Oberbayerisches Volksblatt

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Oberbayerisches Volksblatt
Oberbayersiches Volksblatt
Beschreibung Abonnement-Tageszeitung
Verlag Oberbayerisches Volksblatt GmbH & Co.
Medienhaus KG, Rosenheim
Erstausgabe 26. Oktober 1945

(Vorläuferzeitung Rosenheimer Anzeiger:
1. Januar 1855)

Erscheinungsweise montags bis samstags
Verkaufte Auflage
(IVW 1/2014, Mo–Sa)
65.739 Exemplare
Reichweite (IVW Q1/2008) 0,274 Mio. Leser
Chefredakteur Willi Börsch
Geschäftsführer Oliver Döser, Norbert Lauinger
Weblink www.ovb-online.net;

Das Oberbayerische Volksblatt (OVB) ist eine regionale Tageszeitung. Sie ist die Hauptausgabe der sogenannten OVB-Heimatzeitungen, zu denen auch die Zeitungstitel Chiemgau-Zeitung, Mangfall-Bote, Wasserburger Zeitung, Mühldorfer Anzeiger, Waldkraiburger Nachrichten und Neumarkter Anzeiger gehören. Das Verbreitungsgebiet der OVB-Heimatzeitungen umfasst Stadt und Landkreis Rosenheim, den Landkreis Mühldorf sowie den westlichen Landkreis Traunstein. Die verbreitete Auflage der OVB-Heimatzeitungen beträgt 70.222 Exemplare. Damit erreichen sie werktäglich rund 242.000 Leser.

Herausgeber der OVB-Heimatzeitungen ist die Oberbayerisches Volksblatt GmbH & Co Medienhaus KG mit Sitz in Rosenheim.

Der Mantelteil der OVB-Heimatzeitungen entsteht in Zusammenarbeit mit dem Münchner Merkur, an dem die Rosenheimer Verlegerfamilie Döser maßgeblich beteiligt ist. Geschäftsführer sind Oliver Döser und Norbert Lauinger.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die amerikanische Besatzungsmacht in Bayern anstelle der bis 1945 vorherrschenden kleinteiligen Presselandschaft mit zahlreichen Lokalzeitungen eine überschaubare Zahl mittelgroßer Regionalzeitungen mit höherer Auflage aufbauen. In Oberbayern wurden von den Amerikanern nur in München, Ingolstadt, Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und Bad Reichenhall neue Zeitungen lizenziert. Die Lizenz für eine neue Zeitung in Rosenheim erhielten Leonhard Lang und Ernst Haenisch. Am 8. Oktober 1945 wurde die neue Rosenheimer Zeitung mit dem Titel Oberbayerisches Volksblatt von der amerikanischen Militärregierung in München genehmigt. Die Lizenz bezog sich auf die Stadt Rosenheim und die damaligen Landkreise Rosenheim, Bad Aibling, Wasserburg und Mühldorf. Das Oberbayerische Volksblatt, genehmigt mit der „Lizenz Nr. 6“, war die sechste neue Zeitung in Bayern. Die erste Ausgabe erschien am 26. Oktober 1945.

Die Titelseite der 1. Ausgabe des Oberbayerischen Volksblatts vom 26. Oktober 1945 (Ausschnitt)

Redaktion und Verlag der neuen Zeitung hatten ihren Sitz im Verlagsgebäude an der Prinzregentenstraße, in dem bis Mai 1945 der traditionsreiche Rosenheimer Anzeiger produziert worden war.

