Chromebook

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Als Chromebooks werden mobile Computer bezeichnet, die als Betriebssystem die Linux-Distribution Google Chrome OS benutzen.

Chromebooks zeichnen sich dadurch aus, dass anders als bei einem klassischen Notebook Anwendungsprogramme zum überwiegenden Teil als Applikation im Chrome-Browser laufen. Daten und Einstellungen werden in der Regel nicht lokal, sondern in der Google-Cloud gespeichert und online zur Verfügung gestellt. Dadurch sind die Geräte schnell austauschbar: Mit der Anmeldung über ein persönliches Google-Konto auf einem anderen Gerät werden alle Daten und Einstellungen synchronisiert. Um ihren vollen Funktionsumfang auszuschöpfen, sind Chromebooks auf die Anbindung an die Google-Server über einen Internetzugang angewiesen. Ein weiteres wesentliches Merkmal von Chromebooks ist das schnelle Hochfahren, da Chrome OS im weitesten Sinn nur ein Browser ist.

Die ersten Chromebooks wurden ab Juni 2011 in den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland angeboten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chrome-Notebook Cr-48, experimenteller Vorläufer der Chromebooks

Die ersten Modelle der Chromebooks wurden von den asiatischen Unternehmen Samsung und Acer produziert und optional mit UMTS-Unterstützung angeboten. Das Chromebook von Samsung wurde mit einem 12,1"-Monitor und einer Auflösung von 1280 × 800 Bildpunkten ausgeliefert, das Acer-Chromebook mit einem 11,6"-Monitor. Beide Geräte verfügten über eine HD-fähige Webcam, sodass auch Videokonferenz-Dienste des US-amerikanischen Unternehmens Google genutzt werden konnten.

Heutige Modelle (Stand 2018) sind bis auf wenige High-End-Modelle mit eher leistungsschwächeren Bauteilen wie CPUs und Arbeitsspeicher ausgestattet, die Akkus häufig fest verbaut. Die lokalen Massenspeicher, häufig SSDs, sind weitaus kleiner ausgelegt als bei Notebooks ähnlicher Größe, weil größere Datenmengen zentral auf Servern gespeichert werden.

Für schnelles Booten wird Coreboot anstatt BIOS/UEFI verwendet.[1][2]

Neben den Notebooks werden seit 2012 auch Chrome OS-Geräte in Form von Desktop-Computern angeboten, die Chromebox genannt werden.[3]

Jedes Chromebook hat sowohl ein Trusted Platform Module als auch einen passenden Firmware-Chip.[4] Dieser Chip wird verwendet, um beim Bootvorgang zu überprüfen, ob die Read-Write-Firmware vom Unternehmen Google signiert wurde.[5]

Damit auf einem Chromebook auch ohne permanente Internetverbindung gearbeitet werden kann, hat Google für diese Art von Notebooks besondere „Offline“-Versionen seiner Software (z. B. Gmail) entwickelt.

Für den professionellen Einsatz sowie für Behörden und Bildungseinrichtungen werden Chromebooks als kombinierte Hardware und Software as a Service direkt von Google vertrieben.[6]

Vergleich mit herkömmlichen Notebooks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chromebooks versprachen bei ihrer Einführung eine Bootzeit von unter acht Sekunden einschließlich der Verbindung zum Internet. Die Akkus sollten eine Laufzeit von einem Tag bieten.[7] In der Praxis booten Geräte des Jahres 2018 in rund zehn Sekunden, die Akkulaufzeit liegt zwischen zehn und vierzehn Stunden.

