Münchner Merkur

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Münchner Merkur
Münchner Merkur
Beschreibung Abonnement-Tageszeitung
Verlag Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co. KG
Erstausgabe 13. November 1946
Erscheinungsweise Montag bis Samstag
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2016, Mo–Sa)
182.121 Exemplare
Chefredakteur z. Zeit unbesetzt
Herausgeber Dirk Ippen, Alfons Döser
Weblink www.merkur.de
ZDB 1262065-8

Der Münchner Merkur ist eine bayerische Abonnement-Zeitung mit Sitz in München und gehört zur Mediengruppe Münchner Merkur/tz. Die verkaufte Auflage beträgt 182.121 Exemplare, ein Minus von 12,1 Prozent seit 1998.[1] Zusammen mit dem Oberbayerischen Volksblatt, das den Mantelteil übernimmt, sind es 242.741 Exemplare.[2] Die politische Grundhaltung des Blattes ist konservativ[3].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitungskopf des Merkur bis ca. 1990er Jahre

Der Merkur war nach der Süddeutschen Zeitung die zweite zugelassene Zeitung in München. 1968 wurde als Ableger die Boulevardzeitung tz auf den Markt gebracht.

Die erste Ausgabe der ursprünglich Münchner Mittag genannten Zeitung erschien am 13. November 1946 mit einer Lizenz der Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone.[4][5] Einer der Mitbegründer und -herausgeber sowie Chefredakteur der ersten Stunde war Felix Buttersack, der über Jahrzehnte hinweg ein Faktotum der Münchner Medienlandschaft war.

Buttersack alimentierte zwischen 1952 und 1957 den seinerzeitigen CSU-Bundesminister und späteren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mit monatlich 250,- DM. Dieser sollte „beraten, er sollte Kontaktmann sein, außerdem Anreger, Ideenbringer usw. Gelegentlich hat er auch eigene Artikel gebracht, das war aber keineswegs Hauptzweck seiner Tätigkeit, ganz im Gegenteil.“ „Die Zusammenarbeit mit dem Kläger war ein Akt der Dankbarkeit, das soll heißen, es war ein Akt freundschaftlicher Zusammenarbeit.“ Dies wurde im Rahmen eines Prozesses, den Strauß 1965 vor dem Landgericht München gegen den seinerzeitigen Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein führte, bekannt.[6]

Wolfgang Huck, als Erbe seines Vaters August Huck der Leiter des Verlagskonzerns der Familie, nahm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Druckerei des Münchner Zeitungsverlags (Münchner Zeitung) wieder in Betrieb; 1953 fusionierte seine Firma mit dem Verlag des Münchner Merkur und übernahm die Führung des Unternehmens.[7]

Hauptgesellschafter des Münchner Zeitungsverlags war dann, wie schon vor dem Krieg bei der Münchner Zeitung, die Verlegerfamilie Huck, vertreten nach dem Tod von Wolfgang Huck (22. Januar 1967) durch Herausgeber Andreas Huck mit 50 % der Anteile, vor Mitherausgeber Dr. Felix Buttersack mit 37,5 % und Mitherausgeber Ludwig Vogl mit 12,5 %, so der Stand im Jahre 1974.[8] Konzerngründer August Huck hatte 1905 auch die Württemberger Zeitung gegründet.[9] Davon ist noch ein Rest in der Familie, in Form eines Anteils unter den "sonstigen Personen" an der Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH)[10] verblieben; heute (2016) hält eine Sylvie Huck einen kleinen Anteil von 0,52 %.[11]

Im August 1976 vereinbarten die drei Gesellschafter des Verlags mit dem Springer Konzern, diesen mit einem Anteil von 24,9 % als Mitgesellschafter aufzunehmen. Diesen Anteil verkaufte Felix Buttersack aus seinem Anteil von 37,5 %, wofür Buttersack 13,4 % aus dem Bestand der Familie Huck übernahm, und mit rund 26 % des Kapitals immer noch zweitgrößter Gesellschaft blieb.[12] Nach der Transaktion hielten dann Andreas Huck 29,16 %, Buttersack 26,4 %, Springer 24,99 %, Ludwig Vogl 12,5 % und Harald Huck 6,95 %.[13] Neues Kapital hatte diese Verschiebung der Anteile nicht eingebracht. Die Operation wurde 1982 vom Bundeskartellamt untersagt, so daß Springer sich wieder aus dem Verlag zurückziehen mußte.[14]

