Burg Kniphausen

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Burg Kniphausen

Das erhaltene Schlossgebäude von Kniphausen

Staat Deutschland
Ort Wilhelmshaven
Entstehungszeit Um 1438
Burgentyp Niederungsburg
Erhaltungszustand Ehemaliger Marstall mit Treppenturm und Torhaus
Ständische Stellung Häuptlingssitz, Sitz der Herrscher über die Herrlichkeit Kniphausen
Geographische Lage 53° 33′ N, 8° 3′ OKoordinaten: 53° 33′ 1,7″ N, 8° 3′ 10,5″ O
Burg Kniphausen (Niedersachsen)

Die Burg Kniphausen in Fedderwarden im Stadtgebiet von Wilhelmshaven in Niedersachsen wurde 1438 gebaut und hatte schließlich „das typische Bild eines Adelssitzes der Spätrenaissance“.[1] 1666/67 wurde sie zur Festung mit vier Eckbastionen ausgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spätmittelalterliche Burg wurde am damaligen Nordufer der Maade errichtet, die sich hier buchtförmig zur Jade hin erweiterte.

Die Burg entwickelte sich aus der Burg Knipens, deren Standort auf der Wurt „Mönkeberger Busch“ vermutet wird. Diese wurde 1433 der Häuptling Lubbe Onneken erheiratete und um 1438 zu seinem festen Sitz mit Steinhaus und Wassergraben ausbauen ließ. Nach seinem Tod 1477 erbte zunächst Iko und dann sein Vetter Fulf von Inhausen die Herrschaft einschließlich der Burg. In der Sächsischen Fehde wurde die Burg 1514 zerstört. Der Wiederaufbau als Schlossanlage wurde erst 1546 durch Fulfs Sohn Tido vollendet. Das Schloss bestand aus einem großen Vorburgring und der „Neuen Burg“, einem annähernd quadratischen, vierflügeligen Gebäudekomplex mit angesetztem, siebeneckigen Turm im Nordosten. Tido verlor die Burg im Folgejahr als Parteigänger des Schmalkaldischen Bunds, durfte sie aber zurückkaufen. Das daraufhin von Fräulein Maria von Jever angestrengte Gerichtsverfahren zog sich bis 1623 mit dem Ergebnis hin, dass das Schloss an ihren Rechtsnachfolger Graf Anton Günther von Oldenburg übergeben wurde. 1666/1667 wurde die Anlage zu einer modernen Festung von 350 × 300 m Größe mit vier Eckbastionen ausgebaut. Nach Anton Günthers Tod ging das Schloss über seinen unehelichen Sohn Anton I. von Aldenburg an das Haus Aldenburg-Bentinck. 1703/05 wurde das „alte Steinhaus“ auf dem alten Burgareal abgebrochen. Das Schlossgebäude wurde 1708 durch einen Brand zerstört und nicht wieder aufgebaut. 1744 wurde das Areal der Hauptburg eingeebnet und der innere Graben verfüllt. Das heutige Schloss Kniphausen entstand durch den Umbau des Marstalls in der Vorburg. Als Folge der napoleonischen Besetzung erlangte die Grafschaft Oldenburg die Herrschaft über Kniphausen. Zwischen 1832 und 1834 wurde die baufällige Burgmauer abgebrochen. 1862 erwarb Edzard von Knyphausen den Stammsitz seiner Vorfahren aus dem Besitz des oldenburgischen Großherzogs zurück. 1977 gingen die inzwischen stark renovierungsbedürftigen noch vorhandenen Gebäude in den Besitz des "Verein zur Erhaltung der Burg Kniphausen e.V." über. Nachdem 1986 die für den Erhalt erforderlichen Mittel durch den Verein nicht mehr bereitgestellt werden konnten, wurden die Gebäude zu einen "symbolischen" Preis an einen Privatier verkauft. Das unter Landschaftsschutz stehende Gelände der Burg, befindet sich seit 1980 im Besitz der Stadt Wilhelmshaven. Lediglich eine kleine Fläche mit einem darauf befindlichen Gedenkstein vor dem ehemaligen Torhaus ist noch im Besitz der Familie Knyphausen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Burganlage sind heute im Gelände der leicht erhöhte Burgplatz, zwei Teilstücke des südlichen Wassergrabens der Hauptburg sowie der äußere Wassergraben mit einer Breite von 15–20 m erhalten. Im Süden sind zudem der Festungswall und Reste der Süd- und Ost-Bastion des äußeren Befestigungsringes erkennbar.

Gebäude sind nur noch auf dem Vorburggelände vorhanden. Darunter befinden sich das Torhaus aus dem 16. Jahrhundert, der zweigeschossige, ehemalige Marstall aus der 2. Hälfte des 16. Jhs. mit achteckigem Treppenturm und zwei Stallgebäude.

Die Burg liegt auf dem Gebiet der Stadt Wilhelmshaven und befindet sich in Privatbesitz. Lediglich der sogenannte Ahnensaal und einige Nebenräume gehören der „Stiftung Burg Kniphausen“, die diese für Kulturveranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung stellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Die Burgen in Wilhelmshaven. In: Wenn Steine reden könnten. Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1, S. 147–149.
  • Wilhelm Janssen: Burg und Schloß Kniphausen. Oldenburg 1977.
  • Walter Ordemann: Die Herrlichkeit und Burg Kniphausen, Wilhelmshaven 1993.
  • Günter Müller: 293 Burgen und Schlösser im Raum Oldenburg-Ostfriesland. Kayser, Oldenburg 1977, S. 63–66.
  • W. Reinhardt, Kniphausen. In: Oldenburgisches Ortslexikon, Archäologie, Geografie und Geschichte des Oldenburger Landes. Band 1, Oldenburg 2010, S. 557–560.
  • Georg Sello: Östringen und Rüstringen. Studien zur Geschichte von Land und Volk. Littmann, Oldenburg 1928, S. 94–100.
  • Eduard F. Warnecke: Burgen und Schlösser im Oldenburger Land. Bültmann und Gerriets, Oldenburg 1993, S. 78–82.
  • Carl Woebcken, Die Anfänge der Herrlichkeit Kniphausen. In: Oldenburger Jahrbuch. Band 46/47, 1942/43, S. 25–42.
  • Friedrich-Wilhelm Wulf: Archäologische Denkmale in der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven (= Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens. Reihe B 1), Hahn, Hannover 1996, S. 106 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Burg Kniphausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Veit Riedel: Graf Anton Günther - ein fürstlicher Baumeister? In: Anton Günther, Graf von Oldenburg 1583-1667. Aspekte zur Landespolitik und Kunst seiner Zeit. Ausstellungskatalog. Landesmuseum Oldenburg u. a. 1983