Diese traditionsreiche Tageszeitung hatte der Münchner Buchdrucker Erasmus Huber 1854 in Wasserburg als Rosenheimer Wochenblatt gegründet. 1860 verlegte er den Verlagssitz nach Rosenheim, wo er die Zeitung drei Jahre später in Rosenheimer Anzeiger umbenannte. 1868 verkaufte Huber das Unternehmen an Hieronymus Mühlberger und Ludwig Gaßner. 1871 gründeten katholisch-konservative Kreise als Konkurrenzblatt zum Rosenheimer Anzeiger das Rosenheimer Tagblatt Wendelstein, das sich erbitterte journalistische Gefechte mit seinem liberalen Kontrahenten lieferte. Im gleichen Jahr erwarb Michael Niedermayr aus Altenbeuern den Rosenheimer Anzeiger, der ab 1875 als Tageszeitung erschien. Nachfolger von Michael Niedermayr war sein Sohn Robert. 1935 trat auch dessen Sohn Franz in den Verlag ein. Der Rosenheimer Anzeiger war zu diesem Zeitpunkt schon „gleichgeschaltet“ und von der NSDAP auf Parteilinie gebracht worden. Die letzte Ausgabe des Rosenheimer Anzeigers erschien am 1. Mai 1945.

1949, vier Jahre nach Gründung des Oberbayerischen Volksblatts, stieg Franz Niedermayr als weiterer Gesellschafter und Geschäftsführer in den Verlag des OVB ein. Als im gleichen Jahr der Lizenzzwang für die Gründung von Zeitungen aufgehoben wurde, konnte sich das Oberbayerische Volksblatt erfolgreich gegen die Konkurrenz der nun wieder gegründeten Lokalblätter behaupten.

Das ehemalige Verlagshaus an der Prinzregentenstraße in Rosenheim in den 1950er Jahren

1951 stieg der Rosenheimer Wendelstein-Verlag mit einem Anteil beim Oberbayerischen Volksblatt ein. Die kleine Tageszeitung Rosenheimer Tagblatt Wendelstein wurde daraufhin eingestellt. 1952 stellte man die Jahrgangszählung des Oberbayerischen Volksblatts vom 8. auf den 98. Jahrgang um, um somit die Tradition der 1855 erstmals erschienenen Vorgängerzeitung Rosenheimer Anzeiger aufzunehmen. Nach dem Ausscheiden von Ernst Haenisch und dem Tod von Leonhard Lang wurde schließlich 1967 der Münchner Merkur" mit 33 Prozent Gesellschafter beim Oberbayerischen Volksblatt. Seitdem übernimmt das OVB Teile des Mantels vom Münchner Merkur.

1972 konnte der Verlag des Oberbayerischen Volksblatts eine neue Druckerei in der Aisingerwies am Rosenheimer Stadtrand eröffnen. 1979 zog sich Franz Niedermayr altersbedingt nach 30 Jahren von der Verlagsleitung zurück, wodurch Alfons Döser, seit 1968 neben Niedermayr in der Geschäftsführung tätig, alleiniger Geschäftsführer und Verleger der Zeitung wurde. 1982 – 15 Jahre nach dem Einstieg des Münchner Merkurs in den OVB-Verlag – gelang es dem Rosenheimer Zeitungsverlag im Gegenzug selbst Teilhaber am Münchner Merkur und der Boulevardzeitung tz zu werden. 1990 konnte schließlich unweit des bisherigen Verlagsgebäudes ein neues Verlagshaus an der Hafnerstraße bezogen werden. 1997 startete der Internet-Auftritt OVB online. Verleger Alfons Döser zog sich 2003 aus der Verlagsleitung zurück; seitdem sind Oliver Döser und Norbert Lauinger Geschäftsführer des Medienunternehmens. 2004 feierte der Verlag den 150. Zeitungsjahrgang des OVB und seiner Vorläuferzeitung Rosenheimer Anzeiger.

2007 führten die OVB-Heimatzeitungen einen umfassenden gestalterischen Relaunch durch. 2009 starteten die Internet-Portale von ovb24. Rund 20 Millionen Euro investierte der Verlag 2013 in ein neues Druckzentrum.

Verbreitungsgebiet der OVB-Heimatzeitungen[Bearbeiten]

Das Oberbayerische Volksblatt mit seinen Lokalausgaben hat in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets Alleinstellung.[1] Nur im Osten des Verbreitungsgebiets deckt sich die Abdeckung des OVB nicht mit den Landkreisgrenzen. Östlich von Mühldorf sowie im westlichen Landkreis Traunstein überschneiden sich das Verbreitungsgebiete des OVB mit dem der Passauer Neuen Presse (PNP), des Traunsteiner Tagblatts und des Trostberger Tagblatts.