Dafür beteiligte sich 1982 der Verleger Dirk Ippen an der Münchner Zeitungsgruppe mit den Zeitungen Münchner Merkur und tz, der durch seine Beteiligungsgesellschaften Westfälischer Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (u.a. Verlag des Westfälischen Anzeigers) und F. Wolff & Sohn KG (u.a. Verlag der Leine-Deister-Zeitung) und weitere Schachtelbeteiligungen die inzwischen in einzelne Verlage für den Münchner Merkur und die tz aufgeteilte Münchner Zeitungsgruppe vollständig kontrolliert.[15][16] Unter derselben Adresse wie der Münchner Merkur hat auch die Ippen Digital GmbH & Co KG ihren Sitz, die Zentralredaktion aller Webauftritte der Zeitungsgruppe Ippen.[17]

Die Leser der Zeitung stimmen seit 1996 jährlich über die Vergabe des Merkur-Theaterpreises ab.

Chefredakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Münchner Merkur hat wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 12,1 Prozent gesunken.[19] Sie beträgt gegenwärtig 182.121 Exemplare.[20] Das entspricht einem Rückgang von 25.061 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 87,2 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[21]


Strategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahren hat die Zeitung den Anteil von selbst recherchierten Berichten stark ausgebaut. Vor allem im politischen Bereich – beispielsweise bei der Hohlmeier-Affäre, den Turbulenzen innerhalb der CSU im Zuge der Pauli-Stoiber-Affäre sowie beim Sturz des Ministerpräsidenten Günther Beckstein – gab es einige investigative Leistungen der Redaktion.

Der Münchner Merkur leistete sich nach der Übernahme durch Ippen, die mit einer erheblichen Personalreduktion einherging, zwei Korrespondenten in der Bundeshauptstadt. Diese Journalisten waren auch für andere Blätter der Ippen-Zeitungsgruppe (z. B. Westfälischer Anzeiger) tätig; derzeit sind die Stellen vakant. Die bundespolitische Berichterstattung wird von der Politikredaktion in München aus mitbetreut.

Als Chefredakteur zeichnete von 2014 bis Februar 2015 Bettina Bäumlisberger verantwortlich. Unter ihrem Vorgänger Karl Schermann hatte die Redaktion einen umfassenden Relaunch des Blattes durchgeführt.

Lokalausgaben und Erscheinungsgebiet des Münchner Merkurs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Hauptverbreitungsgebiet sind München Landeshauptstadt, Rosenheim Stadt sowie die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, München, Rosenheim, Starnberg und Weilheim-Schongau (MA-2008). Entsprechend der unternehmerischen Strategie des Verlegers Dirk Ippen ist die Blickrichtung der Redaktionen stark auf lokale Ereignisse ausgerichtet. Deshalb sind die Lokalredaktionen personell stärker besetzt, während die Mantelressorts Politik, Sport und Wirtschaft eine Zeit lang überwiegend mit Texten aus Presseagenturen arbeiteten.

Ausgabe Verkaufte Auflage[22]
Dachauer Nachrichten 12.794
Ebersberger Zeitung 11.074
Erdinger Anzeiger / Dorfener Anzeiger 15.267
Freisinger Tagblatt 12.316
Fürstenfeldbrucker Tagblatt 15.627
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt / Murnauer Tagblatt 14.273
Isar-Loisachbote / Geretsrieder Merkur 7770
Tölzer Kurier 9401
Miesbacher Merkur / Holzkirchner Merkur / Tegernseer Zeitung 15.841
Starnberger Merkur 9293
Münchner Merkur – Zeitung für das Würmtal
Münchner Merkur – Südlicher Landkreis München (ausgenommen Würmtal)
Münchner Merkur – Nördlicher Landkreis München
13.782
Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur
Schongauer Nachrichten
11.413

Münchner Merkur und Oberbayerisches Volksblatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eng verbunden ist der Münchner Merkur mit dem Oberbayerischen Volksblatt (OVB) in Rosenheim, das den Mantel vom Merkur übernimmt. Häufig wird das OVB deshalb ebenfalls zu den Lokalausgaben des Merkurs gezählt; das ist insofern nicht richtig, da zwischen dem OVB und dem Merkur kein redaktioneller und technischer Verbund besteht wie zwischen den einzelnen Lokalausgaben des Merkurs. Das OVB wiederum besitzt eigene Lokalausgaben im Raum rund um den Chiemsee.

