Colosseum (Essen)

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Wolff´s Colosseum am Kopstadtplatz, in der 1. Etage ist das Kaiser-Café
Innenansichten: Saal mit dem Blick auf Bühne, obere Wandelhalle und Maschinenhalle

Das Colosseum[1] am Kopstadtplatz 12 im Essener Stadtkern zählte zur Zeit seines 30-jährigen Bestehens bis 1929 zu den bekanntesten Revue- und Operettentheatern im Westen Deutschlands.

Lage und Umgebung[Bearbeiten]

Wolffs Colosseum befand sich am Kopstadtplatz, der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neuer Markt-, Kirmes- und Veranstaltungsplatz der Innenstadt war. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Gebäude am Kopstadtplatz, die meist dem Historismus und Jugendstil zugeordnet wurden, zerstört. Nacvh dem Krieg hatte der Platz auch durch die neue Verkehrsführung der Nachkriegsplanung seine Rolle als Veranstaltungsort verloren. 1991 wurde der Platz zu seinem heutigen Aussehen umgestaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bau wurde Ende der 1890er Jahre nach Plänen der Architekten Oskar Kunhenn und Max Büssing als Revue- und Operettentheater mit rund 3000 Plätzen für Frau Mathilde Wolff erbaut[2] und am 19. Januar 1899 eröffnet. Die Theaterfassade aus hellem Sandstein war aufwändig gestaltet, so entwarfen die Architekten Kunhenn & Büssing das Theater mit einer Fassade in Rokokoformen.[3] Zu den eigenen Produktionen traten im Haus zahlreiche Reisebühnen auf, die zusammen etwa 400 Veranstaltungen pro Jahr[4] aufführten.

Mathilde Wollf annoncierte ihr Theater als "feinstes Etablissement Rheinlands und Westfalens", das es bezüglich technischer und prachtvoller Ausstattung mit dem Stadttheater aufnehmen konnte. Ihre Eröffnungsrede erklärte unter anderem:

„Vor allen Dingen soll es mein eifrigstes Bestreben sein, nur gediegene und decente Sachen zur Aufführung zu bringen, damit das Vorurtheil, welches noch allgemein auf der Variete-Bühne ruht, gänzlich schwinde und mein Neubau als Stätte der heiteren Kunst ein Ort der Erholung für meine werthen Gäste werden möge.“

Mathilde Wolff übertrug ihrem Schiegersohn Emil Schulz 1917 die alleinige Leitung des Theaters, der den Schwerpunkt auf Operette verlagerte und das Haus Komische Oper nannte. Durch die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre und das Aufkommen des Tonfilms gingen die Besucherzahlen in kürzester Zeit um ein Drittel zurück. Zudem trug die Spezialisierung auf ein konventionelles Bühnenprogramm mit der Auslassung von gestreutem Unterhaltungsprogramm zum Besucherrückgang bei. Kurz nach den Feierlichkeiten zum dreißigjährigen Jubiläum musste das Colosseum aus finanziellen Gründen schließen.[5]

In den 1930er Jahren wurde die aufwändig gestaltete Fassade durch eine dem Zeitgeist entsprechende, sachliche Fassade des Varieté Scala ersetzt. Es bot 1194 Sitz- und rund 200 Stehplätze.[6]

Das Gebäude wurde bei den Luftangriffen auf Essen zerstört. 1958 entstand dort das Haus am Kopstadtplatz, das nach Plänen von Willy Holtgreve erbaut wurde. Es ist ein Geschäftshauskomplex bestehend aus zwei Baukörpern (fünf- bzw. achtgeschossig). Dort befindet auch die verglaste Kopstadt-Passage, eine Ladenpassage, die das „Forum Kunst und Architektur“ und den „Kunstverein Ruhr“ beheimatet.[7]

Das heutige Colosseum Theater im Essener Westviertel soll an den früheren, gleichnamigen Kulturpalast am Kopstadtplatz erinnern.[8][9]

Architektur[Bearbeiten]

Das Gebäude hatte zwei Schaufassaden, eine nach dem Kopstadtplatz und eine an der Weberstraße. Die Fassade zum Kopstadtplatz aus hellem Pfälzer Sandstein und Zementputz mit reichen Verzierungen wurde von einem großen vergoldeten Bogen mit Kuppel über dem Haupteingang gekrönt, den eine Kupfer-Figur schmückte. Die innere Ausstattung mit den breite Eingängen und weiten Wandelhallen und Marmortreppen wurde als elegant und gediegen beschrieben. Der Theatersaal selbst, der schräg hinter dem Eingangsgebäude lag, war mit künstlerischen Stuck-, Marmor- und Schmiedeeisenarbeiten ausgestattet und von einer reich ornamierten Decke überspannt. Das Parkett und die zwei übereinander liegenden Ränge boten Platz für etwa 3000 Zuschauer. In der 1. Etage befanden sich das Kaiser-Café und ein Restaurant. Das Haus verfügte über eine eigene elektrische Anlage, die auch Ventilation und Heizung besorgte.[10][11]

Rezeption[Bearbeiten]

