Cecil L’Estrange Malone

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Cecil John L’Estrange Malone (* 7. September 1890 in Dalton Holme, Yorkshire; † 8. Juni 1965) war ein britischer Politiker. Er war der erste kommunistische Abgeordnete im House of Commons.

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malone war der Sohn des Savile L’Estrange und seiner Ehefrau Frances Mary Malone. Er wurde in Ludgrove, New Barnet und an der Cordwallis School in Maidenhead erzogen und trat anschließend 1905 in die Royal Navy ein. In dieser wurde er zunächst am Royal Naval College in Dartmouth erzogen.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Malone einer der ersten Männer, die in Großbritannien zu Marinefliegern ausgebildet wurden. Während des Krieges kommandierte er das Schiff HMS Ben-my-Chree, wofür er mit dem Order of the Nile ausgezeichnet wurde. Er kam in den Dardanellen und in Ägypten zum Einsatz. Ab 1918 fungierte Malone als außerordentlicher Vertreter (Special Representative) der britischen Luftflotte/des Luftfahrtministeriums beim Supreme War Council in Versailles.

Anlässlich der britischen Parlamentswahl des Jahres 1918 kandidierte Malone im Wahlkreis Leyton East für die antikommunistische Reconstruction Society für das House of Commons, das britische Parlament. Er konnte diese Wahl für sich entscheiden und gehörte dem House of Commons anschließend knapp vier Jahre lang, bis zur Parlamentswahl des Jahres 1922, als Abgeordneter an.

1919 war Malone einer der ersten britischen Politiker, die Russland nach der Revolution von 1917 besuchten. Aufgrund der damaligen Blockade des Landes durch die Westmächte überquerte er am 28. September 1919 die grüne Grenze in einem Waldgebiet in Finnland und traf am 29. September in Petrograd ein. Dort nahm er an Besprechungen mit Gewerkschaftern teil, bevor er mit dem Zug nach Moskau weiterreiste, wo er sich mit Maxim Litwinow, damals ein führender Vertreter des Sowjetischen Kommissariats für Auswärtige Angelegenheiten (Außenministerium), sowie mit dem Kommissar (Minister) für dieses Ressort, Georgi Tschitscherin, traf. Auf Vermittlung dieser beiden durfte er Leo Trotzki, den Kriegsminister der Sowjet-Regierung, in dessen Sonderzug auf einer Inspektionsreise nach Tula begleiten. Des Weiteren besuchte er während seiner Reise durch Russland Fabriken, Kraftwerke sowie kulturelle und Regierungseinrichtungen aller Art. Die Anstrengungen der Sowjetregierung und ihrer Anhänger, eine völlig neue Gesellschaft zu schaffen, übten starken Eindruck auf ihn aus, so dass er Russland als überzeugter Kommunist verließ.

Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien wurde Malone daher ein engagierter Anhänger der gegen eine Intervention Großbritanniens und der übrigen Westmächte in Russland gerichteten „Hands off Russia“-Kampagne (sinngemäß „Hände weg von Russland“-Kampagne) und schloss sich im November 1919 der protokommunistischen British Socialist Party (BSP) an, in der er rasch eine führende Stellung einnahm.

Als im Sommer 1920 unter maßgeblicher Beteiligung der BSP die Communist Party of Great Britain (CPGB) gegründet wurde, trat Malone in diese über, wodurch er zum ersten kommunistischen Abgeordneten im House of Commons wurde.

In einer politischen Ansprache, die er am 7. November 1920 in der Royal Albert Hall hielt, forderte er in scharfer Form eine Beendigung der Beteiligung Großbritanniens am russischen Bürgerkrieg als Interventionsmacht auf Seiten der Weißen Armee gegen die Sowjetregierung. In dieser Rede äußerte er unter anderem den Gedanken, den damaligen britischen Kriegsminister Winston Churchill und den Außenminister Curzon an Laternenpfählen aufzuhängen. Er argumentierte, was schon das Leben einiger Reaktionäre wäre, die man exekutierten würde, um der Kriegstreiberei ein Ende zu machen, wenn dadurch tausende Leben gerettet werden würden („What are a few Churchills or a few Curzons on lampposts compared to the massacre of thousands of human beings?“). Er wurde wegen Volksverhetzung (sedition) angeklagt und zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Außerdem wurde ihm der Order of the British Empire, den er für seine Leistungen während des Ersten Weltkriegs erhalten hatte, entzogen. Die Communist Party veröffentlichte daraufhin im Januar 1921 ein Pamphlet mit dem Titel What are a Few Churchills?, mit dem sie sich hinter Malone stellte. Im Juni 1921 gelangte Malone wieder auf freien Fuß.

Nachdem er seinen Parlamentssitz 1922 verloren hatte, verließ Malone die CPGB um 1923 und schloss sich der Independent Labour Party an. Bei de Parlamentswahl vom Dezember 1923 und bei der Parlamentswahl von 1924 kandidierte erfolglos für die Labour Party im Wahlkreis Ashton-under-Lyne.

Bei einer Nachwahl im Wahlkreis Northampton im Jahr 1928 konnte er schließlich ins House of Commons zurückkehren, dem er, nachdem sein Mandat bei der regulären Wahl des Jahres 1929 bestätigt wurde, bis zur Wahl des Jahres 1931 angehörte. Insgesamt saß Malone somit zwischen 1918 und 1931 sieben Jahre lang (von 1918 bis 1922 und von 1928 bis 1931) im britischen Parlament. Von 1931 fungierte er zudem in Ergänzung zu seinen Aufgaben als Abgeordneter für einige Monate als parlamentarischer Privatsekretär des Pensionsministers.

Aufgrund seiner Stellung als prominenter britischer Kommunist geriet Malone spätestens 1940 ins Visier der nationalsozialistischen Polizeiorgane, die ihn als wichtige Zielperson einstuften: Im Frühjahr 1940 setzte ihn das Reichssicherheitshauptamt in Berlin auf die Sonderfahndungsliste G.B., ein Verzeichnis von Personen, die der NS-Überwachungsapparat als besonders gefährlich oder wichtig ansah, weshalb sie im Falle einer erfolgreichen Invasion und Besetzung der britischen Inseln durch die Wehrmacht von den den Besatzungstruppen nachfolgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malone war seit 1921 mit Leah Klingenstein verheiratet († 1951), mit der er eine Tochter hatte. In zweiter Ehe war Malone seit 1956 mit Dorothy Nina Cheetham († 1980) verheiratet.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Russian Republic, 1920.
  • New China, 1926.
  • Manchoukuo. Jewl of Asia, 1936. (mit D.M.B. Collier)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Bellamy/ J. Saville: Dictionary of Labour Biogrpahy, Bd. 7, 1984.
  • A.T. Lane: Biographical Dictionary of European Labor Leaders, Bd. 2, 1995, S. 608.
  • Dod’s Parliamentary Companion, 1920, S. 354.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Malone auf der Sonderfahndungsliste G.B. (Wiedergabe auf der Website des Imperial War Museums in London).