Brodtener Ufer

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Das Ufer von Travemünde bis kurz vor Niendorf

Das Brodtener Ufer ist eine über 4 km lange Steilküste an der Lübecker Bucht (Ostsee) zwischen Lübeck-Travemünde und Niendorf (in der Nähe des Dorfes Brodten) in Schleswig-Holstein.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick Richtung Niendorf

Bei dieser bis zu 20 m hohen Steilküste handelt sich in weiten Teilen um ein aktives Kliff, das durch die Einwirkung der Ostsee im Durchschnitt um ca. 50 bis 100 cm pro Jahr zurückweicht. Der Abbruch erfolgt größtenteils im Winterhalbjahr durch Wellenschlag bei Sturm und nach starken Regenfällen durch das Abgleiten von Teilen der Steilküste, wenn diese durch das aus einzelnen Schichten austretende Wasser destabilisiert wird.

Nach dem Ende des letzten großen Eisvorstoßes des pleistozänen Eiszeitalters vor etwa 12.000 Jahren, der Weichsel-Kaltzeit, blieb ein langer, halbinselförmiger Geschiebesporn zurück, der sich zwischen zwei Gletscherzungen gebildet hatte. Die Landzunge zwischen der Lübecker Bucht und der (damaligen) Traveförde (heute die Mündung der Trave) ist seit dem Einsetzen der Littorina-Transgression, die vor etwa 7.000 Jahren beginnend zur Entstehung der heutigen Ostsee führte, um etwa 6 km zurückgewichen.[1]

Der Sand aus dem Abbruch der Küste wird durch Strömungen sowohl nach Westen in die Lübecker Bucht als auch nach Osten in die Travemündung versetzt. Im Westen bildet er die Strände der Lübecker Bucht in Niendorf, Timmendorfer Strand, Scharbeutz etc., im Osten bildet er den Strand von Travemünde und setzt beständig die Fahrrinne der Trave (zu den Häfen von Travemünde und Lübeck) zu. Größere Steine bleiben in der Uferzone des Kliffs liegen, so dass der Strandbereich des Brodtender Ufers und die im Zuge des Zurückweichens entstandene Sand-Geröllschorre mit teils sehr großen Geschiebeblöcken übersät ist.

Freizeit und Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausflugslokal Hermannshöhe nach Neubau 2012

Am Strand des Brodtener Ufers – der zum Teil recht steinig ist – kann gebadet und nach Fossilien gesucht werden, durch Uferabbrüche ist der Zugang jedoch teilweise behindert. Es gibt einige Trampelpfade zum Strand. Der Weg oberhalb der Steilküste bietet sich für Wanderungen und Radtouren an.

Vor dem Brodtener Ufer gibt es Tauchgebiete, allerdings wurde vor der Küste – nahe dem Brodtener Riff – nach Ende des Zweiten Weltkriegs Munition versenkt.

Das historische Ausflugslokal Hermannshöhe, ursprünglich vor dem Ersten Weltkrieg errichtet, wurde im Mai 2012 durch einen Neubau ersetzt. Der bei Wanderern und Ausflüglern beliebte Parkplatz ist nun durch eine Schrankenanlage abgesperrt und die Benutzung kostenpflichtig.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruthöhlen der Uferschwalbe

Weite Teile des Brodtener Ufers stehen unter Naturschutz (Europäisches Vogelschutzgebiet). Da die Lebensbedingungen an Steilufern einzigartig sind und für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ein unersetzliches Landschaftselement bilden, dürfen die Steilhänge nicht künstlich gesichert werden.

Am Steilufer befindet sich mit ca. 2600 Brutröhren eine der größten Uferschwalbenkolonien Europas.

Gedenksteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Weg zwischen dem Brodtener Ufer und Travemünde befinden sich zwei Gedenksteine: Der ältere Stein weist einen Bibelvers auf (Ps 93,4 LUT), der jüngere dient als Gedenkstätte für Seebestattete. Letzterer musste zwischenzeitlich wegen Abbrüchen des Steilufers landeinwärts versetzt werden und wurde dabei auch gedreht, sodass jetzt die Inschrift zum Meer zeigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt-Dietmar Schmidtke: Entstehung der Küstenmorphologie der Lübecker Bucht. In Lübecker Bucht - Die Untertrave, Heft 23/24 der Berichte des Vereins Natur und Heimat und des Naturhistorischen Museums zu Lübeck, Lübeck 1992.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 58′ 56″ N, 10° 52′ 52″ O