Diese sind:

  • Oberbayerisches Volksblatt
  • Mangfall-Bote
  • Chiemgau-Zeitung
  • Wasserburger Zeitung
  • Mühldorfer Anzeiger
  • Waldkraiburger Nachrichten
  • Neumarkter Anzeiger

Verbreitung von Tageszeitungen in München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationale Reichweite der in München erscheinenden Tageszeitungen
Medium 2005 2009 2013
Süddeutsche Zeitung 1.161.000 1.160.000 1.431.000
tz 298.000 335.000 256.000
Abendzeitung 280.000 233.000 210.000
Bild München 406.000 379.000 331.000
Münchner Merkur 703.000 722.000 723.000
Leser-Reichweiten in Deutschland laut Media-Analyse Pressemedien 2005, 2009 und 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  2. laut IVW, drittes Quartal 2016, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  3. https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/M%C3%BCnchner_Merkur
  4. Datei (Memento vom 9. Juli 2012 im Webarchiv archive.is) der International Coalition on Newspapers
  5. Bildarchiv Wiederaufbau nach 1945 in Pressebildern, Haus der Bayerischen Geschichte
  6. DOKUMENTATION - PROTOKOLL - aufgenommen in öffentlicher Sitzung der 18. Zivilkammer des Landgerichts München I - München, den 9. März 1965 In Sachen Dr. h. c. FRANZ JOSEF STRAUSS Klagepartei, gegen AUGSTEIN, RUDOLF beklagte Partei, wegen Widerrufs und Schadenersatzes. In: Der Spiegel, SpiegelNet GmbH, 31. März 1965. Abgerufen am 2 May 2016. 
  7. Huck, Wolfgang (1889-1967). In: Deutsche Biographische Enzyklopädie, 5: Hesselbach - Kofler. K. G. Saur - dtv (Deutscher Taschenbuch-Verlag), 2001, ISBN 3-432-59053-x.
  8. Günther Kress: 1. Den leibhaftigen Teufel .... In: Kress Report, 16. Mai 1974, S. 3.  „Die Gesellschafterverhältnisse in der Münchner Zeitungsverlag KG: 50 % Familie Huck, vertreten durch Herausgeber Andreas Huck; 37,5 % Mitherausgeber Dr. Felix Buttersack; 12,5 % Mitherausgeber Dr. Vogl.“ 
  9. Huck, August (1849-1911). In: Deutsche Biographische Enzyklopädie, 5: Hesselbach - Kofler. K. G. Saur - dtv (Deutscher Taschenbuch-Verlag), 2001, ISBN 3-432-59053-x.
  10. Günther Kress: Geradezu unschwäbische Dimensionen. In: Kress Report, 4. April 1974, S. 2.  „[Gesellschafter der SWMH] 12,86 % elf "sonstige Personen", im wesentlichen Angehörige der Verlegerfamilie Huck ("Münchner Merkur")“ 
  11. Mediendatenbank - Sylvie Huck. In: kek-online.de. 2016 [last update]. Abgerufen am 2 May 2016.
  12. Günther Kress: Eine Stützungsaktion unter Konservativen. In: Kress Report extra, 24. August 1976. 
  13. Günther Kress: Die Platte hat eine Macke. In: Kress Report, 2. September 1976, S. 2. 
  14. Buttersack, Felix (1900-1986). In: Deutsche Biographische Enzyklopädie, 2: Bohacz - Ebhardt. K. G. Saur - dtv (Deutscher Taschenbuch-Verlag), 2001, ISBN 3-432-59053-x.
  15. Mediendatenbank - Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co. KG. In: kek-online.de. 2016 [last update]. Abgerufen am 2 May 2016.
  16. Mediendatenbank - Zeitungsverlag tz München GmbH & Co. KG. In: kek-online.de. 2016 [last update]. Abgerufen am 2 May 2016.
  17. Mediendatenbank - Ippen Digital GmbH & Co KG. In: kek-online.de. 2016 [last update]. Abgerufen am 2 May 2016.
  18. Bettina Bäumlisberger wird Chefin des "Münchner Merkur". In: Spiegel Online. 8. Oktober 2013, abgerufen am 4. Dezember 2014.
  19. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  20. laut IVW, drittes Quartal 2016, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  21. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  22. IVW 3/2016, Mo–Sa (Details auf ivw.eu)