium saperdae
  • Brevibacterium testaceum: Microbacterium testaceum (Komagata and Iizuka 1964) Takeuchi and Hatano 1998. Ein weiterer, innerhalb der Systematik formal gültiger Name (ein homotypisches Synonym) ist: Aureobacterium testaceum (Komagata and Iizuka 1964) Collins et al. 1983
  • Brevibacterium vitarumen: Corynebacterium vitaeruminis

Einige Synonyme für verschiedenen Arten des Brevibakteriums:

  • Achromobacter stationis ZoBell and Upham 1944 ist ein Synonym für Brevibacterium stationis (ZoBell and Upham 1944) Breed 1953
  • Bacterium linens Wolff 1910 für Brevibacterium linens (Wolff 1910) Breed 1953

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liebl, W., Ehrmann, M., Ludwig, W., Schleifer, K.-H.: Transfer of Brevibacterium divaricatum DSM 20297T, Brevibacterium flavum DSM 20411, Brevibacterium lactofermentum DSM 20412 and Corynebacterium lilium DSM 20137T to Corynebacterium glutamicum and their distinction by rRNA restriction patterns. In: International Journal of Systematic Bacteriology Bd. 41, 1991, S. 255–260. Online.
  2. B. Neumeister, T. Mandel, E. Gruner, and G. E. Pfyffer: Brevibacterium species as a cause of osteomyelitis in a neonate. In: Infection Bd. 21, Nr. 3, 1993, S. 177–178, ISSN 0300-8126 Springer-Online
  3. Jean Euzéby, Aidan C. Parte: Genus Brevibacterium. In: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN). Abgerufen am 24. September 2022.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock – Mikrobiologie. 11. Auflage. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8274-0566-1.
  • Martin Dworkin, Stanley Falkow, Eugene Rosenberg, Karl-Heinz Schleifer, Erko Stackebrandt (Hrsg.). The Prokaryotes, A Handbook of the Biology of Bacteria. 7 Bände, 3. Auflage, Springer-Verlag, New York u. a. O., 2006, ISBN 0-387-30740-0: Volume 3: Archaea and Bacteria: Firmicutes, Actinomycetes ISBN 0-387-25493-5