Cyriakskirche (Camburg)

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Koordinaten: 51° 3′ 49″ N, 11° 41′ 41″ O

Cyriakskirche Camburg

Die Cyriakskirche zu Camburg (Stadt Dornburg-Camburg) ist laut Meinung einiger Historiker neben der Michaeliskirche (Rohr) das einzige aus der Zeit bis ca. 1030 erhaltene Gebäude Thüringens. Andere sehen sie als eine typische romanische Kirche an. Sie wird auch St. Cyriakus, Cyriaksburg oder Cyriaksruine genannt. Der Bau ist, gemessen an seiner Bedeutung für das Land, wenig bekannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Ruine am Hang des Saaletals

Die Ruine der Kirche befindet sich 1,5 km nordwestlich der Kleinstadt Camburg im Saale-Holzland-Kreis in Thüringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob die Kirche schon im 10. Jahrhundert gegründet wurde, kann bislang nicht sicher nachgewiesen werden. Bauliche Reste reichen ins 11. Jh. zurück. Die Kirche könnte daher mit einer Ende des 10. Jh. erwähnten Burg „Stuwi“ in Zusammenhang stehen. Der Burgbezirk der Burg "Stuwi" ist wohl der Vorläufer von Camburg und schloss die gesamte Gegend nördlich von Dornburg ein.

Im Jahr 999 notierte Thietmar von Merseburg in seiner Chronik:

„De quorum numero quaedam cometissa nomine Cristina predii suimet, quod in Stuwi civitate habuit, magnam partem sancto tradidit Maurico in Magadaburg.“ (Unter ihnen war eine Gräfin Christina, die einen großen Teil ihres Erbgutes in der Burg Stöben dem heiligen Mauritius zu Magdeburg übereignete.)

Die in der Chronik erwähnte Burg ist heute nicht mehr nachweisbar. Vom genannten Moritzkloster in Magdeburg aus erfolgte die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Neuwerk bei Halle.

Im Jahr 1121 wurde in einer päpstliche Bestätigungsurkunde die Zugehörigkeit der „Kirche von Stubi“ zum Augustiner-Chorherrenstift Neuwerk/Saale bescheinigt.

Bei der vor dem Altar der Kirche bestattet gewesenen Frau handelt es sich nach Forschungen von Wolfgang Hartmann um Adelheid, die Gattin des Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen. Dietmar entstammte dem Adelsgeschlecht der Reginbodonen und war angeblich mit Graf Wilhelm von Camburg verschwägert. Eine Tochter von Dietmar und Adelheid soll Kuniza sein, die Gründerin des Klosters Lausnitz. Sie baute in der Nähe ihrer Besitzungen „Rysen“ (Wüstung Reißen, bei Eckolstädt) eine Einsiedelei. Diese könnte in der unmittelbaren Nähe der heute als Cyriakskirche angesprochenen Kirchenruine gelegen haben. Zumindest dürfte die Burg Stöben, die in den Besitz Dietmars gekommen war, mit dieser Einsiedelei zusammenhängen.

Die Kirche war bis 1539 eine Pfarrkirche. Wahrscheinlich kam es im Hochmittelalter, ähnlich Rodameuschel, zu einer Ausgliederung der neu geschaffenen Pfarrei Camburg aus der Pfarrei „mons St. Cyriaci“.

Die Kirche wurde nach 1539 verlassen, da es im Zuge der Reformation zur Zusammenlegung der Pfarreien „Camburg“, mons „St. Cyriaki“ und mons „St. Petri“ kam. Seitdem diente sie als Steinbruch.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cyriaksruine

Die Saalkirche besteht aus einem Langhaus, an welches sich ein stark eingezogener Priesterraum (Presbyterium) und ein rechteckiger Altarraum anschließt. [1] Je vier Arkaden trennten zwei Seitenräume vom Priesterraum ab, wovon aber lediglich drei Arkaden aus der südlichen Bogenreihe erhalten sind. In dieser kann man Balkenlöcher erkennen, die die geringe Dachhöhe der Seitenräume anzeigen. Diese Architektur zeigt eine ausgeprägte romanische Bauweise. Andeutungen einiger Historiker, es wären ottonische Bauteile erkennbar, ist völlig unbegründet und konstruiert eine Verbindung zur 999 genannten Civitas Stubi.

An der südlichen Front ist ein kleines Fenster, ein sich nach außen verjüngender Lichtschlitz, original erhalten.

Von der Anlage gehen zwei unterirdische Gänge ab, die allerdings mittlerweile verschüttet sind. Einen kann man noch einige Meter begehen, dieser soll ursprünglich bis zum Ort Camburg gereicht haben. Hier soll er am Kirchplatz neben dem Pfarrhaus geendet haben. Der zweite Gang führte angeblich unter der Saale hindurch zur Ortschaft Abtlöbnitz. Diese auf Sagen beruhenden Behauptungen sind allerdings schon wegen fehlendem historischem Zusammenhang und wegen der geologischen Bedingungen sehr unwahrscheinlich. Letztlich ist nicht einmal nachweisbar, ob es sich bei dieser Ruine tatsächlich um die 1539 letztmals genannte Cyriakskirche handelt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste archäologische Untersuchung fand 1885 statt. Zu diesem Zeitpunkt und auch später wurden einige Restaurierungsarbeiten vorgenommen.

Die Ruine der Kirche wurde gern von Kindern aus Camburg als Spielplatz benutzt, wodurch weitere Beschädigungen, wie etwa die Zerstörung des Altarsteins entstanden. Erst in den 70er Jahren erkannte man den Wert dieser Anlage und versuchte Erhaltungsmaßnahmen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annett Laube-Rosenpflanzer, Lutz Rosenpflanzer: Kirchen, Klöster, Königshöfe. Vorromanische Architektur zwischen Weser und Elbe. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2007, ISBN 978-3-89812-499-7.
  • Wolfgang Hartmann: Vom Main zur Burg Trifels – vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom. Auf hochmittelalterlichen Spuren des fränkischen Adelsgeschlechts der Reginbodonen = Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg Bd. 52, Aschaffenburg 2004, ISSN 0433-843X
  • Thüringen, bearb. v. Stephanie Eißing, Franz Jäger u.a., hg. in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege, 20032, S. 184-185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cyriaksruine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sankt Cyriakus. In: archINFORM; abgerufen am 29. April 2015. (Grundriss)