Chlorpropham

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Strukturformel
Strukturformel von Chlorpropham
Allgemeines
Name Chlorpropham
Andere Namen
  • Isopropyl-(3-chlorphenyl)carbamat
  • Isopropyl-3-chlorcarbanilat
  • (3-Chlorphenyl)carbaminsäure-1-methylethylester
Summenformel C10H12ClNO2
CAS-Nummer 101-21-3
Kurzbeschreibung

brennbarer, farb- und geruchloser Feststoff (technisch: gelbe Flüssigkeit)[1]

Eigenschaften
Molare Masse 213,66 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,29 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

41,4 °C[1]

Siedepunkt

149 °C (2,7 hPa) mit Zersetzung [1]

Dampfdruck

1,3 hPa (112 °C)

Löslichkeit

sehr schlecht in Wasser (110 mg·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP)[2], ggf. erweitert[1]
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 351​‐​373​‐​302​‐​411
P: 273​‐​301+312​‐​330​‐​391​‐​501 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 40​‐​48/22​‐​51/53
S: (2)​‐​36/37​‐​61
Toxikologische Daten

5000–7000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[5]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Chlorpropham ist ein Herbizid und der in Deutschland am häufigsten eingesetzte Wachstumsregulator (Keimhemmer) aus der Gruppe der Carbamate.

Wirkungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachstumsregler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlorpropham ist ein im Rahmen der Rückstandshöchstmengenverordnung in Deutschland zugelassener Keimungshemmer für die Behandlung von Kartoffeln zum Zwecke der Haltbarmachung nach der Ernte.[6] Es besteht Kennzeichnungspflicht, der Stoff muss aber nicht namentlich genannt werden. Siehe untenstehende Hinweise zur Lebensmittelsicherheit und zum Verbraucherschutz. Chlorprophamhaltige Präparate sind als Keimhemmer für Kartoffeln in vielen Staaten der EU, so auch in Deutschland und Österreich, sowie in der Schweiz zugelassen.[7]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlorpropham ist für den Menschen gesundheitsschädlich und möglicherweise krebserzeugend.[8]

  • Symptome: Irritationen der Haut, Augen und der Atmungsorgane.[9]
  • Beobachtete Nebenwirkungen: Depressionen, Anfälle, Bewegungsstörungen, Nervenschäden, Verdauungsstörungen mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.[9]

Umweltwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amphibien und Würmer: Moderat giftig
  • Fische und Zooplankton: Schwach giftig

Chlorpropham wird in Wasser nur langsam abgebaut. Bei pH 4, 7 und 9 sowie bei 40 °C, war 90 % des Stoffes in einer Lösung nach 32 Tagen bei Dunkelheit noch vorhanden.[5][9]

Land[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlorpropham wird im Erdboden nur mit moderater Geschwindigkeit abgebaut. Es wurden Halbwertszeiten von 65 Tagen bei 15 °C und 30 Tagen bei 29 °C beobachtet. Chlorpropham besitzt ein gewisses Potential, das Grundwasser zu kontaminieren, weil es wasserlöslich ist und nur schlecht von Erdpartikeln absorbiert wird. Auf der anderen Seite wird Chlorpropham stark von organischer Materie absorbiert, so dass es unwahrscheinlich ist, dass der Stoff Erdboden mit hohem Anteil organischer Materie durchdringen kann.[5]

Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umweltschutzagentur der US-Regierung (EPA) nennt eine empfohlene Höchstmenge als Tagesdosis (Reference Dose for Chronic Oral Exposure, RfD) von 0,2 mg/kg Körpergewicht (2007).[10]

Folgende Rückstandshöchstmengen sind in Deutschland zugelassen:

Rückstandshöchstmengen für Chlorpropham[11] mg/kg
Kultur festgesetzt
Ölsaaten 0,1
Tee (Camellia sinensis) 0,1
Hopfen 0,1
Getreide 0,02
andere pflanzliche Lebensmittel ausgenommen Kartoffeln 0,05
Kartoffeln 10

Chlorpropham (CIPC) darf bei konventionell angebauten Kartoffeln als Keimhemmungsmittel eingesetzt werden. In dem Fall muss ein Hinweis „Nach der Ernte behandelt“, entweder auf der Verpackung oder bei loser Ware beim Preisschild angebracht sein. Der zulässige Rückstandshöchstwert bei Kartoffeln ist 500 mal höher als bei Getreide. Da der Wirkstoff auch in das Innere der Kartoffeln dringt, ist er auch in geschälten und in frittierten Kartoffelprodukten nachweisbar.[12] Entgegen landläufiger Meinung reicht es folglich nicht aus, behandelte Kartoffeln zu waschen oder zu schälen, um die Substanz zu entfernen. Bio-Kartoffeln (kbA) dürfen nicht mit Chlorpropham behandelt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlorpropham wurde 1962 in den USA zum ersten Mal registriert und 1987 eine Studie über die Substanz veröffentlicht. In der EU folgte die Registrierung im Oktober 1996.[13]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlorpropham zersetzt sich langsam im alkalischen oder sauren Medien und ist chemisch instabil bei erhöhter Temperatur. Die Wirkung bei Pflanzen beruht auf der Zerstörung der Teilungsspindel als Mitosehemmer.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Eintrag zu Chlorpropham in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. Eintrag zu Chlorpropham im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  3. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  4. Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 101-21-3 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  5. a b c extoxnet.orst.edu, besucht 1. Oktober 2007.
  6. RHmV (Rückstandshöchstmengen-Verordnung) §3a.
  7. Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Chlorpropham in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag in den nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands; abgerufen am 13. März 2016.
  8. 30. Anpassungsrichtlinie 2008/58/EG
  9. a b c pesticideinfo.org, besucht 1. Oktober 2007.
  10. US EPA: Integrated Risk Information System (IRIS), besucht 1. Oktober 2007.
  11. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), besucht 1. Oktober 2007.
  12. Kantonales Labor Zürich 22. Juli 2005 (Memento vom 24. Juni 2007 im Internet Archive), besucht 1. Oktober 2007.
  13. Chlorpropham (englisch) (PDF; 168 kB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]