Care Leaver

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Care leaver (auch Careleaver[1]) sind junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in öffentlicher Erziehung – z. B. in Wohngruppen oder Pflegefamilien - verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden.[2]

Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen und bedeutet „jemand, der den Betreuungsstatus verlässt“ (wörtlich: Fürsorge-Verlasser). Der Begriff hat sich „[i]m internationalen Diskurs [...] eingebürgert“[2] und wird in der Regel ohne Altersangabe verwendet, d. h. unter dem Begriff werden alle Altersgruppen gefasst.[3] Er wird insbesondere im Vereinigten Königreich und in Australien[4] verwendet.[3] Im Vereinigten Königreich gibt es eine gemeinnützige Organisation namens The Care Leavers' Association,[5] in Australien das Netzwerk Care Leavers’ Australia Network.[6] - beide seit dem Jahr 2000. In Deutschland wird die Gruppe vom Verein Careleaver e.V. vertreten.[7]

Im Vereinigten Königreich sind etwa ein Prozent der Kinder im Laufe ihres Lebens in einer Einrichtung, die sie als Care Leaver verlassen. Geschätzt 350.000 Erwachsene haben damit die Erfahrung einer vollständigen oder teilweisen Unterbringung gemacht.[3]

In Australien gibt es unterschiedliche Definitionen darüber, wer Care Leaver ist. Der "Children (Leaving Care) Act 2000" definiert einen Care Leaver als eine Person älter als 15 Jahre, der in der Fürsorge einer Local Authority stand, die mindestens 13 Wochen bestand.[8][9] Etwa 500.000 Menschen waren nach einer Schätzung im 20. Jahrhundert Care Leaver in Australien.[3]

In Deutschland leben rund 150.000 Minderjährige und Heranwachsende in der Heimerziehung, im betreuten Wohnen oder in Pflegefamilien. Der Gesetzgeber hat mit dem SGB VIII eine Reihe von Regelungen geschaffen, die inzwischen nicht mehr als hinreichend erachtet werden. Minderjährige werden mit Erreichen der Volljährigkeit meist ohne eine angemessene Übergangsregelung entlassen, wodurch sie gegenüber dem Leben in einer „normalen“ Durchschnittsfamilie grundsätzlich benachteiligt sind. Hier bietet nur der § 41 SGB-VIII eine Hilfe für die jungen Volljährigen an. Im Rahmen einer Reform des SGB VIII würden sich auch Auswirkungen auf diese Gruppe ergeben. Daher hat der Verein Care Leaver e.V. eine entsprechende Stellungnahme erarbeitet.[10]

Care Leaver stehen vor ungleich anderen Bedingungen für den Eintritt ins Berufs- oder Hochschulleben als gleichaltrige Age mates aus Herkunftsfamilien, da sie sowohl über einen anderen Erfahrungsschatz als auch über andere finanzielle Voraussetzungen verfügen. Insbesondere der Übergang in das Berufsleben kann problematisch sein, weswegen zum Beispiel manche Universitäten spezielle Angebote für Care Leaver machen.[11]

Die Situation der Care Leaver ist Gegenstand der Forschung. Lerch und Stein haben die Situation von Care Leavers in 13 Ländern untersucht.[12] An der Universität Hildesheim existiert ein Forschungsprojekt in Kooperation mit der IGFH mit dem Namen "Higher Education without Family Support", das sich mit dem Übergang zwischen Schulzeit und Studium der Care leaver beschäftigt.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Stein, K. Carey: Leaving Care. Blackwell, Oxford 1986, ISBN 0-631-14875-2.
  • V. Lerch, M. Stein (Hrsg.): Ageing Out of Care: From care to adulthood in European and Central Asian societies. SOS Children's Villages International, Innsbruck 2010.
  • Benjamin Strahl, Severine Thomas: Care Leavers. In: Unsere Jugend. 1, 2013, S. 2–11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Köngeter, Wolfgang Schröer, Maren Zeller: Transitioning out of Care: Bildungserfolge und Lebenslagen von „Careleavers“. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung. Heft 3-2012, S. 257–259.
  2. a b Hannah König: Studenten ohne Eltern: Stell dir vor, es ist Uni, und du bist ganz allein. In: Spiegel Online. 8. Mai 2013.
  3. a b c d J. Goddard u. a.: Access to Child Care Records: A Comparative Analysis of UK and Australian Policy and Practice. (PDF; 68 kB)
  4. Care Leavers. (Memento vom 24. April 2013 im Internet Archive) auf: findandconnect.gov.au
  5. http://www.careleavers.com/who-we-are/origins
  6. http://www.clan.org.au/about
  7. Careleaver Deutschland: Wer wir sind und was wir wollen? In: www.careleaver.de. Abgerufen am 10. November 2016.
  8. legislation.gov.uk
  9. http://www.careleavers.com/who-we-are/what-is-a-care-leaver-2/
  10. Familien für Kinder gGmbH: Careleaver‐Positionen zur SGB‐VIII‐Reform. Abgerufen am 10. November 2016.
  11. uhi.ac.uk
  12. php.york.ac.uk
  13. Care leaver-Projekt auf der Seite der Uni