Cité Foch

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Avenue Charles de Gaulle in der Cité Foch (Zustand bis 2016)

Die Cité Foch ist ein Wohngebiet im Ortsteil Wittenau des Berliner Bezirks Reinickendorf. Die Siedlung entstand im Wesentlichen zwischen 1952 und 1976 als Wohngebiet für die französischen Streitkräfte in Berlin und ihre Angehörigen. Sie ist im Norden begrenzt durch den Packereigraben, westlich durch den Steinbergpark, südlich durch die Gleise der Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde und östlich durch die Jean-Jaurès-Straße und die Cyclopstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cité Foch (anfangs auch Cité Tucoulou) hatte sich mit der Zeit zur größten der vier Wohnsiedlungen im französischen Sektor entwickelt. Auf rund 47 Hektar (vgl. Vatikanstadt: 44 ha) befanden sich 785 Wohnungen (80 Gebäude), die höchste Bewohnerzahl erreichte die Siedlung 1991 mit 2600 Personen. Ursprünglich befand sich hier die Maschinenfabrik Cyclop, deren Lager im August 1945 von französischen Einheiten als Notbehelf bezogen und „Camp Foch“ (nach Ferdinand Foch, einem französischen Marschall im Ersten Weltkrieg) benannt wurde. Da sich auf dem Gelände auch militärische Einrichtungen befanden, war die Cité Foch nicht öffentlich zugänglich.

Lage der Cité Foch als Wittenauer Ortslage

Nach der deutschen Wiedervereinigung fiel das Grundstück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). An der Rue Montesquieu nutzte der Bundesnachrichtendienst nach dem Abzug der Franzosen noch für eine Weile den Antennenmast und ein Verwaltungsgebäude.

Anfang der 2000er Jahre drohte die Cité Foch zu einer Geisterstadt zu werden. Die Wohnungen konnten nur schwer vermietet werden: Einerseits waren sie für deutsche Gewohnheiten ungewöhnlich geschnitten (bsw. separate Toiletten, dafür keine Toilette im Badezimmer oder große Salons als Kombination von Wohn- und Esszimmer, gerade in „Offizierswohnungen“), andererseits angesichts des Mietzinses für die angestrebte Nutzung zu groß. Eine Vier-Zimmer-Wohnung für eine Familie, die in den nicht weit entfernten Arealen am Zabel-Krüger-Damm bzw. an der Titiseestraße in Waidmannslust oder im Märkischen Viertel zwischen 90 und 100 m² umfasst, kann hier bis zu 130 m² umfassen. Es gab zudem Sanierungsbedarf und es wurden überwiegend nur befristete Mietverträge angeboten.

Erst nach einer Sanierung durch die BImA um 2000 besserte sich die Situation. Zwischen 2007 und 2010 konnte der Leerstand von 33 % auf 7 % gesenkt werden.[1][2]

Einrichtungen in der Cité Foch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

École maternelle Saint-Exupéry[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Place Molière 1 gelegene Vorschule, die die Kinder vor dem Besuch der École Victor Hugo besuchten, ist heute eine Filiale der Münchhausen-Grundschule.

École Victor Hugo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Place Molière 4 lag die mit Sporthalle, Sportplatz und Kantine (frz. Restaurant scolaire) ausgestattete Grundschule (französisch École élémentaire). Das Schulgelände beherbergt heute das 1994 gegründete Romain-Rolland-Gymnasium (frz. Lycée européen Romain-Rolland) mit französischem Schwerpunkt (AbiBac-Schule). Architektonisch bildet das Schulgelände mit dem der École Saint-Exupéry eine Einheit (frz. zusammen École primaire genannt).

Collège Voltaire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die an der Avenue Charles de Gaulle 33 gelegene Sekundarschule für Kinder französischer Militärangehöriger bis zu einem Alter von 15 Jahren zog 2010 nach Tiergarten um und wurde dabei organisatorisch dem Französischen Gymnasium angegliedert. Damit das fortan leerstehende Schulgebäude in der Cité Foch nicht verwahrlost, wurde hier ein Pilotprojekt zur „Bewachung durch Bewohnung“ nach dem niederländischen „Antikraak“-Modell eingerichtet.[3] Zwischenzeitlich wurde der Komplex als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Aktuell (Stand: 2021) befindet sich in einem der Gebäude ein Kindergarten.

Verwildertes Einkaufszentrum

Einkaufszentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das große Einkaufszentrum mit Kino, Kultur- und Gesundheitszentrum an der Avenue Charles-de-Gaulle 9, 10–14 wurde 1998 an einen privaten Investor verkauft und zunächst mit zahlreichen Geschäften frei zugänglich weiterbetrieben; es stand dann aber seit 2006 leer und war zuletzt in völlig verwahrlostem Zustand. Im Sommer 2016 wurde das Gebäude komplett abgerissen, die Arbeiten endeten im November desselben Jahres, wobei Asbest ein Problem darstellte.[4] Auf der Fläche entstehen neue Wohngebäude mit rund 400 Wohnungen; im Sommer 2021 war etwa ein Drittel davon fertiggestellt und bezogen.

Centre Talma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulturzentrum Centre Talma an der Hermsdorfer Straße 18a, etwas außerhalb der Cité Foch, funktional aber zu ihr gehörend, wurde in eine Sport- und Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche umgewandelt. Hier wird von der Berliner Tafel auch täglich für jedermann ein (für Kinder besonders vergünstigtes) Mittagessen mit drei Gängen angeboten.

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Hallenbad an der Rue Georges Vallerey 8, erbaut 1972, ist seit 2002 geschlossen. Eine Sanierung ist laut BImA unwahrscheinlich, das Bad soll daher abgerissen werden.
  • Die katholische Kirche Ste.-Geneviève neben dem ehemaligen Einkaufszentrum wurde entweiht und ist ebenfalls abgerissen worden, um der neuen Wohnbebauung Platz zu machen.
  • Ein großer Einfamilienhaus-Pavillon an der Rue Racine 5 ist in den 2010er Jahren abgerissen und durch vier Mehrfamilienhäuser in Stadtvilla-Bauweise ersetzt worden.
  • Ein weiterer Pavillon an der Avenue Charles de Gaulle 36 wird von der Musikschule École de Musique de Berlin genutzt.

Städtebauliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus planerischer Sicht leidet die Cité Foch wie auch andere ehemalige Berliner Wohngebiete der Westalliierten heute darunter, dass sie nicht unter Anwendung des deutschen Planungsrechts errichtet wurden. Da bei der Bebauung keine Flurstücksaufteilung stattfand, sind die in der Siedlung liegenden Straßen und Grünflächen somit auch nicht öffentlich, sondern Privatgelände. Die Anlagen der Ver- und Entsorgung befinden sich größtenteils außerhalb des Straßenlandes. Bei der Erschließung der Gebäude wurde auf mögliche Baulasten kaum Rücksicht genommen, da es zwischen öffentlichen und privaten Grundstücken keinen Unterschied gab.

Speziell in der Cité Foch kommt noch das Problem hinzu, dass die zivilen Einrichtungen, die sich hier konzentrierten, unter dem Versorgungsaspekt der französischen Militärangehörigen geplant wurden und seit dem Abzug der Truppen nicht unbedingt dem tatsächlichen lokalen Bedarf entsprechen. Die Genehmigung dieser Einrichtungen unterlag damals nicht dem deutschen Planungsrecht. So wurden zum Beispiel auch nicht die Vorschriften des Immissionsschutzes beachtet, was die Schutzabstände zwischen Wohnbebauung und umliegenden Industriebauten anbelangt. Davon betroffen ist ein Großteil des südlichen Wohngebiets um die Hermsdorfer Straße 70 (ein Betrieb nach Seveso-II-Richtlinie), wo eigentlich ein Schutzabstand von 200 Metern einzuhalten wäre.

Für die Fläche südlich des Packereigrabens, begrenzt durch die Grundstücksflächen Jean-Jaurès-Straße 3/7, 7a und 21, Hermsdorfer Straße 55, die Grundstücksflächen Hermsdorfer Straße 56–69 und östlich des Steinbergparks (Rosentreterbecken) sowie einen Abschnitt der Jean-Jaurès-Straße und der Hermsdorfer Straße im Bezirk Reinickendorf, Ortsteile Wittenau und Waidmannslust (Teilfläche der Cité Foch) wurde 2007 (ergänzt: 2012) der Bebauungsplan XX-277a erstellt.[5] Damit ist die planungsrechtliche Grundlage dieser Ortslage im Bezirk geschaffen und die Straßen wurden gewidmet.

Der Bebauungsplan XX-277a wurde eingeleitet, um „die bestehenden Wohngebäude planungsrechtlich zu sichern, für bauliche Nachverdichtungen sowie für Grünflächen die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen und eine Übernahme der vorhandenen Straßen durch das Land Berlin zu ermöglichen“.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Wahlich, Dorothea Führe, Ingolf Wernicke: Die Franzosen in Berlin. Besatzungsmacht, Schutzmacht, Partner für Europa. Hrsg.: Bezirksamt Reinickendorf von Berlin. Jaron Verlag, 2002, ISBN 978-3-932202-12-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Cité Foch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer W. During: Bonjour Tristesse: Das Cité Foch. In: Der Tagesspiegel. 2. August 2010 (online).
  2. Ulrich Paul: Zu groß, zu teuer, zu unattraktiv. In: Berliner Zeitung. 16. Mai 2008 (online).
  3. Christian Bartlau: In den Häusern der Anderen. In: Berliner Zeitung. 14. Juli 2012 (online).
  4. Cité Foch in Berlin marodes Einkaufszentrum wird abgerissen. Bei: Tagesspiegel Online
  5. Bebauungsplan XX-277a – Cité Foch in Berlin-Reinickendorf
  6. Begründung zum Bebauungsplan XX-277a (Memento des Originals vom 26. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de

Koordinaten: 52° 36′ 6″ N, 13° 19′ 13″ O