Der größte Unterschied besteht im Betriebssystem Chrome OS, das als System auf den Webbrowser Chrome reduziert ist.[8] Anwendungen laufen als Webanwendung in Chrome, deswegen muss keine Software installiert werden. Updates für Betriebssystem und Browser werden automatisch über das Internet verteilt, Web-Apps anderer Anbieter als Google erfolgen auf deren Servern. Deshalb ist auch das Aktualisieren auf eine neue Version oder das Installieren von Sicherheitskorrekturen durch den Benutzer unnötig. Da auf den Chromebooks nur Webanwendungen zum Einsatz kommen, können trotz beschränkter Hardware auch aufwendige und rechenintensive Anwendungen wie das Schneiden von Videos durchgeführt werden, sofern ein geeigneter Webdienst das anbietet. Dafür müssen allerdings die Benutzerdaten, also zum Beispiel das Video, hochgeladen werden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datenschützer bemängeln, dass Chromebook-Nutzer nicht nur die Kontrolle über ihre Daten, sondern auch über die Programme verlieren. Bei einem Rückzug einer App und einem Sicherheitsleck seien sofort alle Nutzer betroffen. Außerdem werden in hohem Maße Nutzerdaten an Google übertragen. Dies ist auch bei von Google im Rahmen eines Service-Vertrages vertriebenen Geräten für Bildungseinrichtungen der Fall[9]. Ebenso können andere Betriebssysteme nicht ohne weiteres installiert werden, da der Bootvorgang der Geräte nicht modifiziert werden kann[10]. Eine Modifikation des Betriebssystems, um Linux auf dem Chromebook zu installieren, funktioniert über die Entwicklereinstellungen des Betriebssystems.[11] Dabei hilft die Tatsache, dass es sich bei Google Chrome OS um ein Gentoo-Linux-Derivat handelt.

Erfolg und Verkaufszahlen der Chromebooks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 2012 sah die Situation für Google und die Hersteller enttäuschend aus. Samsung und Acer verkauften weltweit deutlich weniger als 200.000 Chromebooks. Acer überlegte die Produktion von Chromebooks zu beenden, zuvorige Interessenten wie Asus und HTC wollten vorerst komplett auf das Betriebssystem verzichten.[12]

2013 konnte das Geschäft mit Chromebooks in den USA deutlich zulegen. Insbesondere konnten Chromebooks bei den Firmenkäufen einen Anteil am Gesamtmarkt von 10 % erreichen.[13] Im dritten Quartal 2014 überstiegen die Verkaufszahlen von Chromebooks an US-Bildungseinrichtungen mit 715.000 Stück erstmals diejenigen von iPads.[14] Im Januar 2015 kündigte Acer erstmals ein Chromebook mit einem 15,6 Zoll großen Full-HD-Display an.[15] 2016 verkündete Google, ChromeOS mit dem Google Play Store aufzuwerten. Mit einem Schlag standen Nutzern eines Chromebooks zehntausende Apps und ein Vielfaches von neuen Funktionen und Möglichkeiten zur Verfügung. So verwundert es auch nicht, dass ChromeOS seine Nutzerzahlen in den USA 2020 fast verdreifachte.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chromebooks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Chromebook – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Golem: Google unterstützt Coreboot für weiteres Chromebook
  2. Michael Larabel: Many FSF Priority Projects Still Not Progressing. Phoronix. 22. April 2012. Abgerufen am 29. Dezember 2014: „The success out of Coreboot recently is Google providing Sandy/Ivy Bridge support for Coreboot. Google's planning to begin shipping new Intel "Chromebooks" that will use Coreboot. Google likes Coreboot for the faster start-up time, among other benefits.
  3. Benjamin Weiss: Google zeigt kurz die Samsung Chromebox. 11. Mai 2011, abgerufen am 14. Mai 2011.
  4. Chromebook security: browsing more securely. Abgerufen am 5. August 2011.
  5. Firmware Verified Boot Crypto Specification. Abgerufen am 5. August 2011.
  6. Google Chromebooks - Kosten für Business & Education. Google.com, 1. August 2011, abgerufen am 31. Oktober 2011.
  7. Google macht nun Jagd auf Microsoft. Die Welt, 13. Mai 2011, abgerufen am 14. Mai 2011.
  8. Google verspricht Laptop ohne Kopfschmerzen. 12. Mai 2011, archiviert vom Original am 15. Mai 2011; abgerufen am 14. Mai 2011.
  9. Google Deceptively Tracks Students’ Internet Browsing, EFF Says in FTC Complaint
  10. Notebook à la Google. Die Zeit, S. 2, abgerufen am 14. Mai 2011.
  11. @1@2Vorlage:Toter Link/chromebookblog.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  12. Chromebooks: Acer unsicher, ASUS & HTC verzichten ganz. Abgerufen am 16. Oktober 2012.
  13. heise online: Chromebooks holen 2013 stark auf
  14. heise online: Chromebooks überholen iPads in US-Schulen
  15. heise online: Chromebook mit 15-Zoll-Display
  16. Besser als Windows? Die besten Chromebooks im Test. Abgerufen am 19. Februar 2021.