Camulodunum

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Plan des römischen Camoludunum

Camulodunum ist der lateinische Name von Colchester, der ältesten römischen Stadt in Britannien. Camulodunum war zunächst Hauptort des keltischen Stammes der Trinovanten. Nach der Eroberung Britanniens durch die Römer wurde der Ort Hauptstadt der neuen Provinz und römische Kolonie, verlor diese Rolle jedoch schon früh an Londinium.

Das keltische Oppidum[Bearbeiten]

Camulodunum ist die latinisierte Form des Namens des ursprünglich keltischen Oppidums. Der Name bedeutet in etwa Festung des Camulos, wobei es sich bei Camulos um den keltischen Kriegsgott handelte. Der Historiker Cassius Dio nennt den Ort Basileion, einen Verwaltungssitz oder eine Residenzstadt. Zur Zeit der römischen Invasion war diese Stadt das politische und kulturelle Zentrum des mächtigsten Keltenstammes in Südbritannien, den Trinovanten, Sitz ihres letzten Herrscher und erbitterten Feind Roms Cunobelinus. Vier Monate nach der Invasion schloss der Befehlshaber der römischen Okkupationsarmee, Aulus Plautius die Stadt ein. Kurz vor ihrer Einnahme landete Kaiser Claudius in Britannien und befehligte persönlich den Sturm auf die Stadtbefestigungen. Nachdem sich ihre Verteidiger ergeben hatten, ritt Claudius auf dem Rücken eines Elefanten in die eroberte Stadt ein.

Die keltische Stadt lag etwa zwei Kilometer südlich der römischen Stadt. Bei Ausgrabungen konnten bei Gosbeck Reste eines keltischen Tempels, Reste einer königlichen Wohnanlage und reiche keltische Bestattungen gefunden werden.

Name der Stadt[Bearbeiten]

Der Name der Stadt erscheint in unterschiedlichen Formen in den antiken Quellen. Moderne Autoren nennen die Stadt oftmals einfach Camulodunum, wie es auch antike Autoren tun. Tacitus bezeichnet die Stadt als Camulodunum. Claudius Ptolemäus bezeichnet sie als Camulodunum und als Hauptort der Trinovanten.[1] Dieser Name ist aber anscheinend nicht ganz richtig. Eine sehr wichtige, zeitgenössische Quelle zum Namen ist die Basis einer Statue aus Rom, die von einem Gnaeus Munatius Aurelius stammt, der im zweiten Jahrhundert lebte und amtierte. Dieser erwähnt, dass er den Census der römischen Bürger in der Colonia Victricensis, die in Britanien bei Camulodunum beaufsichtigte. Die keltische Stadt Camulodunum war nachdem in Rom eine Begriff, während der Name der Kolonie Colonia Victricensis weniger bekannt war.[2] Antike Autoren waren demnach nicht so vertraut mit der Geographie der Region und verwechselten die Kolonie mit der keltischen Stadt.

Die römische Provinzhauptstadt[Bearbeiten]

Nach der römischen Eroberung wurde nahe der Stadt um 43–44 n. Chr. ein Legionslager eingerichtet, in der die Legio XX Valeria Victrix mit Auxiliartruppen untergebracht wurde.[3] Die Legion wurde jedoch schon im Winter 48–49 n. Chr. von Publius Ostorius Scapula nach Glevum (Gloucester) in Wales umquartiert und die Befestigungen in Camulodunum geschleift.[4] Das Gelände des verlassenen Lagers wurde als Veteranenkolonie Colonia Victrix[5] weitergenutzt.[6]

Die neue Stadt wurde nach einem Plan mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen angelegt. Baracken wurden in Wohngebäude umfunktioniert. Die alten Wälle des Lagers wurden eingerissen und die Gräben zugeschüttet. Im Osten der Stadt, in einem neu eingerichteten Stadtteil, wurde ein Tempel des Claudius als Kaiserkultzentrum errichtet.