Wolffs Colosseum wurde auch im Führer durch Essen mit Stadtplan, Strassenverzeichnis, Theaterplänen und Illustrationen genannt und auf drei Seiten mit zahlreichen Illustrationen beschrieben. Laut Titus Waechtler war das Gebäude ein „Schmuck“ für den Kopstadtplatz und eine „Zierde“ für die Stadt Essen.[10]

Tony Kellen beschreibt das Gebäude in Die Industriestadt Essen in Wort und Bild. Geschichte und Beschreibung der Stadt Essen. Zugleich ein Führer durch Essen und Umgebung als „monumentalen Neubau“ in „modernen Formen“ mit einer Innenausstattung „wie ihn unser Stadt vorher nicht aufzuweisen gehabt hatte.“[11]

Laut dem Essener Denkmalpfad spielte das Colosseum als Varieté eine wichtige Rolle des Kopstadtplatzes als Zentrum des Unterhaltungsgewerbes, neben den anderen Aufgaben des Kopstadtplatzes als Ort der nationalen Gedenkstätte und des neuen, zentralen Marktplatzes in Essen.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tony Kellen: Wolff's Colosseum. In: Die Industriestadt Essen in Wort und Bild. Geschichte und Beschreibung der Stadt Essen. Zugleich ein Führer durch Essen und Umgebung. Essen Ruhr 1902, Druck und Verlag von Fredebeul & Koenen, S. 103–104 (online).
  • Titus Waechtler: Wolffs Colosseum. In: Führer durch Essen mit Stadtplan, Strassenverzeichnis, Theaterplänen und Illustrationen. Druck und Verlag von Titus Waechtler, 1900 Essen, S. 40–43.
  • Holger Krüssmann: Architektur in Essen 1900-1960. Klartext-Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0246-6 (herausgegeben von Berger Bergmann und Peter Brdenk).
  • Verkehrsverein für den Stadt- und Landkreis Essen e. V. (Hrsg.): Essen. Rüstig zur Arbeit! Froh in der Rast! Den Besuchern der Stadt gewidmet vom Verkehrsverein für den Stadt- und Landkreis Essen. H.L. Geck, Essen 1913.
  • C. Brand, D. Hopp: Gräber, Gräber, Gräber… In: D. Hopp (Hrsg.): Ans Tageslicht gebracht. Archäologie in der Essener City. Essen 2008, S. 62–68.
  • H. Burghard: Stadtbilder. Die Gestalt der Stadt vor der Industrialisierung. In: J. Gerchow (Hrsg.): Die Mauer der Stadt. Essen vor der Industrie 1244 bis 1865. Essen 1995, S. 33–34.
  • F. Feldens: Der alte Friedhof in der Burg, Das Münster am Hellweg 7. 1954, S. 30.
  • D. Hopp: 2. Archäologische Überreste nahe der Hl. Geistkapelle. In: Essener Beiträge 108, 1996, S. 297.
  • A. Reichart: Alltagsleben im späten Mittelalter. Der Übergang zur frühen Neuzeit am Beispiel der Stadt Essen (1400-1700). Essen 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1910, Band 21, F.A. Günther, 1910, S. 892
  2. Krüssmann, S. 35, S. 164
  3. Die Architekten Oskar und Bruno Kunhenn entwarfen das Theater mit einer Fassade in Rokokoformen auf deutsches-architektur-Forum.de
  4. 400 Veranstaltungen pro Jahr auf deutsches-architektur-Forum.de
  5.  Matthias Uecker (Hrsg.): Zwischen Industrieprovinz und Großstadthoffnung: Kulturpolitik im Ruhrgebiet der zwanziger Jahre. Dt. Univ.-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 978-3-8244-4151-8, S. 319f..
  6.  Hugo Rieth: Essen in alten Ansichten, Band 1. 3. Auflage. Zaltbommel, Niederlande 1978.
  7. Krüssman, S. 164, Nr. 107 [Haus am Kopstadtplatz, Architekt: Willy Holtgreve, Baujahr 1958, Ort: Zentrum, Kopstadtplatz 12]
  8. Wolfgang Bachmann: Colosseum in Essen: Kohl & Kohl Architekten. In: Baumeister, 95 (1998) 4, S. 42–47.
  9. Jürgen Odenthal/Ulrich Tappe: Die neue Weststadt in Essen mit dem Musical-Theater Colosseum. In: Brach-Flächen-Recycling. 5 (1998) 1, S. 14–21
  10. a b Titus Waechtler: Wolffs Colosseum. In: Führer durch Essen mit Stadtplan, Strassenverzeichnis, Theaterplänen und Illustrationen. Druck und Verlag von Titus Waechtler, Essen 1900, S. 40–43
  11. a b Tony Kellen: Die Industriestadt Essen in Wort und Bild. Geschichte und Beschreibung der Stadt Essen. Zugleich ein Führer durch Essen und Umgebung. Essen Ruhr 1902, Druck und Verlag von Fredebeul & Koenen, S. 103–104 (online)
  12. Denkmalpfad: Kopstadtplatz auf essen.de

51.4585417.011126Koordinaten: 51° 27′ 31″ N, 7° 0′ 40″ O