Dänischer Staatsbankrott von 1813

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Als Dänischer Staatsbankrott wird in der dänischen Währungsgeschichte die radikale Währungsreform vom 5. Januar 1813 bezeichnet, die den dänischen Gesamtstaat betraf. Neben bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden staatlichen Haushalts- und Währungsschwierigkeiten wurde der dänische Staatsbankrott insbesondere von den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege auf Dänemark verursacht.

Die währungspolitischen Maßnahmen beinhalteten eine vom Staat verfügte Herabsetzung der Rückzahlungsverpflichtung von auf "Rigsdaler" lautendem Papiergeld und entsprechender Staatsanleihen im Verhältnis 6:1 in der neuen Währung Rigsbankdaler. Zur Deckung der neuen Banknoten wurde eine 6 % Zwangszeuer auf das Immobilienvermögen in Dänemark erhoben. Erst zu Beginn der 1830er Jahre konnten Papiergeld und Anleihen zum Nennwert in ausgemünzte Rigsbankdaler eingetauscht werden. Ein Rigsbankdaler hatte nur 5/8 des Gehalts an Feinsilber im Vergleich zum alten Rigsdaler.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Geschichte Dänemarks

Zu Beginn der Feldzüge Napoleons war Dänemark ein vergleichsweise wohlhabendes Land. Der Einflussbereich der dänischen Krone umfasste u.a. auch Island, Grönland, die Färöer, Helgoland, Holstein sowie Teile von Niedersachsen und Pommern. Außerdem wurde der norwegische Teil von Dänemark-Norwegen seit 1390 von Kopenhagen aus in Personalunion regiert. Schon damals kursierten jedoch in großem Ausmaß Banknoten, für die die Einlösungspflicht in Silbermünzen aufgehoben war.

Siehe Hauptartikel: Dänische Währungsgeschichte bis 1875

Während der Koalitionskriege versuchte die dänische Staatsführung zunächst, neutral zu bleiben und verweigerte allen Kriegsparteien die Durchfahrt durch die Ostsee. Dies wollte die britische Flotte nicht hinnehmen und es kam 1801 zur ersten Seeschlacht von Kopenhagen. Dänemark wurde vernichtend geschlagen.

Bis 1807 war die dänische Flotte wieder aufgebaut und England hegte die Befürchtung, Napoleon würde sich mit Dänemark verbünden und dann auch die dänische Flotte gegen England richten. Die Befürchtung war nicht ganz unbegründet, da Napoleon mit Zar Alexander I. in einem geheimen Zusatzabkommen zum Frieden von Tilsit vereinbart hatte, Dänemark-Norwegen, Schweden und Portugal zum Beitritt zur Kontinentalsperre zu zwingen. In Dänemark selbst hegte man jedoch keine derartigen Bestrebungen.

England verlangte im Sommer 1807 von Dänemark, sich mit ihm zu verbünden. Als dies verweigert wurde, kam es nach einglischem Angriff vom 2. bis 5. September 1807 zur zweiten Seeschlacht von Kopenhagen. Daraufhin ging Dänemark ein Bündnis mit Napoleon ein, da es nun in England die größte Gefahr sah und der Versuch, neutral zu bleiben, mehrfach misslungen war. Der Kieler Frieden am 14. Januar 1814 markierte für Dänemark den Abschluss der Napoleonkriege. Das Land fand sich auf der Verliererseite wieder und brauchte noch lange, um sich zu erholen.

Währungsreform[Bearbeiten]

Die Englandkriege belasteten die Wirtschaft speziell ab 1807 erheblich; auch die seit 1807 in Dänemark einquartierten Truppen Napoleons mussten versorgt werden. Selbst die 1810 eingeführte progressive Einkommensteuer war nicht in der Lage, das Haushaltsdefizit zu decken. In dieser Situation gab der dänische Staat zur Bezahlung seiner Verpflichtungen Banknoten und Schuldverschreibungen heraus, die auf vollwertiges Münzgeld in Rigsdaler courant lauteten. Der erhöhte, durch Sachwerte nicht gedeckte Geldumlauf führte zu einer Inflation von mehr als 100 %. Dänemark könnte seine Staatsschulden nicht mehr in vollwertigen Münzen bedienen.