Daneben besaß die Stadt auch andere wichtige öffentliche Gebäude, wovon bisher nur ein Theater und ein Triumphbogen lokalisiert wurden. Vor allem der Tempel des Kaiserkultes lässt vermuten, dass die Stadt den Status der Provinzialhauptstadt Britannien einnahm. Ein Forum konnte bisher nicht mit Sicherheit lokalisiert werden. In vielen vergleichbaren Orten ist das Hauptquartier (Principia) eines Militärlagers in ein Forum umgewandelt worden. Die kann auch hier vermutet werden, bewiesen ist es bisher nicht.[7]

Der Boudicca-Aufstand[Bearbeiten]

Im Jahr 60/61 n. Chr. kam es in der jungen Provinz zu dem Aufstand der Boudicca, in dessen Verlauf das unbefestigte Camulodunum als erste Stadt verwüstet wurde. Der Historiker Tacitus hat von den Ereignissen berichtet.[8] Der Hass richtete sich vor allem erstmal gegen die Veteranen, die ja erst kürzlich in der Stadt angesiedelt worden waren. Auch der Tempel des Claudius war das Ziel des Hasses, da er als „Zitadelle der Tyrannei“ betrachtet wurde. Tacitus berichtet, dass die Stadt unbefestigt war. Ein Standbild der Victoria soll nach hinten umgefallen. Dies wurde als böses Omen gedeutet. Die Bewohner der Stadt baten den Prokurator Catus Decianus um Hilfe, der aber nur 200 schlecht bewaffnete Mann zur Hilfe sandte. Als die Briten schliesslich angriffen, konnten sie die ganze Stadt problemlos einnehmen, plündern und niederbrennen. Nur der Tempel hielt länger stand. Hier hatten sich die Soldaten verschanzt. Nach zwei Tagen Belagerung fiel aber auch der Tempel. Archäologische Ausgrabungen haben überall in der Stadt Zerstörungsspuren zu Tage gebracht.

Nach dem Boudicca-Aufstand wurden Veteranen der Legionen XIIII Gemina Martia Victrix und XX Valeria Victrix im zerstörten Camulodunum angesiedelt und bauten die Stadt wieder auf.[9] Die Provinzialverwaltung wurde jedoch nach London (Londinium) verlegt.n

Zweites und Drittes Jahrhundert[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren erlebte Camulodunum ihre eigentliche Blütezeit, obwohl sie nie wieder eine bedeutende politische Rolle spielen sollte. Die Stadt wurde um 80 bis 100 n. Chr. nochmals erweitert und erhielt in dieser Zeit auch eine Stadtmauer. Obwohl für eine heute noch bewohnte Stadt relativ viel ergraben wurden, so fehlen doch noch viele öffentliche Gebäude. Nur der Standort des Theaters und des neu erbauten Tempels des Kaiserkultes sind bekannt. Bisher fehlen jegliche Hinweise auf ein Forum, von Thermen oder weiteren Tempeln, wenn man von zwei kleinen Heiligtümern vor den Mauern der Stadt absieht. Stattdessen wurden zahlreiche Peristylhäuser gefunden, die reich mit Mosaiken und Wandmalereien ausgestattet waren. Im Norden und Osten konnten außerhalb der Stadtmauern Vorstädte festgestellt werden. Hier lagen auch umfangreiche Friedhöfe mit teilweise aufwändigen Grabbauten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Camulodunum war ein wichtiges Töpfereizentrum. Verschiedene Töpferöfen sind in der Stadt gefunden worden. Die Stadt ist einer der wenigen Orte in Britannien, in dem Terra Sigillata produziert wurde. Wahrscheinlich kamen Handwerker in der Mitte des zweiten Jahrhunderts in die Stadt und richteten dort eine Werkstatt ein, von denen auch eine ausgegraben werden konnte. Terra Sigillata war schwieriger als einfache Keramik herzustellen. Dekorierte Gefäße sind in Formen gearbeitet worden, während der Sockel später angefügt wurde. Die Keramik benötigte auch besondere Brenntechniken, das vor allem die Temperatur genau kontrolliert werden musste. Bei Ausgrabungen in der Stadt fanden sich über 400 Fragmente von Formen. Überraschenderweise war die Produktion in der Stadt jedoch kommerziell nicht sehr erfolgreich. Von 1228 Terra Sigillata-Fragmenten, die sich bei jüngsten Ausgrabungen fanden, stammen nur 5 Scherben aus der lokalen Produktion.[10] Dies mag an der nicht so guten Qualität des Tons in der Region liegen, der deshalb vielleicht importiert werden musste und deshalb die Produktion nicht sehr erträglich machte.[11]

