Camposanto (Buttstädt)

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Der Eingang zum Camposanto
Überdachter Teil
Historische Grabdenkmäler

Der Camposanto Buttstädt ist ein denkmalgeschützter historischer Friedhof in Buttstädt, einem Ort im Landkreis Sömmerda (Thüringen). Er ist eine der wenigen erhaltenen Friedhofsanlagen der Renaissance in Mitteldeutschland.[1]

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedhof wurde 1591 nach dem Vorbild der italienischen Camposanti angelegt und wurde bis 1861 belegt.[2] Im späten Mittelalter setzte ein Umdenken bei den Bestattungsgewohnheiten ein. Bis dahin war es Brauch, die Toten in der Nähe des Altares zu bestatten. Also befanden sich die Grabstätten meist rund um die oder in der Kirche. Raumnot und hygienisch bedenkliche Verhältnisse zwangen zum Umdenken. Neue Friedhöfe wurden außerhalb der Stadtmauern angelegt. Das erstarkte Bürgertum verlangte nach repräsentativen Grabstätten. Mit dem Campo Santo entstand eine weltliche Form der Bestattung, bei der allerdings die prunkvollen Grabmale der städtischen Honoratioren durchaus als gottergeben galten.[3] Der Vorgängerfriedhof, der sich auch an dieser Stelle befand, gehörte zur wendischen Kirche St. Johannis, er befand sich außerhalb der Stadtgrenzen. Die Johanniskirche wurde bei einem Stadtbrand im Jahr 1684 zerstört, auch der Friedhof wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Tor an der Ecke des Friedhofes trägt die Bezeichnung 1592, aus dieser Zeit stammen auch die Ost- und Nordmauer des Camposanto. Laut einer Inschrift am Ostflügel wurden die innenliegenden Kolonnaden 1603 gebaut. Die Schäfte der Säulen sind entweder glatt, rustiziert oder kanneliert. An einem Postament ist der Name des Stadtkämmerers Valentin Rensch erhalten, er war Stifter oder Bauverwalter. Der Torturm ist mit Schiefer verblendet, er wurde wohl um 1700 aufgesetzt.[4] Der Friedhof beherbergt zahlreiche Grabmale aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Der Campo Santo war nie ganz von Arkaden umsäumt. Die schönsten Grabmale aus allen Epochen der Belegung sind unter den beiden Säulengängen erhalten. Von den Grabmalen auf dem leicht abfallenden Gräberfeld sind nur wenige erhalten.[5] Von 1991 bis 1995 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Bausicherung vorgenommen.[6] Eine vergleichbare Friedhofsanlage ist in Thüringen nicht erhalten.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephanie Eißing, Franz Jäger u. A. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2003, ISBN 978-3-422-03095-4.
  • Der Alte Friedhof von Buttstädt: Ein Thüringer Camposanto, Hrsg. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, Altenburg 2003, ISBN 978-3-910166-95-0.
  • Nils-Christian Engel: Der Alte Friedhof von Buttstädt, destinatio Verlag, 2. Auflage, Kranichfeld 2013, ISBN 978-3-938819-04-3.
  • Barbara Happe: Der Camposanto in Buttstädt – ein seltener Zeuge frühneuzeitlicher Sepulkralkunst in Thüringen. In: Die Auslese, März 1992, S. 1–18.
  • Sven Höhne: Auf Gottes Acker. Camposanti in Halle, Buttstädt und Eisleben. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2020, ISBN 978-3-96311-383-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Camposanto Buttstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephanie Eißing, Franz Jäger u. A. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 181
  2. Nutzungsdauer
  3. Änderungen der Bestattungskultur
  4. Stephanie Eißing, Franz Jäger u. A. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 181
  5. Grabmale
  6. Stephanie Eißing, Franz Jäger u. A. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 182
  7. Stephanie Eißing, Franz Jäger u. A. in Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Thüringen, Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, Seite 182

Koordinaten: 51° 7′ 7,5″ N, 11° 25′ 9,8″ O