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Christian Muthspiel

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Christian Muthspiel (2006)

Christian Muthspiel (* 20. September 1962 in Judenburg, Steiermark) ist ein österreichischer Jazzmusiker, Komponist, Dirigent, Posaunist und Pianist. Er ist sowohl im Bereich des Jazz und der improvisierten Musik als auch im Kontext der komponierten, klassischen und Neuen Musik international tätig.

Muthspiel ist der Bruder des Jazzmusikers Wolfgang Muthspiel und Sohn des Komponisten und Chorerziehers Kurt Muthspiel. Er erhielt schon ab sechs Jahren Klavierunterricht, mit elf Jahren dann auch Posaunenunterricht. Er studierte an der Musikhochschule Graz Posaune, sowohl für Klassik als auch Jazz, schloss dieses Studium aber nicht ab. In den Jahren 1987 bis 1988 erhielt er ein Stipendium am Banff Centre in Banff, Kanada in den Fächern Klavier, Posaune und Komposition.

Mit Tscho Theissing und Heinrich von Kalnein gründete er das Orchesterforum Graz, das 1985 im Crossover-Bereich hervortrat und das Album „Aus dem Tagebuch der Grenzgänger“ einspielte. Daneben spielte er mit Theissing, Alex Deutsch und Ewald Oberleitner in der Gruppe Fidelio & Blasius. Es folgen zahlreiche Auftritte auf Jazzfestivals in Europa und Amerika.

Seit 2003 ist Muthspiel vornehmlich als Komponist und Dirigent aktiv, unter anderem mit einem eigenen Zyklus sehr speziell programmierter Konzerte mit der „Camerata Salzburg“ und dem „Münchener Kammerorchester“. Teil dieses Zyklus ist das vierteilige Orchester-Projekt „mozart loops“ in der Philharmonie Essen und in Salzburg, welches Klassiker der Moderne auf Popsongs treffen lässt. Weiters dirigierte er das Klangforum Wien, das Bruckner Orchester Linz, das Staatsorchester Hannover, das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, das Orchester recreation, das Ensemble die reihe u. a.

Muthspiel war sowohl in der improvisierten Musik als auch in der komponierten Musik aktiv und versuchte, diese beiden Welten zu verbinden. Er trat dabei ebenso als Pianist und Posaunist wie als Komponist und Dirigent in Erscheinung. 2019 gab er sein letztes Konzert als ausführender Musiker und konzentriert sich seitdem auf die anderen Tätigkeiten. 2025 ist er auf Abschiedstournee mit seinem Orjazztra Vienna.[1]

Muthspiel war neben zahlreichen Soloauftritten unter anderem in folgenden Formationen zu hören:

Muthspiels Trio mit dem französischen Vibraphon-Virtuosen Franck Tortiller und dem Wiener Bassisten Georg Breinschmid wurde ab 2005 zu Muthspiels Hauptformation im Bereich des Jazz und produzierte 2006 die CD „Against the Wind“, die die Musik der österreichischen Jazzmusiker Werner Pirchner und Harry Pepl zum Inhalt hat.

Muthspiels Werkliste umfasst u. a. ein Klavier-, ein Violin- und ein Posaunenkonzert, ein Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester, multimediale Werke (z. B. Linzer Klangwolke 2002 oder "Stodt aus Staa" für Ostbahn Kurti und das Klangforum Wien), Kammermusik, Schauspielmusiken und Chorwerke.

Das Konzert für Posaune und großes Orchester „ENNAHH…(an Albert Mangelsdorff)“, beauftragt von ORF und Philharmonie Essen, wurde 2006 vom Radio-Symphonieorchester Wien und Christian Muthspiel als Solist im Wiener Musikverein und Linzer Brucknerhaus aufgeführt, weitere Aufführungen in Deutschland 2007.

Die oftmals gespielte Ernst-Jandl-Soloperformance „für und mit ernst“ sowie gemeinsame Projekte mit Hermann Beil und Manfred Karge (Auftrag für das Musiktheater „Die Schicksalsperücke“ des Wiener Mozartjahres 2006) belegen Muthspiels Beschäftigung mit Literatur und der Verbindung von Wort und Musik. Dem dichterischen Werk Jandls widmet sich auch das Programm „vom Jandln zum Ernst“, das 2025 auf Doppel-CD von seinem großformatigen Orjazztra Vienna eingespielt wurde.[2] Mit diesem Ensemble erhielt er 2025 den Österreichischen Jazzpreis in der Kategorie „bester Live Act“.[3]

Zum 50. Geburtstag des Radiosenders Ö1 im Jahr 2017 wurde Muthspiel eingeladen, rund hundert Sendungskennungen neu zu gestalten, eingespielt wurden diese vom Radio-Symphonieorchester Wien.[4][5]

