Das Büro (Roman)

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Cover der deutschen Ausgabe
Das Büro 2

Das Büro (Originaltitel: Het Bureau) ist der deutsche Titel eines Romanzyklus des Niederländers J. J. Voskuil. Das Original, ab 1996 in sieben Teilen mit zusammen 5200 Seiten erschienen, löste in den Niederlanden ein Lesefieber aus. Über eine halbe Million Bücher der Büro-Romanfolge kauften die Niederländer.[1][2] Het Bureau wurde vom Nederlandse Programma Stichting (NPS) auch als Hörspiel in 475 Folgen gesendet und gilt als „Seifenoper für Intellektuelle“.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman besteht aus sieben Bänden. 2012 erschien der erste Band unter dem Titel Direktor Beerta (Verlag C.H. Beck) und 2014 der zweite Band Schmutzige Hände (Verbrecher Verlag) in der deutschen Übersetzung von Gerd Busse. Die Bände vier bis sieben gibt es bisher nur in der niederländischen Originalfassung, sollen aber bis 2017 in deutscher Übersetzung erscheinen[3]:

  • Meneer Beerta (1996; dt.: Direktor Beerta, 2012)
  • Vuile Handen (1996; dt.: Schmutzige Hände, 2014)
  • Plankton (1997)
  • Het A.P. Beerta Instituut (Das A.P. Beerta-Institut, 1998)
  • En ook weemoedigheid (Und auch Wehmütigkeit, 1999)
  • Afgang (Abgang, 2000)
  • De dood van Maarten Koning (Der Tod von Maarten Koning, 2000)

Editionsplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Büro 1. Direktor Beerta – 978-3-95732-006-3 (Neuausgabe im Verbrecher Verlag: nach dem Abverkauf der Beck-Ausgabe)
  • Das Büro 2. Schmutzige Hände – 978-3-95732-007-0 (erschienen September 2014)
  • Das Büro 3. Plankton – 978-3-95732-008-7 (erschienen Juni 2015)
  • Das Büro 4. Das A. P. Beerta-Institut – 978-3-95732-009-4 (Herbst 2015)
  • Das Büro 5. Und auch Wehmütigkeit – 978-3-95732-010-0 (Frühjahr 2016)
  • Das Büro 6. Abgang – 978-3-95732-011-7 (Herbst 2016)
  • Das Büro 7. Der Tod des Maarten Koning – 978-3-95732-012-4 (Frühjahr 2017)

Direktor Beerta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maarten Koning nimmt aus Geldnot eines Tages 1957 eine Stelle als wissenschaftlicher Beamter in einem volkskundlichen Büro an, das ihn bis zu seinem Tod nicht mehr aus seinen Fängen entlassen wird. Eigentlich wollte er Lehrer werden oder überhaupt nur zu Hause mit seiner Frau eine lange Ehe führen. Bereits in den ersten Tagen werden die Grundelemente des Büro-Daseins abgesteckt. Maarten Koning arbeitet an der Erforschung der Wichtelmännchen und deren Verbreitung in diversen Gegenden. Zu Hause ist er oft so müde, dass er kaum mit seiner Frau spricht und stattdessen beim Einschlafen still vor sich hin weint.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte beginnt 1957. Maarten, ein etwas kontaktscheuer Zeitgenosse mit großen Idealen, heuert an einem Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur in Amsterdam an, ebenjenem „Büro“, das von einem wendigen, mit allen Wassern gewaschenen, homosexuellen Direktor namens Beerta geleitet wird.

