Brunnenmeister (historischer Beruf)

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Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung: Der Brunnenmeister

Brunnenmeister (lateinisch Aquilex) ist eine historische Berufsbezeichnung für einen bestellten und geschworenen Werkmeister, der die Aufsicht über die öffentlichen Brunnen, Wasserleitungen und Wasserkünste eines Ortes oder einer Stadt hatte.[1] Er trug damit die Verantwortung für die Trinkwasserversorgung der dort lebenden Bevölkerung.

Brunnenmeister wurden aufgrund ihrer Aufgaben landläufig auch als Brunnenfeger oder Brunnengräber bezeichnet. Tatsächlich nahm der Brunnenmeister eher eine übergeordnete Stelle ein. Oftmals wird der Brunnenmeister auch irrtümlicherweise mit dem Röhrmeister und dem Kunstmeister gleichgesetzt. Das Aufgabengebiet des Röhrmeisters beschränkte sich allerdings nur auf Wasserleitungen und Kunstmeister waren allein für die Funktion der Wasserkünste verantwortlich.[2]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn der Frühen Neuzeit im 15. Jahrhundert legte man in verschiedenen Städten Europas die Verantwortung für die Versorgung mit Trinkwasser in die Hände des Brunnenmeisters. Die technischen Anlagen dafür bestanden überwiegend aus Holz, sodass das Amt des Brunnenmeisters in der Regel von Zimmermännern ausgeübt wurde, die sich auf die Wassertechnik spezialisierten. Einige der Brunnenmeister beschäftigten sich auch mit der allgemeinen Weiterentwicklung der Wasserkünste, wie etwa der Augsburger Caspar Walter (1701–1769). Das Amt wurde bisweilen auch mit der Aufsicht über Brücken kombiniert, sodass der Brunnenmeister in Personalunion auch Brückenmeister sein konnte wie etwa in Bozen im ausgehenden 15. Jahrhundert.[3]

Mit Zunahme der Technisierung bei der Wassergewinnung und Wasserverteilung im frühen 19. Jahrhundert verschwand das Amt des Brunnenmeisters. An seine Stelle traten oftmals verbeamtete Technische Bauräte.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1223
  2. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1146
  3. Hannes Obermair: Das Bozner Stadtbuch. Handschrift 140 – das Amts- und Privilegienbuch der Stadt Bozen. Beiträge der internationalen Studientagung, Bozen, Schloss Maretsch, 16.–18. Oktober 1996. In: Bozen von den Grafen von Tirol bis zu den Habsburgern – Bolzano fra i Tirolo e gli Asburgo (= Forschungen zur Bozner Stadtgeschichte/Studi di storia cittadina). Band 1. Athesia, Bozen 1999, ISBN 88-7014-986-2, S. 399–432, hier: S. 408.