Schließlich wurde am 5. Januar 1813 eine Währungsreform durchgeführt und das alte Rigsdaler "Kurantgeld" durch eine neue Währung der - neu gegründeten - Rigsbank ersetzt. Papiergeld und Staatsanleihen wurden im Verhältnis 6:1 auf die neue Währung Rigsbankdaler umgestellt. Offiziell wurde von dänischer Seite das Wort Bankrott strikt vermieden. De faco hatte jedoch ein Staatsbankrott stattgefunden: Ein Staatsbankrott ist derjenige Zustand der Staatswirtschaft, bei welchem der Staat, sei es mit, sei es ohne ausdrückliche Erklärung, seine Schuldverbindlichkeiten nicht erfüllt oder sich Einnahmen verschafft, welche mit der Verfassung oder doch mit einer gesunden Finanzverwaltung im Widerspruch stehen.[1] Genau dies traf hier zu. Eine Währungsumstellung im Verhältnis 6:1 bedeutet bei den heute üblichen, durch einen Metallwert nicht gedeckten Fiat-Währung als solches keinen Staatsbankrott. Den ausgegebenen Scheidemünzen, Banknoten und Schuldverschreibungen liegt ja kein Einlösungsanspruch in vollwertigem Münzgeld (=Edelmetall) zu Grunde. Alle Schuldverhältnisse, Preise und Geldstücke werden einfach umgestellt, ohne dass sich an den Eigentumsverhältnissen substantiell etwas ändert. Dies ist jedoch bei einer Edelmetall-gedeckten Währung anders: Der dänische Staat honorierte ein Auszahlungsversprechen über 1 Rigsdaler (~ 26 g Silber) nur noch mit gut 2,6 g Silber: Eine Rigsbankdaler-Münze hatte nur 10,5 % der Menge an Feinsilber, wie 6 alte Rigsdaler-Münzen.

Die Rigsbankdaler existierten zunächst nur als Banknoten und als Rechnungsgröße. Auch den neuen Banknoten stand zunächst kein nennenswerter Silberbestand gegenüber. Die neue Währung genoss daher anfänglich kein Vertrauen. Der Schwarzhandel mit anderen Bezahlungsmitteln florierte. Tatsächlich sollte die neue Währung gedeckt werden durch eine Zwangssteuer von sechs Prozent auf jeglichen Immobilienbesitz in Dänemark. Diese Steuer war sofort in Silber zu begleichen. Wer dies nicht konnte, musste mit der Zwangsversteigerung seines Eigentums rechnen. Die Einnahmen gingen an die Rigsbank, um mittelfristig eine reale Silberdeckung für die neue Währung aufzubauen.

Die Bemühungen, den Kurs von auf Rigsbankdaler herausgegebenen Banknoten (siehe Abbildung) zu stabilisieren, waren lange Zeit nur mäßig erfolgreich. So betrug das Disagio auf die Banknoten im September 1813 91 % in Vergleich zu vollwertigen Silbermünzen. Der Kurs schwankte insgesamt stark.[2]

Auswirkungen in Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

1813 waren Schleswig-Holstein und Norwegen Teile des dänischen Gesamtstaates. Beide Gebiete waren daher vom dänischen Staatsbankrott betroffen.

Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

Die eigene schleswig-holsteinische Währung, das schleswig-holsteinische Courantgeld, war von den Währungswirren um dem Rigsdaler Courant zunächst nicht betroffen. Gleichzeitig mit den faktischen dänischen Staatsbankrott wurden am 5. Januar 1813 jedich alle Banken in Schleswig und Holstein auf Anweisung geschlossen. Das Courantgeld wurde offiziell außer Wert gesetzt und als Währung die neuen Rigsbankdaler eingeführt. Die ausgegebenen schleswig-holsteinischen Banknoten waren zwar prinzipiell durch eigene, in Altona lagernde Bestände von silbernen Speciestalern gedeckt. Im Vorfeld des Staatsbankrotts hatte die dänische Regierung die Silberbestände jedoch von Altona nach der dänischen Regierungsfestung in Rendsburg und damit unter unmittelbare Kontrolle bringen lassen. Der Wert der Banknoten brach daher sofort ein.

Wie im dänischen Kernland wurde eine sofort fällige, sechsprozentige Immobiliensteuer erhoben, die in Silbermünzen zu begleichen war. Als Folge flossen die offiziell außer Kurs gesetzten Silbermünzen des schleswig-holsteinischen Courantgeldes an die neue dänische Reichsbank. Für Unmut unter der Bevölkerung über die dänische Herrschaft sorgte die Härte, mit der die Steuer – im Gegensatz zum Kernstaat – von der Bevölkerung einschließlich der Bauern eingetrieben wurde. Während den dänischen Bauern ein großer Teil der Steuer erlassen wurde, mussten die Herzogtümer Schleswig-Holstein 5 Millionen Rigsbankdaler zusätzlich aufbringen.[3]

Da die Bevölkerung die Rechnung im hergebrachten schleswig-holsteinischen Courantgeld bevorzugte, ließ die dänische Regierung den Courantwert ab 1841 auf Rigsbankmünzen zusätzlich angeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Konversations-Lexikon von 1888
  2. 1813: The monetary reform known as the bankruptcy of the state. Englisch. Online auf nationalbanken.dk vom 4. Mai 2011; abgerufen am 13. August 2013.
  3. Dieter Kienitz: Der Kosakenwinter. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co, Heide 2000.

Weblinks[Bearbeiten]