Bromismus

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Klassifikation nach ICD-10
F13 Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika
G92 Toxische Enzephalopathie
T42 Vergiftung durch Antiepileptika, Sedativa, Hypnotika und Antiparkinsonmittel
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Bromismus ist die Bezeichnung für ein Syndrom, das aus einer längeren Einnahme von Bromiden wie beispielsweise Carbromal oder Lithiumbromid resultiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromismus war früher sehr verbreitet und verantwortlich für etwa 5 bis 10 % der psychiatrischen Krankenhausaufnahmen. Seit der Abkehr von bromidhaltigen Wirkstoffen in Arzneimitteln, beginnend Mitte der 1980er Jahre, nachdem diese 1978 rezeptpflichtig wurden,[1] nahmen die Vergiftungen rasch ab, wodurch das Krankheitsbild zunehmend in Vergessenheit geriet.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brom-Akne

Hohe Dosen von Bromiden stören die Membranen der Neuronen, wodurch es zu Somnolenz, Psychose und Krampfanfällen kommen kann.[2][3]

Die neurologische und psychiatrische Symptomatik ist variabel ausgeprägt. Dabei können Hyperexzitabilität, Irritation, Ataxie, Tremor, Benommenheit, Halluzinationen, Psychose, Schwäche, Stupor und Koma eintreten.[2] Darüber hinaus können gastrointestinale Symptome wie Erbrechen und Appetitlosigkeit[2] und Hauterscheinungen wie „Brom-Akne“,[4] Abszesse und Erytheme vorkommen.[2][5]

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von höheren Mengen von Bromiden im Blut oder Urin. Zusätzlich sind bei Bromismus häufig die Elektrolyt-, Glukose- und Kreatininwerte gestört. Ein Röntgen des Abdomens kann wegen der Röntgenopazität von Brom hilfreich sein.

Der nasschemische Nachweis von Bromiden erfolgt häufig durch Ausfällung von Silberbromid.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind keine spezifischen Antidote bei einer Bromidvergiftung bekannt; die Gabe von Chlorid oder Fluorid kann den Körper jedoch dabei unterstützen, das Brom schneller aus dem Körper auszuscheiden. Furosemid kann Patienten mit renalen Komplikationen oder bei schwerem Bromismus helfen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] A3444 (60) Deutsches Ärzteblatt 91, Heft 49, 9. Dezember 1994
  2. a b c d e Kent R. Olson: Poisoning & drug overdose., 4th. Auflage, Appleton & Lange, 1 November 2003, ISBN 978-0-8385-8172-8, S. 140–141.
  3. Marc Galanter, Herbert D. Kleber: The American Psychiatric Publishing Textbook of Substance Abuse Treatment., 4th. Auflage, American Psychiatric Publishing Inc, United States of America 1 July 2008, ISBN 978-1-58562-276-4, S. 217.
  4. Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: Abszesse & Erythema; Akne, Brom-Akne
  5. Lewandowsky M.: Praktische Neurologie für Ärzte Band 1 von Fachbücher für Ärzte, Springer-Verlag, 2013, S.17, ISBN 3-642-99259-5, hier online
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