Kompositionsaufträge (Auswahl)
  • Gewandhausorchester Leipzig (Weill/Muthspiel: Mahagonny Dances)
  • Stuttgarter Kammerorchester & Schlossfestspiele Ludwigsburg (Cellokonzert)
  • ARD (Pflichtstück für Posaune solo ARD Wettbewerb)
  • Wiener Musikverein (Duowerk für A. Kirchschlager/G. Capuçon; Chorwerk 150. Jubiläum „Wiener Singverein“)
  • Staatsoper Hannover (Konzert für E-Gitarre und Orchester für Wolfgang Muthspiel)
  • Siemens Arts Program (Liederzyklus für A. Kirchschlager nach Texten von Marcel Beyer)
  • NDR („A Fleeting Memory“ für Håkan Hardenberger und Bigband)
  • Wiener Mozartjahr 2006 („Die Schicksalsperücke“, Musiktheater, Text: Manfred Karge)
  • ORF und Philharmonie Essen („ENNAHH...an Albert Mangelsdorff“, Posaunenkonzert)
  • Steirischer Herbst („Die Geschichte von der unbekannten Insel“, Musiktheater)
  • Brucknerhaus Linz (Linzer Klangwolke 2002)
  • Benjamin Schmid („Eine Art Requiem“ für Violine, Cello und Orchester & Violinkonzert)
  • Jeunesse Österreich („Stodt aus Staa“ für Kurt Ostbahn und Klangforum Wien)
  • Int. Stiftung Mozarteum (Klavierkonzert)
  • Tiroler Landestheater Innsbruck (Kammeroper „Genesis: Zeiten/Pätze...“)

Preise und Auszeichnungen

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  • 1996: Anerkennungspreis für Musik des Landes Niederösterreich
  • 2003: Josef Krainer Kulturpreis des Landes Steiermark (im Duo mit Wolfgang Muthspiel)
  • 2006: Österreichischer Würdigungspreis für Musik
  • 2006: Würdigungspreis für Musik des Landes Niederösterreich
  • 2006: Jazzpott / Essen (im Duo mit Wolfgang Muthspiel)
  • 2007: Hans-Koller-Preis: Musician of the Year
  • 2024: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien
  • 2025: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst

Diskografie (Auswahl)

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  • Duo Due Schneetanz (Extraplatte 1986, mit Wolfgang Muthspiel)
  • Roland Dahinden / Christian Muthspiel: Trombone Performance (Amadeo 1989)
  • Octet Ost (Amadeo/Universal 1992)
  • Muthspiel Peacock Muthspiel Motian (Amadeo/Universal 1993)
  • Octet Ost II (Amadeo/Universal 1994)
  • Christian Muthspiel & Motley Mothertongue: Play Parts of a Shattered Love Story (Live) (Lotus Records 1999)
  • Harmonices Mundi: Linzer Klangwolke 2001 (blue danube/edel 2001)
  • Wolfgang Muthspiel & Christian Muthspiel Early Music (Material Records 2003)
  • Christian Muthspiel Trio: Against the Wind: The Music of Pirchner & Pepl (Emarcy/Universal 2007)
  • Christian Muthspiel, Ernst Jandl für und mit ernst (edge / Universal Music 2008)
  • Dancing Dowland (Emarcy/Universal Music 2009, mit Franck Tortiller, Georg Breinschmid)
  • Christian Muthspiel’s Yodel Group May (Material Records 2010)
  • Seaven Teares. Tribute to Downland (ACT 2013, mit Matthieu Michel, Franck Tortiller, Steve Swallow)
  • Christian Muthspiel, Steve Swallow: Simple Songs (In + Out Records 2014)
  • Diary 1989-2022 Selected Recordings (EmArcy 2022, Kompilation)[6]
  • Christian Muthspiel, Orjazztra Vienna Homecoming (EmArcy 2022)[7][6]
  • Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna: La Melodia della Strada (col legno 2023)
  • Christian Muthspiel, Orjazztra Vienna, Ernst Jandl: Vom Jandln zum Ernst (col legno 2025)[2]

Lexikalischer Eintrag

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Einzelnachweise

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  1. Martin Laurentius: Abschiedstournee: Christian Muthspiel. In: Jazz thing. 23. September 2025, abgerufen am 25. September 2025.
  2. a b Marcus A. Woelfle: Vom Jandln zum Ernst. In: Rondo. 30. August 2025, abgerufen am 25. September 2025.
  3. Österreichischer Jazzpreis an Kenji Herbert Trio und Christian Muthspiel. In: Der Standard. 27. Oktober 2025, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  4. orf.at: Christian Muthspiels Signations-Relaunch. Artikel vom 1. September 2017, abgerufen am 29. September 2017.
  5. orf.at: Making of der neuen Ö1 Signations, komponiert von Christian Muthspiel. Sendung vom 30. September 2017, abgerufen am 29. September 2017.
  6. a b Peter Füssl: Christian Muthspiel: Diary 1989 – 2022 & Christian Muthspiel Orjazztra Vienna: Homecoming. In: kulturzeitschrift.at. 29. September 2022, abgerufen am 1. Oktober 2022.
  7. Werner Stiefele: „Homecoming“ Christian Muthspiel, Orjazztra Vienna Emarcy Records. In: Rondo. 17. September 2022, abgerufen am 1. Oktober 2022.