Es gibt auch Belege für Glasverarbeitung. Bei Ausgrabungen fanden sich einige Reste von Abfällen, die bei der Glasproduktion entstehen. Es fanden sich auch Fragmente, die vielleicht von einem Glasbarren stammen. Diese Belege sind nicht sehr zahlreich, reichen aber aus eine Glasproduktion in geringen Rahmen zu belegen. Die Glasabfälle fanden sich an verschiedenen Orten bei Ausgrabungen und können deshalb nicht mit Sicherheit einem bestimmten Haus zugeordnet werden.[12]

Bauten[Bearbeiten]

Der Tempel des Claudius[Bearbeiten]

Der Tempel des Claudius ist der größte bisher bekannte Tempel in klassischem Stil in Britannien. Der Tempel wird von Tacitus[13] und Seneca[14] erwähnt. Die Lage des Tempels war lange Zeit unbekannt. Erst in den 1920er Jahren wurde klar, dass Gewölbe, die sich unter Colchester Castle, der normannischen Burg in der Stadt befinden, zu diesem Tempel gehörten. Bei diesen sogenannten Gewölben handelt es sich jedoch in Wirklichkeit um die Abdrücke des Tempelfundamentes. Beim Bau des Tempel sind Gräben ausgehoben worden, die dann mit Zement und Steinen, sowie stützenden Holzplanken ausgefüllt wurden, um den weichen Untergrund zu stabilisieren. Der eigentliche Tempelbau war einst circa 24,4 Meter breit und 32 Meter lang. Berechnungen zufolge war er mit Podium mehr als 20 Meter hoch. Die Säulen waren etwa neun Meter lang. An der Frontseite befanden sich eine Treppe und wahrscheinlich acht Säulen. Vor dem Tempel stand einst sicherlich ein Altar, von dem aber bisher nichts gefunden wurde. Nach Tacitus soll sich beim Tempel eine Statue der Siegesgöttin Victoria befunden haben. Der Tempel wurde nach dem Boudicca-Aufstand wieder aufgebaut, wobei er innerhalb eines Tempelbezirkes stand.[15] Es ist umstritten wann der Tempel dem Claudius geweiht wurde. Claudius wünschte nicht als Gott verehrt zu werden, so dass der Tempel erst nach seinem Tode ihm geweiht werden konnte. Doch mag er hier eine Ausnahme gemacht haben um seine Macht in der neu von ihm eroberten Provinz zu stärken.[16]

Weitere Tempel[Bearbeiten]

Es gab in der Stadt verschiedene römisch-keltische Umgangstempel. Einer von ihnen stand am sogenannten „Balkene Tor“ (das Haupt- und Westtor der Stadtmauer), außerhalb der Stadtmauern. Das Heiligtum hatte eine Cella und einen Umgang. Die Cella war etwa 14,5 x 7,3 m groß, der Umgang war etwa 14,50 m im Quadrat. Von den Mauern der Cella fanden sich nur noch wenige Reste. Der Fußboden war nirgendswo erhalten. Die meisten Mauern waren von Steinräubern geraubt worden, so dass sich nur noch die leeren Gräben bei den Ausgrabungen beobachten ließen. Der Bau wurde im ersten Jahrhundert errichtet und wurde in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts aufgegeben. Die hier verehrte Gottheit ist unbekannt. Südlich von dem Tempel, auf der anderen Seite der antiken Straße, konnten die Reste eines weiteren Heiligtums ausgegraben werden. Der Bau (etwa 10,8 x 11.2 m) bestand aus einer soliden Rückwand, während die Nordseite vier, und die Ost-und Westseite zwei Pilaster hatten. Der Grundriss ist sehr ungewöhnlich und erklärt sich sicherlich am besten als kleines Heiligtum, das in Verbindung mit dem Tempel auf der anderen Straßenseite stand.[17]

