Christoph Gottlieb von Murr

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Christoph Gottlieb von Murr, auch zitiert als Christopherus Theophilus de Murr (* 6. August 1733 in Nürnberg; † 8. April 1811 ebenda) war ein deutscher Jurist, Zollbeamter, Bibliograf und Universalgelehrter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Gottlieb von Murr studierte an der Universität Altdorf, unter anderem bei Johann Heumann von Teutschenbrunn, und wurde 1754 in den Rechtswissenschaften promoviert. Neben seinem Hauptfach Jura studierte der vielseitig interessierte Murr auch Philosophie, Mathematik, Archäologie und Geschichte. Nach seiner Promotion widmete er sich zunächst einer Geschichte der staufischen Kaiser, vor allem Friedrichs II. Auf seinen Studienreisen 1756–61 durch die Niederlande, England, Österreich und Italien knüpfte er Beziehungen zu zahlreichen Gelehrten, mit denen er zeit seines Lebens in reger Korrespondenz stand, und erwarb eine umfangreiche Kunst- und Autographensammlung. Bei einem Aufenthalt in Strassburg kam der Protestant Murr auch in Kontakt mit dem 1773 aufgehobenen Jesuitenorden, für den er sich fortan publizistisch verwenden sollte.[1]

Nach der Rückkehr von seinen Reisen wurde Murr Zoll- und Waagamtmann in Nürnberg. Daneben veröffentlichte er zahlreiche literatur-, kunst- und allgemeingeschichtliche Werke, insbesondere zur Nürnberger Kunst-, Handwerks- und Kulturgeschichte. Außerdem war er Herausgeber des Journals zur Kunstgeschichte und zur allgemeinen Literatur (1775–89) und des Neuen Journals zur Litteratur und Kunstgeschichte (1798–99). Seine 1790 erschienene Monographie zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges lag später Friedrich Schiller beim Verfassen seines Wallenstein vor. Murr war unter anderem Mitglied des königlichen historischen Instituts zu Göttingen, der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin sowie der königlich-bayerischen Akademie der Wissenschaften.[2][3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anmerkungen über Herrn Lessings Laokoon. 1769.
  • Bibliothèque de peinture, de sculpture et de gravure. 1770.
  • Briefe eines Protestanten über die Aufhebung des Jesuitenordens. 1773/74.
  • Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten in der Reichsstadt Nürnberg, in deren Bezirke und auf der Universität Altdorf. 1778/1802.
  • Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges: insonderheit des Zustandes der Reichsstadt Nürnberg während desselben: nebst Urkunden und Erläuterungen zur Geschichte des kaiserlichen generalissimus Albrecht Wallensteins, Herzog zu Friedland. 1790.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. 1984.
  2. Walther Killy (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Bd 7 1998.
  3. Ernst Mummenhoff: Murr, Christoph Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (1886; Auszug Online).