Compagnia dei Bardi

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Wappen der Familie Bardi

Die Compagnia dei Bardi war im 14. und 15. Jahrhundert eine der bedeutendsten Privatbanken Europas mit Sitz in Florenz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Bardi verfügte mit ihrer um 1250 gegründeten Bank im 14. Jahrhundert über ein multinationales Unternehmen mit einem europäischen Filialnetz (neben zahlreichen italienischen Städten u. a. in Avignon, Barcelona, Brügge, Zypern, Mallorca, Marseille, Nizza, Paris und Sevilla sowie in Konstantinopel, Jerusalem und Tunis).

Die Bardi finanzierten zwischen 1250 und 1345 die Könige von Frankreich und England. Ihre Filialen handelten bei der Kreditvergabe flexibel und weitgehend unabhängig, jedoch bestand ein Haftungsverband. Durch die Koordinierung von finanziellen und politischen Aktivitäten wurden sie zum führenden Bankhaus. Die Bank organisierte die finanzielle Abwicklung des päpstlichen Zehnten.[2]

Die Bankgeschäfte waren schon vor dem Banco Medici hochentwickelt und komplex, sodass das moderne Bankwesen zu dieser Zeit seinen Anfang nahm. Als etwa die von den Türken bedrängten Armenier 1336 den Papst in Avignon um Hilfe baten, kauften die Bardi-Filialen in Neapel und Bari Getreide im Wert von 10.000 Goldflorentinern auf und schifften es binnen zwei Wochen in Richtung Schwarzes Meer ein.[3]

Neben den Bardi waren die Peruzzi, die Acciaiuoli und die Scali ebenfalls herausragende Bankiers.[4] Sie finanzierten die großen Kredite auch oft in Konsortien, so erstmals 1325 an den Stadt-Signore Karl von Anjou.

1345 ging das Kreditinstitut in Insolvenz. Die Unterstützung des englischen Königs Eduard III. (1327–1377) mit einem Kredit in Höhe von 900.000 Goldfiorentini im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich (1337–1453) erwies sich als Nachteil[5], als der König seine Zins- und Tilgungszahlungen einstellte, die er aus den vergeblich erhofften Kriegsgewinnen zu begleichen versprach, zumal seine Kriegsgegner, die Könige von Frankreich und Neapel, ebenfalls ihre Zahlungen auf Bardi-Kredite einstellten, als sie von der englischen Kriegsfinanzierung erfuhren. Ein päpstlicher Vermittlungsversuch scheiterte. Ebenfalls betroffen war die Familie Peruzzi, die sich mit 600.000 Fiorentini engagiert hatte. Es kam daher im Mai 1345 sogar zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen den beiden konkurrierenden Familien. Laut dem Geschichtsschreiber und Peruzzi-Teilhaber Giovanni Villani wogen die ausgefallenen Kredite "ein Königreich auf".

Nach dem Zusammenbruch bauten die Bardi ihr Bankgeschäft wieder auf, erreichten jedoch nicht mehr die Erfolge der Vergangenheit. Sie stellten auch finanzielle Mittel für die Entdeckungsreisen von Columbus und Cabot bereit.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angelika Franz, Spiegel Online, Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Italiener finanzierten Entdeckung Nordamerikas, Artikel vom 6. Mai 2012
  2. Wilhelm Berdrow, Buch Berühmter Kaufleute, Männer von Tatkraft und Unternehmungsgeist in ihrem Lebensgange geschildert, S. 5 ff., Springer-Verlag, 11. November 2013
  3. Yves Renouard, Una spedizione di cereali dalla Puglia in Armenia esequita dai Bardi per conto di Benedetto XII (PDF), in Studi Salentini, Bd. 18, Dez. 1964, S. 242–278
  4. Edwin S. Hunt, The Medieval Super-Companies: A Study of the Peruzzi Company of Florence, Cambridge University Press, 9. Mai 2002, S. 39 (engl.)
  5. Ephraim Russell, British History Online, The societies of the Bardi and the Peruzzi and their dealings with Edward III, S. 93–135 (engl.)
  6. Angelika Franz, Spiegel Online, Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Italiener finanzierten Entdeckung Nordamerikas, Artikel vom 6. Mai 2012