Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien

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Das Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) war eines der wichtigsten Politikforschungsinstitute Europas mit Spezialisierung auf Russland, Osteuropa, den Kaukasus und Mittelasien sowie Chinas. Es hatte seinen Sitz in Köln und war eine nachgeordnete Behörde des Bundesinnenministeriums.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Erlass vom 6. April 1961 entstand das als Institut nach Wünschen des Bundesinnenministeriums mit ideologischem Schwerpunkt unter der Bezeichnung Bundesinstitut zur Erforschung des Marxismus-Leninismus (Institut für Sowjetologie). Mit dem Umzug in ein größeres Gebäude in Köln-Ehrenfeld im Mai 1966 wurde auch sein Name in "'Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien" (BIOst) geändert, der ein Abrücken von der Ideologie zu einer umfassenden Länderforschung signalisierte. Die mehrfachen Namensänderungen gingen einher mit einer Diskussion über die Ziele und das Konzept des Instituts, die anstelle einer nebulösen ideologischen Auseinandersetzung mit dem Kommunismus die Erforschung der innenpolitisch und außenpolitisch relevanten Vorgänge in der Sowjetunion und den anderen Ostblockstaaten in den Mittelpunkt stellte. Damit wurde das Institut zu einem breiter angelegten Beratungsorgan der Bundesregierung.

Für Zwecke der Bundesregierung und zur Unterrichtung des Parlamentes erforschte es die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Sowjetunion, deren Nachfolgestaaten, den Staaten Ostmittel- und Südosteuropas, der Volksrepublik China und den kommunistisch regierten Staaten der Dritten Welt, sowie die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die internationalen Beziehungen.[1]

Ende 2000 wurde das Institut aufgelöst und die Mitarbeiter in das Forschungsinstitut der Stiftung Wissenschaft und Politik überführt.

Geschäftsführender Direktor des Bundesinstitutes war von 1976 bis zu dessen Auflösung der Volkswirt Heinrich Vogel.

Bestandsaufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückblickend würdigte Heinz Brahm, langjähriger Forschungsbereichsleiter und Wissenschaftlicher Direktor des Instituts, die Rolle des Bundesinstituts als "Drehscheibe der Osteuropaforschung" und beschrieb diese 2005 in der Zeitschrift "Osteuropa" mit den Worten:

„Fünf Jahre sind seit der Schließung des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) vergangen. Als Verbindungsstelle zwischen der Osteuropaforschung und der Bundesregierung war das interdisziplinär ausgerichtete BIOst ein Novum. In Gesprächsrunden mußten die Politikwissenschaftler, Ökonomen und Juristen ständig ihre Erkenntnisse abgleichen. Zwar arbeitete das BIOst für viele Ministerien, sein eigentlicher Ertrag liegt jedoch in der Forschung. Das Institut wurde weder von den Ressorts vereinnahmt, noch folgte es akademischen Konjunkturen. Es war ein offenes Haus, in dem Studenten arbeiteten und Journalisten Gesprächspartner fanden. Für die Wissenschaftler ergaben sich Einsichten durch Kontakte, die anderswo kaum möglich waren.“[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Institut für Sowjetologie auf bundesarchiv.de
  2. Heinz Brahm: „Drehscheibe der Osteuropaforschung (Memento des Originals vom 27. April 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.osteuropa.dgo-online.org: Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien“, in: Osteuropa, 55. Jahrgang, 12/2005, hier Seite 163.