Vier weitere konnten nördlich der eigentlichen ummauerten Stadt ausgegraben werden. Einer von ihnen war besonders groß und von einer Mauer umgeben. Ein Kupferplakette berichtet, dass Publius Oranius Facilis eine Jupiterstatuette weihte. Dementsprechend mag einer der Tempel hier dem Jupiter geweiht gewesen sein. Ein weiterer Tempel lag westlich der Stadt in einiger Entfernung von der restlichen Stadtbebauung und war dem Silvanus geweiht.

Theater[Bearbeiten]

1982 wurden die Reste eines Theaters gefunden, das aus Stein erbaut war. Es lag neben dem Tempel des Claudius und wird bei Tacitus erwähnt. Es war einst ungefähr 60 Meter breit und damit eines der größten in Britannien. Da nur Teile der Fundamente ausgegraben wurden, kann nur wenig zu dem einstigen Aufbau gesagt werden.

Forum und Thermen[Bearbeiten]

Mit Sicherheit konnten bisher weder Thermen, noch ein Forum identifiziert werden. Immerhin fand man in den letzten Jahren massive Fundamente in „Insula 20“, die vielleicht zu einer Badeanlage gehören.

Gewerbe[Bearbeiten]

Fehlbrand aus Töpferofen in Camulodunum

Im Süden der Stadt wurden die Reste einen monumentalen, quadratischen Baues ausgegraben, der im zweiten Jahrhundert errichtet wurde. Die Innenmaße waren etwa 5,5 x 7,0 Meter. Der Bau lag inmitten von eher landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wahrscheinlich handelt es sich um die Reste eines Kornspeichers. Dieser wurde um 300 niedergerissen und an dessen Stelle wurde ein Ofen zum Korntrocknen errichtet.[18]

Vor allem außerhalb der Stadtmauern sind Töpferöfen gefunden worden. Sie standen meist abseits von bebauten Flächen. Sie bildeten meist Gruppen von mehreren Öfen. Die Öfen sind meist etwa zwei bis drei Meter lang. Sie sind rund oder rechteckig mit einem Feuerloch unter der Erde. Die Töpfe standen auf einem erhöhte Absatz über dem Feuer, das sich am Boden des Ofens befand. In der Stadt fanden sich auch zwei größere, rechteckige Öfen, die jedoch für die Produktion von Kacheln und Ziegeln bestimmt waren.[19]

Stadtmauer[Bearbeiten]

Rest der Stadtmauer von Camulodunum

Das Stadtgebiet war von einer Mauer umgeben. Sie war 2,835 Kilometer lang und ca. 2,65 Meter stark und mindestens sechs Meter hoch. Die Mauer hatte sechs Tore und ungefähr 24 Türme. Die meisten Stadtmauern Britanniens wurden am Ende des zweiten Jahrhunderts errichtet. Wie die archäologischen Befunde zeigen, wurde die Mauer von Camulodunum jedoch in den Jahren 65 bis 80 n. Chr. erbaut. Dies kann sicherlich mit den Ereignissen um den Aufstand der Boudicca in Verbindung gebracht werden. Die Mauer steht noch heute zu bedeutenden Teilen.

Circus[Bearbeiten]

Südlich der Stadt, außerhalb der Stadtmauern fanden sich die Reste von einem Circus (Pferderennbahn). Es handelt sich bisher um den einzigen Zirkus im römischen Britannien.[20] Der Bau war einst etwa 450 Meter lang und ist im zweiten Jahrhundert errichtet worden.

