Treppenturm

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Treppenturm ohne Außeneingang an der Kirche Saint-Pierre-ès-Liens in Rampoux (Lot), Frankreich

Ein Treppenturm (auch Stiegenturm oder Wendelstein) ist ein auf rundem oder polygonalem Grundriss errichteter turmartiger Gebäudeteil, der ein Treppenhaus – zumeist mit einer Wendeltreppe – enthält.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treppentürme sind in der Regel einer Gebäudefront vorgestellt oder in einen Winkel eingefügt. In selteneren Fällen – meist bei dreischiffigen Kirchen – befand sich der untere Teil im Innern der Kirche, wohingegen der obere Teil von außen sichtbar war (z. B. ehemalige Abteikirche Saint-Menoux). Ursprünglich waren sie nur vom Inneren des Hauptgebäudes (Kirche, Burg) aus zugänglich; seit der Renaissance befand sich der Eingang regelmäßig im Hof. Treppentürme haben ein vom Hauptgebäude weitgehend unabhängiges Tragwerk.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus antiker Zeit sind nur wenige Beispiele von Treppentürmen bekannt (z. B. an den Kaiserthermen in Trier); Treppenaufgänge waren bei den oft nur eingeschossigen Bauten überflüssig oder in den oft mehrere Meter dicken Außenmauern der Gebäude untergebracht. Diese Tradition blieb auch an Wehrtürmen (donjons) sowie an Kirchen und Burgen des frühen und hohen Mittelalters bestehen; sie änderte sich erst mit dem verstärkten Bau von zweckorientierten und insgesamt nur wenig dekorativen Treppentürmen im Hoch- und Spätmittelalter (Romanik, Gotik).

Seit der Renaissance wurden Treppentürme deutlich dekorativer und repräsentativer – Treppen wurden fortan kaum noch versteckt bzw. ausgelagert, sondern es gab sowohl kunstvoll gestaltete gewundene als auch geradlinig verlaufende Treppenaufgänge im Innern der Gebäude mit reichhaltigem Decken- und Geländerschmuck (z. B. Schloss Chambord, Palazzo Barberini bzw. Schloss Azay-le-Rideau oder Schloss Chenonceau). Mit dem verstärkten Bau gerader Treppenaufgänge mit Zwischenpodest (Treppenhaus) wurden separat stehende Treppentürme allmählich immer seltener.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland
Frankreich

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Traboule, eine besondere Form des Treppenturms

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-520-19404-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Treppentürme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien