Claude Longchamp

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Claude Longchamp (1990)

Claude Longchamp (* 14. März 1957 in Freiburg im Üechtland) ist ein Schweizer Historiker und Politikwissenschaftler.

Longchamp hat sich auf die Analyse der direkten Demokratie konzentriert, vor allem auf das Verhalten der Bürger bei Sachentscheidungen, auf die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse auf die Meinungsbildung sowie auf die massenmediale Kommunikation in der Politik. Hierzu hat er den «Dispositionsansatz» entwickelt, der das Zusammenspiel von Prädispositionen und Informationen bei Sachentscheidungen analysiert.

Zu den Arbeitsgebieten von Longchamp zählen nebst der Wahl- und Abstimmungsforschung die Schweizer Politik, die Europa-Politik, speziell die Gesundheitspolitik, Finanz-, Umwelt- und die Technologiepolitik, die politische Kultur, der Antisemitismus, die öffentliche Meinung, politische Kommunikation, die Meinungsforschung und der Lobbyismus.

Claude Longchamp studierte ab 1977 Geschichte, verbunden mit Soziologie und Politologie, und schloss als lic. phil. ab. Ab 1983 arbeitete er am damaligen Forschungszentrum für schweizerische Politik, dem heutigen Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern, und seit 1987 ist Longchamp Wahl- und Abstimmungsanalytiker für die Medien der SRG SSR idée suisse[1]. Seit 1992 verantworten er und sein Team der gfs.bern auch die Abstimmungshochrechnung und seit 1998 auch die wahl- und abstimmungsbezogenen Umfragen für die Unternehmen der SRG SSR idée suisse. Seit 1992 ist er Herausgeber der VOX-Analysen eidgenössischer Urnengänge. Er leitet das Sorgenbarometer, den Gesundheitsmonitor, den Finanzmonitor und bereitet gegenwärtig das Rassismusmonitoring der Schweiz vor.

Longchamp unterrichtete bis 1992 an der Universität Bern Politikwissenschaft, seither ist er als Dozent auch an anderen Universitäten (Universität Freiburg, Universität Zürich, Universität St. Gallen) und Fachhochschulen (in Winterthur, Zürich und Lausanne) tätig. Seit 2008 lehrt er an der Universität St. Gallen im Rahmen des Lehrganges International Affairs das Fach «Politikforschung in der Praxis». Zudem lehrt er das Fach Wahlforschung an den Universitäten Zürich (seit 2009) und Bern (seit 2011).

Von 1993 bis 2003 war Longchamp Vorsitzender der Geschäftsleitung und Mitglied des Verwaltungsrats des GfS-Forschungsinstituts, Geschäftsbereich Politik und Staat. 2004 gründete er das Forschungsinstitut gfs.bern und übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrates. Bis Ende April 2017 war er auch Geschäftsführer von gfs.bern; Nachfolger wurden als Co-Geschäftsführer Lukas Golder und Urs Bieri, denen er gfs.bern schrittweise verkaufte. Longchamp bleibt bis 2019 Verwaltungsratspräsident.[2] Bei der Erläuterung der Abstimmungsergebnisse im Schweizer Fernsehen löste ihn im September 2017 Lukas Golder ab. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) attestierte 2008 als Reaktion auf Kritiken gegenüber dem Forschungsinstitut gfs.bern und seines Leiters, in der Schweiz eine der anerkanntesten Institutionen der angewandten Politikforschung zu sein.[3]

Claude Longchamp führt historisch-politisch-kulturelle Stadtführungen durch, vornehmlich für internationale Delegationen, Politiker, Verwaltungsmitglieder und Medienschaffende. Longchamp ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SP),[4] ist seit 1993 jedoch nicht mehr parteipolitisch aktiv. Er engagiert sich im Verein Bern neu gründen für eine Aufwertung des Berner Raumes zum führenden Politikzentrum der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Claude Longchamp: Stadtwanderer – Ich stelle mich vor. Abgerufen am 5. Juni 2016.
  2. Florence Vuichard: Generationenwechsel bei GfS Bern: Longchamp verkauft. In: Bilanz. 16. Juni 2016.
  3. SF hat bei Meinungsumfragen und Wahlbarometer korrekt gehandelt. kommunikationsblog.ch, archiviert vom Original am 21. Mai 2014; abgerufen am 15. Oktober 2009. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gfsbern.divertolab.ch
  4. Das Chamäleon bekennt Farbe (Memento vom 23. Mai 2012 im Internet Archive). In: NZZ Folio. 02/06.