Wohnbebauung[Bearbeiten]

Im ganzen Stadtgebiet fanden sich bei Grabungen Reste von Wohnbauten. Demnach war die Stadt dicht mit Häusern bebaut, wobei es aber auch zahlreiche freie Flächen innerhalb der Stadt, vor allem bei der Stadtmauer gab, die für Gärten oder landwirtschaftlich genutzt wurden. Bei den Ausgrabungen konnte an diversen Stellen im Stadtgebiet beobachtet werden, wie das Militärlager in eine Zivilstadt umgewandelt wurde. Nachdem die Soldaten abgezogen waren, sind die Baracken zu Wohnhäusern umgebaut worden. Die Bauten dieser Zeit waren zum Teil aus Holz errichtet und hatten Flechtwerkwände. Die Räume waren zum Teil ausgemalt. Diese Stadt ist im Jahr 60/61 niedergebrannt worden. Bei Ausgrabungen konnten viele verkohlte, organische Materialien, die sonst vergangen wären, gefunden werden. In einem Haus lagen noch verkohlte Früchte (Pflaumen und Datteln). In einem anderen Haus sind die Reste eines Bettes und die stark verkohlten Reste der Bettlaken gefunden worden. Von den Bettlaken waren zum Teil sogar noch die Muster rekonstruierbar, mit denen sie dekoriert waren.[21]

Umfangreiche Reste der Stadt konnten 1971 bis 1974 am Lion Walk ausgegraben werden. Es handelt sich um Insula XXXVI und XXXVIII. In Insula XXXVI kamen die Reste von zwei großen Peristylhäusern zu Tage. Die Reste waren nicht gut erhalten, doch waren einige Räume mit Hypokausten und Mosaiken ausgestattet. Die Mosaiken waren zum Teil mit Figuren dekoriert und von hoher Qualität, sind aber nicht gut erhalten.[22]

Auch in die „Insulae XXXIV“ und „Insulae XXXV“ konnten zum großen Teil ausgegraben werden. Ein Einkaufszentrum wurde erbaut und in den Jahren 1981/1982 und 1984/85 fanden Rettungsgrabungen statt, bei denen aber aus finanziellen Gründen nicht alle Reste untersucht werden konnten und Teile der antiken Bebauung nicht ununtersucht der Zerstörung Preis gegeben wurden. In „Insula XXXV“ fand sich ein großes Peristylhaus (Haus Nummer 123, nach der Zählung der Ausgräber). Es handelt sich um das bisher größte in der Stadt ausgegrabene Wohnhaus. Es wurde in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts errichtet und war wahrscheinlich bis in das vierte Jahrhundert bewohnt. Es maß etwa 36 x 40 Meter. Mindesten vier Räume hatten Mosaiken. Einige Räume hatten Wandmalereien. Es fanden sich auch Reste von Marmor und Steinverkleidungen, die einst vielleicht die Wände schmückten. Ein Pantherkopf aus parischen Marmor stammt wahrscheinlich von einem Marmortisch und unterstreicht den Wohlstand der ehemaligen Bewohner. Einige Räume waren unterkellert. Es fanden sich umfangreiche Reste von Fensterglas. Ein großer Saal lag tiefer als die anderen Räume und war mit einem Mosaik ausgestattet. Die Ausgräber vermuten, dass dieser Raum als Heiligtum diente.[23]

