Ceteris paribus

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Ceteris paribus bedeutet sinngemäß „unter sonst gleichen Bedingungen“. Es spielt eine große Rolle bei Experimenten. Will man herausfinden, wie eine erste Variable eine zweite beeinflusst, schaut man sich mehrere Situationen an, in denen beide auftauchen. Ceteris paribus verlangt nun, dass alle anderen Bedingungen gleich bleiben müssen. Damit soll ausgeschlossen werden, dass doch eine dritte, vierte … Variable den beobachteten Effekt mit beeinflusst, und somit sichergestellt ist, dass die Ergebnisse der Untersuchung rein den Zusammenhang zwischen abhängiger und unabhängiger Variable beschreiben.

Ceteris paribus ist eine wesentliche Voraussetzung für interne Validität. Abkürzungen des lateinischen Ausdrucks sind c. p. und cet. par..

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um aus Experimenten Kausalschlüsse ziehen zu können, müssen die mit der abhängigen Variablen gemessenen Effekte eindeutig auf die Manipulation der unabhängigen Variablen zurückzuführen sein. Andere Einflüsse müssen also ausgeschlossen sein bzw. konstant gehalten werden. Diese Ceteris-paribus-Klausel wurde von John Stuart Mill auch als Methode des Unterschieds bezeichnet.

Für die Sozialwissenschaften, wie z. B. die wissenschaftsphilosophischen Schriften Imre Lakatos' nahe legen, ist es nötig die Ceteris-paribus-Klausel auf die erkenntnistheoretischen Abwandlungen des 20. Jahrhunderts (siehe u. a. Positivismusstreit) anzupassen. Letztere sind auch in den Verhaltenswissenschaften aus Gründen der Intersubjektivität, die auch bei Forschenden selbst immer zutreffe, zu beachten. So ist der Ansatz Ceteris-paribus-distributionibus[1] eine wichtige Ergänzung für empirische Sozialwissenschaften: Störende Einflüsse lassen sich nie komplett ausschalten, daher ist es wichtig durch die richtige Wahl der Fehlerterme in Modellen und zusätzlich zu üblichen Kontrollen, sicherzustellen, dass diese Verzerrungen in näherungsweise gleichem Maße auf Versuchsbedingungen bzw. Teilnehmende der Untersuchung verteilt sind.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Experiment wird immer nur eine Einflussgröße verändert, während alle anderen konstant gehalten werden, um genau deren Einfluss bestimmen zu können. Die Ceteris-paribus-Klausel stellt damit einen Weg dar, vereinfachte Modelle der Wirklichkeit hinsichtlich der Auswirkungen von Veränderungen einzelner Parameter zu betrachten und zu bewerten.

Wird jedoch nicht überprüft, ob die Modellvereinfachungen den betreffenden Sachverhalt auch dann noch ausreichend beschreiben, wenn durch die Ergebnisse die Modellvoraussetzungen verändert werden, so kann das (Gedanken-)Experiment falsch bzw. unbrauchbar sein. Erst wenn das Ergebnis die Voraussetzungen nur unwesentlich bzw. gar nicht verändert, ist das Modell brauchbar. Diese Prüfung wurde aber bei vielen Modellen außer Acht gelassen, welche trotzdem als brauchbar publiziert werden, obwohl damit die Forderung des ceteris paribus („unter der Annahme, dass alle außer den [vorher] genannten anderen Rahmenbedingungen [Prämissen] gleich bleiben“) verletzt wird.

Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preis eines Guts wird, neben z. B. der Nachfrage, von vielen weiteren Faktoren, wie dem Angebot und den Preisen anderer Güter, beeinflusst. Möchte man nun beispielsweise herausfinden, welche Faktoren in welcher Art und Weise auf die Bildung des Gleichgewichtspreises Einfluss nehmen, so darf immer nur ein Faktor pro Experiment verändert werden. Dies entspricht den Ceteris-paribus-Bedingungen, da hier alle Faktoren – außer dem zu überprüfenden Faktor – gleich bleiben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: ceteris paribus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Ceteris-paribus-Klausel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willi Hager: Die Fallibilität empirischer Daten und die Notwendigkeit der Kontrolle der Wahrscheinlichkeiten falscher Entscheidungen. In: Zeitschrift für Psychologie, 214 (1), 2006, S. 12. doi:10.1026/0044-3409.214.1.10