Neben der Hauptausgabe Oberbayerisches Volksblatt für Rosenheim, die angrenzenden Gemeinden und das Inntal gibt es nachfolgende Lokalausgaben:

  • Mangfall-Bote im Altlandkreis Bad Aibling (westlicher Landkreis Rosenheim) mit Redaktionen in Bad Aibling und Kolbermoor
  • Chiemgau-Zeitung im Raum Prien und rund um den Chiemsee (östlicher Landkreis Rosenheim, westlicher Landkreis Traunstein)
  • Wasserburger Zeitung im Altlandkreis Wasserburg (nördlicher Landkreis Rosenheim, Teile der Landkreise Mühldorf und Traunstein)
  • Mühldorfer Anzeiger im Landkreis Mühldorf
  • Waldkraiburger Nachrichten im Landkreis Mühldorf
  • Neumarkter Anzeiger

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2009 erhielt das Oberbayerische Volksblatt den renommierten Ferag-Leser-Blatt-Bindungspreis. Dieser Journalistenpreis wird seit 2007 jährlich vom „Verband Deutscher Lokalzeitungen" vergeben. Dabei wurde die OVB-Zeitungsserie „Was mich freut – was mich ärgert“ mit dem ersten Preis in der Kategorie „Redaktion“ ausgezeichnet.

Weitere Auszeichnungen:

  • 1993: Publizistik-Preis der bayerischen Bezirke
  • 2000: Publizistik-Preis der bayerischen Bezirke/Sonderpreis
  • 2003: Ehrenpreis des „Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte“
  • 2010: Caritas-Medienpreis/Print

Auftritt im Internet[Bearbeiten]

  • ovb online.
  • rosenheim24, chiemgau24, wasserburg24, innsalzach24, bgland24.
  • rosenheimIMMO, chiemgauIMMO, innsalzachIMMO, bglandIMMO.
  • rosenheimJOBS, chiemgauJOBS, innsalzachJOBS, bglandJOBS.

OVB-Spendenaktionen[Bearbeiten]

Seit 1990 führen die OVB-Heimatzeitungen alljährlich mit großem Erfolg eine Weihnachtsspendenaktion durch. Die Leser spendeten bis 2012 rund 9,2 Millionen Euro für soziale Einrichtungen und Menschen in Not. Über 1,5 Millionen Euro brachte eine Spendenaktion der Zeitungsgruppe zu Gunsten der Opfer des Jahrhunderthochwassers 2013 ein.

Zeitungen in der Schule[Bearbeiten]

Seit 1994 bieten die OVB-Heimatzeitungen zusammen mit dem IZOP-Institut Schulprojekte an. Insgesamt nahmen bis heute über 20 000 Schülerinnen und Schüler an den jeweils dreimonatigen Aktionen Zeitung in der Schule und Zeitung in der Grundschule teil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kaiser, Christine: Rosenheim 1945 bis 1947. In: Das bayerische Inn-Oberland, 53. Jg., 1996, S. 5-83
  • Kapfinger, Hans: Die neue bayerische Presse. München, 1948
  • Olzog, Günter: Münchner Medien-Handbuch, Verlagsgruppe Bertelsmann, München, 1990
  • Stalla, Gerhard: Biographisches Lexikon – Personen aus Geschichte und Gegenwart. In: Hans Heyn (Hg.): Rosenheim – Stadt und Land am Inn. Rosenheim, 1985, S. 136-144
  • Starkulla, Heinz/ von Holstein, Helmuth/ Riederle, Philipp: 50 Jahre Verband bayerischer Zeitungsverleger 1913-1963, München 1963
  • Wagner, Hans/ Koch, Ursula/ Schmidt-Fischbach, Patricia: Enzyklopädie der bayerischen Tagespresse, Verlagsgruppe Jehle-Rehm, München 1990

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. laut IVW, erstes Quartal 2013, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)