Die Nachbarhäuser waren meist kleiner, hatten oftmals auch einen Hof und waren auch mit Mosaiken ausgestattet. Im Norden der Stadt, außerhalb der Stadtmauern sind zwei Wohnbauten im Jahr 1979 ausgegraben worden. Der größere Bau gruppierte sich an drei Seiten um einen Hof, wobei die vierte Seiten bisher nicht ausgegraben wurde und vielleicht auch bebaut war. Zur Straße hin gab es eine Werkstatt oder einen Laden. verschiedene Räume hatten Mosaiken. Ein figürlich dekoriertes Mosaik zeigt im Mittelfeld zwei ringende Eroten. Die Figuren sind nicht gut erhalten, gehören aber zu den besten Bildern auf Mosaiken des römischen Britanniens. In Seitenfeldern sind fantastische Meerestiere dargestellt. Ein Rahmen zeigt Ranken in denen Vögel sitzen. Das Mosaik datiert in das 2. Jahrhundert n. Chr. Andere Mosaiken im Haus sind schlechter erhalten und waren anscheinend einfacher gestaltet.[24] Aus der Stadt stammen insgesamt etwa 76 Mosaiken. Die meisten zeigen stilisierte florale oder geometrische Muster. [25]

Galerie[Bearbeiten]

Spätantike[Bearbeiten]

Reste einer spätantiken Kirche

Im 4. Jahrhundert n. Chr. verlor die Stadt, wie andere Orte in Britannien auch, viele ihrer Einwohner, weite Flächen des früheren Stadtgebiets blieben unbebaut. Aus dieser Zeit stammt ein Friedhof, der südlich der Stadtmauer liegt. 660 Gräber konnten ausgegraben werden. Ein älterer Friedhof datiert in die Zeit vor dem vierten Jahrhundert. Die Gräber waren in Nord-Süd-Richtung orientiert und reich an Beigaben. Im vierten Jahrhundert wurde hier ein weiterer Friedhof angelegt, der die älteren Bestattungen zum Teil einfach überdeckte. Die Bestattungen sind nun in Ost-West-Richtung orientiert. Beigaben sind eher selten und kommen dann eher in Bestattungen von Kindern vor. Die Bestattungen lagen dicht beieinander und es kann vermutet werden, dass hier Christen bestattet wurden. Die Leichen sind meist in Holzsärgen beigesetzt worden. Am Rande des Friedhofs stand eine Kirche. Sie ist um 330 n. Chr. erbaut worden und verfiel im 5. Jahrhundert. Der Bau war gut 20 Meter lang und hatte im Osten eine Apsis. Da sie sich neben dem Friedhof fand, mag sie vor allem als Friedhofskirche benutzt worden sein.[26] Die Reste der Kirche sind konserviert und in einen kleinen Park zu sehen. Eine Basilika fand sich im Süden der Stadt, innerhalb der Stadtmauern. Es wurde vermutet, dass es sich auch um die Reste eine Kirche handelt, doch ist dies unsicher und eine Deutung als Speicher ist auch möglich.[27]

Camelot[Bearbeiten]

Wegen des ähnlichen Klangs des Namens und der früheren Bedeutung der Stadt wurde Camulodunum oft in Verbindung zu Camelot, der sagenhaften Residenz des Königs Artus, gebracht. Selbst wenn man historische Wurzeln für den Mythos in Betracht zieht, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Zusammenhang besteht.[28] Camelot wird in der von Geoffrey of Monmouth um 1135 verfassten Historia Regum Britanniae („Geschichte der Könige Britanniens“), die die spätere Artus-Dichtung stark beeinflusst hat, noch nicht erwähnt. Colchester, die Stadt, die aus der Colonia Victricensis, Camulodunum, hervorgegangen war, fand jedoch Eingang in die Geschichtsdarstellung des Geoffrey of Monmouth. Sie wird als Residenz des Königs Coel, der im 4. Jahrhundert n. Chr. gelebt haben soll, dargestellt. Bei Coel handelt es sich ebenfalls um einen geschichtlich nicht nachweisbaren Herrscher.

Im Mittelalter waren zwar verschiedene lateinische Texte bekannt, die Camulodunum erwähnten, die Kenntnis der genauen Lage der Stadt in Britannien und der siedlungsgeschichtliche Zusammenhang mit Colchester waren jedoch in Vergessenheit geraten. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde diese geographische Zuschreibung wiederhergestellt.

