Conrod-Kraftwerk

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Conrod-Kraftwerk
Conrod Hohewarte.jpg
Lage
Conrod-Kraftwerk (Thüringen)
Conrod-Kraftwerk
Koordinaten 50° 36′ 41″ N, 11° 38′ 6″ OKoordinaten: 50° 36′ 41″ N, 11° 38′ 6″ O
Land Deutschland
Ort Ziegenrück
Gewässer Saale, Hohenwarte-Stausee
f1
Kraftwerk
Eigentümer privat – Besichtigungen sind nicht möglich
Planungsbeginn 1918
Bauzeit 1920–1922
Betriebsbeginn 1922–1923
Stilllegung 1. Februar 1960
Denkmalgeschützt seit technisches Denkmal
Technik
Durchschnittliche
Fallhöhe
ca. 16 m
Turbinen 3 Francis-Schachtturbinen
Generatoren 3 Synchrongeneratoren
Sonstiges

Das Conrod-Kraftwerk ist ein stillgelegtes Wasserkraftwerk am Hohenwarte-Stausee in der Nähe von Ziegenrück im Thüringer Schiefergebirge, Thüringen. Es ist nach dem Conrodberg benannt, den die Saale in einer 5,5 km langen Schleife umfließt und an dessen Westseite das Kraftwerk liegt. Die Anlage ist ein Industriedenkmal und als ältestes im Original erhaltenes Wasserkraftwerk an der Saale ein bedeutendes technisches Denkmal.

Bau des Kraftwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Conrod-Kraftwerk wurde ab 1918 geplant und 1920–1922 ausgeführt. Bauherr war das Jenaer Unternehmen Carl Zeiss; die Planung erfolgte in dessen Hydrotechnischen Büro (für Projektierung und Bau von Talsperren und Wasserkraftanlagen), das 1917 durch den Wissenschaftler und Zeiss-Manager Rudolf Straubel gegründet worden war. Der Durchschlag des Druckstollens erfolgte am 8. Mai 1921. Die Inbetriebnahme erfolgte in zwei Schritten 1922 und 1923.

Technische Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Einlaufbauwerk nahe Ziegenrück führte ein 640 m langer und 20 m³/s fassender Druckstollen das Wasser durch den Conrodberg in ost-westlicher Richtung zum Kraftwerk. Es wurde am Hang des Berges errichtet, um dem Einstau der seinerzeit bereits geplanten Hohenwarte-Talsperre soweit als möglich zu entgehen.

Im Kraftwerksgebäude strömte das Wasser durch einen ca. 16 m tiefen Schacht, auf dessen Grund sich drei Francis-Schachtturbinen befanden. Über lange senkrechte Wellen waren die Turbinen mit den Synchrongeneratoren im Kraftwerksgebäude verbunden.

Technische Daten der Maschinensätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschinensatz Hersteller der Turbine Nenndurchfluss Hersteller des Generators Generatorspannung Leistung
1 und 2 Escher Wyss AG 7,7 m³/s Brown, Boveri & Cie. 10 kV 1320 PS
3 Escher Wyss AG 4,7 m³/s Sachsenwerk 815 PS

Die Gesamtleistung des Kraftwerks betrug 3455 PS (2,5 MW). Der im Kraftwerk erzeugte Strom wurde über eine 50-kV-Freileitung nach Jena transportiert und dort vor allem zur Glasschmelze verwendet.

Stilllegung des Kraftwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fertigstellung der Hohenwarte-Talsperre im Jahr 1941 und der daraus resultierende Rückstau der Saale schränkten den Betrieb des Kraftwerks entgegen der ursprünglichen Planungen zusehends ein. Im Jahr 1946 stand das Kraftwerk vier Monate still, im Jahr 1948 waren es bereits acht Monate. Die Situation verschärfte sich weiter, sodass das Kraftwerk am 24. September 1956 erstmals auf längere Zeit stillgelegt wurde. Am 1. Februar 1960 erfolgte die dauerhafte Außerbetriebsetzung und danach der Ausbau der Stromerzeugungs-Anlagen.

Später wurde es als Ferienobjekt des VEB Berggold, heute Schokoladenwerk Berggold, genutzt.

Seit den 1990er Jahren ist es in Privatbesitz. Es ist nicht zu besichtigen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Mittelsdorf: Die Geschichte der Saale-Talsperren (1890–1945). Vopelius-Verlag, Jena 2007, ISBN 978-3-939718-03-1, S. 69 ff. (4.2.1. Prof. Dr. Rudolf Straubel) und S. 116 f. (4.4.2. Das Conrod-Kraftwerk).
  • Völkerwanderung an der Saale. Einlaufbauwerk des Conrod-Kraftwerkes lockt Neugierige nach Ziegenrück. In: Ostthüringer Zeitung vom 10. September 2013 (online, abgerufen am 26. Juli 2016)