Claude Montefiore

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Claude Montefiore, Gemälde von Christopher Williams (1925)

Claude Joseph Goldsmid-Montefiore, auch C. G. Montefiori (* 6. Juni 1858 in London; † 9. Juli 1938 in London) war eine Gründergestalt des britischen Reformjudentums, unter anderem als Vorsitzender der World Union for Progressive Judaism (1926–1938) und als Gründer und Herausgeber der Jewish Quarterly Review.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claude Montefiore entstammte einer bekannten anglo-jüdischen Familie (er war ein Großneffe von Sir Moses Montefiore). Der Vater, Nathaniel Montefiore (1818–1883), hatte eine medizinische Ausbildung abgeschlossen, jedoch übte er den Beruf eines Chirurgen im Rahmen seiner philanthropischen Tätigkeiten im Beth Holim Hospital aus, ohne finanziell darauf angewiesen zu sein.[1] Die Mutter war Emma (Hannah) Lyon Goldsmid (1819–1902), eine Tochter von Isaac Lyon Goldsmid. Claude Joseph war das jüngste von vier Kindern. Clause Montefiore hatte ein Kind, Leonard Montefiore.

Claude Montefiore studierte am Balliol College in Oxford und gehörte zu den Schülern von Benjamin Jowett. Dabei hatte er zunächst die Absicht, Rabbiner zu werden und schrieb sich in Berlin zum Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ein, wo er Solomon Schechter kennenlernte. Jedoch brach er diese Ausbildung ab und kehrte nach Großbritannien zurück. Bekannt wurde er durch die Hibbert Lectures, gehalten in Oxford (The Origin and Growth of Religion as Illustrated by the Religion of the Ancient Hebrews, 1892).

Montefiore setzte sich intensiv mit der Person Jesus von Nazareth auseinander. Er gilt daher als ein Vordenker des Christlich-Jüdischen Dialogs. Montefiore sah in Jesus einen jüdischen Propheten, dessen ethische Maximen er aus jüdischer Perspektive für bedeutsam hielt (The Synoptic Gospels, 1909; Some Elements of the Religious Teaching of Jesus According to the Synoptic Gospels, 1910). Jedoch hielt er daran fest, dass das Judentum sich auf die hebräische Bibel (Tanach) gründe.

Ebenso umstritten wie seine Beschäftigung mit dem Neuen Testament war Montefiores Interesse an der historisch-kritischen Bibelwissenschaft. So hielt er, ähnlich wie zeitgenössische christliche Exegeten, die Propheten für bedeutsamer als den Pentateuch.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lectures on the origin and growth of religion as illustrated by the religion of the ancient Hebrews. Williams and Norgate, London u. a. 1892, archive.org.
  • The synoptic Gospels. 2 Bände[2]. Macmillan and Co., London 1909, archive.org (Bd. 1), archive.org (Bd. 2).
  • Some elements of the religious teaching of Jesus according to the synoptic gospels. Being the Jowett lectures for 1910. Macmillan and Co., London 1910, archive.org.
  • Judaism and St. Paul. Two essays. Max Goschen, London 1914, archive.org.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel R. Langton: Claude Montefiore. His life and thought. Vallentine Mitchell, London u. a. 2002, ISBN 0-85303-376-5.
  • William Baird: History of New Testament Research. Band 2: From Jonathan Edwards to Rudolf Bultmann. Fortress Press, Minneapolis MN 2003, ISBN 0-8006-2627-3, S. 254–257.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geoffrey Cantor: Quakers, Jews, and Science: Religious Responses to Modernity and the Sciences in Britain, 1650–1900. Oxford 2005, S. 74.
  2. Der geplante dritte Band, „Additional notes by I. Abrahams“, erschien nicht. Dieser erschien separat als: Israel Abrahams: Studies in Pharisaism and the Gospels. 2 Bände. Cambridge University Press u. a., Cambridge u. a. 1917–1924.