In der Zeit um das Jahr 500 n. Chr., in der das historische Vorbild für den legendären König Artus gelebt haben könnte, war die Ostküste Englands bereits von den Sachsen besetzt worden. Das ehemalige Camulodunum war weitgehend zerstört und verlassen. Es kann also nicht die von Chrétien de Troyes Ende des 12. Jahrhunderts erstmals beschriebene Stadt Camelot aus dem Artus-Epos gewesen sein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Geography of Ptolemy
  2. Crummy: City of Victory, 52
  3. Claude Lepelley (Hrsg.): Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit, Bd. 2: Die Regionen des Reiches, de Gruyter, München 2001, ISBN 3-598-77449-4, S. 217.
  4. Sheppard Sunderland Frere: Britannia: a history of Roman Britain, Routledge, 1987, ISBN 978-0710212153, S. 72.
  5. Der Name ist nicht eindeutig überliefert; möglich ist auch Colonia Claudia Victrix oder Colonia Claudia Victrix Augusta, eher unwahrscheinlich ist Colonia Victricensis. Vgl. Lawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971-2000 ('Mavors. Roman Army Researches Band 12), Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-515-07744-6 , S. 304.
  6. John Stewart Wacher: Coming of Rome (Britain Before the Conquest), Routledge, 1979, ISBN 978-0710003126, S. 74.
  7. Crummy: City of Victory, S. 57
  8. Tacitus: Annalen. 14, 29-39.
  9. Anthony Richard Birley: The Roman government of Britain, Oxford University Press, 2005, ISBN 978-0-19-925237-4, S. 49.
  10. Crummy: "City of Victory", 109-110
  11. Wacher: Towns of Roman Britain, 128
  12. H. Cool, in: P. Crummy: Colchester Archeologigal reposrt 6, 118
  13. Annalen, 14.31
  14. Apocolocyntosis, 8.3
  15. Crummy: City of Victory, S. 59–60.
  16. Wacher: The Towns of Roman Britain, 117-119
  17. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 3: Excavations at Lion Walk, Balkerne Lane, and Middleborough, Colchester, Essex. Colchester 1984, ISBN 0950372749, S. 123-26
  18. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 6: Excavations at Ciulver Street, the Gilbert School, and other sites in Colchester 1971-85, Colchester 1992, ISBN 0-9503727-9-X, 108-112
  19. Crummy: "City of Victory", 109
  20. Roman Colchester
  21. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 3: Excavations at Lion Walk, Balkerne Lane, and Middleborough, Colchester, Essex. Colchester 1984, ISBN 0950372749, S. 37-49
  22. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 3: Excavations at Lion Walk, Balkerne Lane, and Middleborough, Colchester, Essex. Colchester 1984, ISBN 0950372749, S. 52-7
  23. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 6: Excavations at Ciulver Street, the Gilbert School, and other sites in Colchester 1971-85, Colchester 1992, ISBN 0-9503727-9-X, 96-108
  24. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 3: Excavations at Lion Walk, Balkerne Lane, and Middleborough, Colchester, Essex. Colchester 1984, ISBN 0950372749, S. 159-74
  25. Neal, Cosh: Roman Mosaics of Britain, Volume III, South-East Britain, S. 131–138.
  26. Crummy: City of Victory, S. 120-124
  27. Philip Crummy: Colchester Archaeological Report 6: Excavations at Ciulver Street, the Gilbert School, and other sites in Colchester 1971-85, Colchester 1992, ISBN 0-9503727-9-X, 112-116
  28. Offizieller Brief des Museums von Colchester auf Anfragen bezüglich Camelot (engl.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Philip Crummy: City of Victory. Colchester 1997, 2001 (Repr.). ISBN 1-897719-04-3
  • David S. Neal, Stephen R. Cosh: Roman Mosaics of Britain, Volume III, South-East Britain, Part I, London 2009, ISBN 978-0-85431-289-4, S. 83–140.
  • John Wacher: The Towns of Roman Britain. Routledge, London/New York 1997, ISBN 0-415-17041-9, S. 112–132.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Camulodunum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.89170.903Koordinaten: 51° 54′ N, 0° 54′ O