Carl Tielsch

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Populärer Geschenkartikel der Jahrhundertwende: Geburtstagstasse von Carl Tielsch.

Carl Tielsch war eine schlesische Porzellanmanufaktur.

Manufaktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Robert Tielsch gründete die gleichnamige Porzellanmanufaktur 1845 in Altwasser bei Waldenburg im Regierungsbezirk Breslau.

Schnell wurde die Manufaktur einer der größten deutschen Porzellanhersteller. Der Erfolg basierte auf einer breiten Produktpalette, die Haushaltsporzellan ebenso wie Hotelgeschirr und Luxusartikel beinhaltete. Des Weiteren legte man Wert auf die besten Entwickler und Maler.

Zur Sozialarbeit des Unternehmens gehörte die Gründung eines Arbeiter- und Arbeitsunfähigkeitsfonds.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges umfasste der Produktkatalog 1637 Stücke in bis zu 196 Variationen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die Manufaktur 270 Töpfer und 110 Maler. 1906 begann Tielsch als erstes Unternehmen der deutschen Porzellanindustrie mit der Produktion in Tunnelöfen.[1] 1917 verfügte die Kriegsamtstelle Breslau eine Produktionsdrosselung auf 60 Prozent. Am 1. Januar 1917 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft überführt. Die AG hatte einige namhafte Teilhaber wie Georg Faist, das Bankhaus Gebrüder Arnhold und Hugo Auvera (Firma C. M. Hutschenreuther). Bis zur Weltwirtschaftskrise prosperierte das Unternehmen stark. 1930 übernahm Egmont Tielschs Sohn Herbert den Sitz im Aufsichtsrat.

1932 schlossen sich die Unternehmen Hutschenreuther und Tielsch zusammen. Die Manufaktur hieß dann Porzellanfabrik C. Tielsch & Co., Abteilung der C. M. Hutschenreuther AG Mit der sowjetischen Besetzung und dem Einsetzen einer polnischen Regierung ab 8. Mai 1945 wurde die gesamte Fabrik enteignet.

Auf Weisung der sowjetischen Administration wurde zunächst ein Teil der Fabrik demontiert. Dann wurde die Produktion mit wenigen nicht vertriebenen Deutschen fortgesetzt. 1952 wurde die Fabrik dann endgültig verstaatlicht und unter dem Namen Zaklad Porcelany Stolowej „Wałbrzych“ zu einer Hauptporzellanproduktionsstätte für Polen.

1992 wurde die Fabrik reprivatisiert und gehört nun noch zu 15 Prozent dem polnischen Staat.

Porzellanmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Manufaktur Carl Tielsch verwendete die Porzellanmarken TPM (Tielsch-Porzellan-Manufaktur von 1845. - 1863), C. Tielsch & Co. (1863), C.T. (ab 1863).

Die Familie Tielsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Tielsch (1815–1882), Gründer
  • Egmont Tielsch, Sohn von Carl, Leiter bis 1930, Reserveoffizier, ausgezeichnet mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse, geadelt als Egmont Ritter von Tielsch, königlich preußischer Kommerzienrat
  • Herbert von Tielsch, Sohn von Egmont

Der Fideikommiss von Tielsch umfasste das Rittergut Reußendorf. Dies gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg zur Herrschaft Fürstenstein (gesamt 8700 Hektar Forst). 1925 umfasste die Waldfläche (Schätzung: 1/3 des Gesamtbesitzes) des Areals 220 Hektar. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste die Familie Tielsch das Schloss Reußendorf aufgeben. Nun polnisch, wurde es als Waisenhaus und -schule genutzt. Gegenwärtig steht es leer. Auf der Fläche des ehemaligen Schlossgartens befindet sich ein Freibad.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eitel Tette: Porzellanmanufaktur Carl Tielsch-Altwasser. Schönes und wertvolles Porzellan aus Schlesien. Band 1, Husum 1992, ISBN 3-88042-596-5; Band 2, Husum 2002, ISBN 3-89876-006-5.
  • Frank K. Tarikk Riemann: Porzellan aus Preußisch-Schlesien. Carl Tielsch, Altwasser. Selbstverlag, Küsten 2007.
  • Gerhard Schmidt-Stein: Schlesisches Porzellan vor 1945. Bergstadtverlag Korn, Würzburg 2007, ISBN 978-3-87057-207-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Zehentmeier: Leben und Arbeiten der Porzelliner in Nordostbayern (1870 -1933), Hohenberg/Eger 2001 (Universität Bamberg, Diss.), S. 80.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 47′ 3,9″ N, 16° 17′ 0,5″ O