„Beerta sah ihn unbewegt und ein wenig ironisch an. Er verzog den Mund und spitzte die Lippen. ‚Und, weißt du schon, weshalb du hier arbeiten willst?‘ ‚In erster Linie, weil es keinen Anspruch auf irgendetwas erhebt.‘ Seine Antwort überraschte Beerta. Er zog die Augenbrauen hoch. ‚Das bedeutet doch hoffentlich nicht, dass du dir hier kein Bein ausreißen willst?‘ Er stotterte kurz. ‚Nein, so war das nicht gemeint.‘ Beerta sah ihn prüfend an, als ob er sich fragte, was er damit meinte. Maarten lächelte schuldbewusst. ‚Ich werde meine Sache so gut machen, wie es mir möglich ist. So wie ein Tischler einen Schrank macht.‘“

Zu seinen ersten Aufgaben im Büro, einem getreuen Abbild jenes Instituts, an dem Voskuil selbst von 1957 bis 1987 arbeitete, gehört eine Untersuchung über „Wichtelmännchen-Erzählungen“ – nicht eben das, was Maarten sich unter einem seriösen Forschungsthema vorgestellt hat. Doch auch bei den anderen Projekten, mit denen er sich im Büro beschäftigen muss, kann er sich des Spotts seiner Umwelt gewiss sein. So versucht man etwa – weitgehend vergeblich –, in einer großangelegten Feldstudie über den Umgang des Volkes mit der Nachgeburt des Pferdes – wird sie aufgehängt oder vergraben? – sogenannte „Kulturgrenzen“ aufzuspüren. Man erforscht die „Wände des Bauernhauses“, jagt dem „Kornschreck“ nach oder kartiert die „regionalspezifische Bezeichnung des Blitzes“ im Lande. Kurzum, es handelt sich um Projekte, die man dem Steuerzahler besser verschweigt, völlig aus dem Ruder gelaufene Hobbys der Institutsleitung, wie Maarten später einmal einem jungen Kollegen anvertraut. Verteilt über das ganze Land unterhält das Büro ein Netz von „Korrespondenten“, Informanten, die regelmäßig Besuch von den Forschern aus Amsterdam erhalten, um „über früher“ befragt zu werden. Zum Ausgleich für die strapaziöse Feldforschung geht es mehrmals im Jahr nach Antwerpen zum feucht-fröhlichen Gedankenaustausch mit den flämischen Kollegen oder zu den Volkskundlern nach Münster, wo dann feudal im Ratskeller gespeist wird. Höhepunkte des wissenschaftlichen Büro-Jahres sind jedoch die internationalen Konferenzen über den „Europäischen Atlas“, wo man sich mit der internationalen Kollegenschaft über europaweite „Weihnachtsbaum-“ oder „Jahrfeuer-Karten“ streitet, Gerüchte austauscht und, vor allem, Intrigen spinnt.

Maarten kann seiner Arbeit wenig Sinn abgewinnen, doch er tut sie aus einem tiefen Pflichtgefühl heraus. „Als ich bei Herrn Beerta anfing zu arbeiten, fand ich alles, was man hier tat, völlig idiotisch, Unsinn! [...] Es hat Jahre gedauert, bis ich begriff, welcher Gedankengang dahinter steckte und was Beerta eigentlich wollte. Dass sich das schließlich auch als Unsinn herausstellte, war natürlich schon eine Erleichterung, aber ich habe dennoch versucht, in seinem Geiste weiterzuarbeiten, denn dafür war ich eingestellt worden.“ Maarten verbringt seine Tage mit dem Anlegen von Karteikarten über alles, was er nicht versteht und von dem er hofft, es später vielleicht doch einmal zu verstehen, langweilt sich auf zahllosen Sitzungen wissenschaftlicher Museumskommissionen oder heimatgeschichtlicher Arbeitsgruppen, wo er den Wissenschaftler geben muss – und hadert derweil mit seinem Schicksal.

Das Institut wächst mit den Jahren, und nicht immer hat man eine besonders glückliche Hand bei der Auswahl des Personals. Dabei hätte man es bei so manchem Vorstellungsgespräch bereits erahnen können:

„‚Setzen Sie sich, Herr Slofstra‘, sagte Beerta freundlich. ‚Vielen Dank.‘ Er setzte sich, stellte seine Aktentasche neben sich auf den Boden und sah Beerta an. ‚Je parle toutes les langues, exceptée la langue française, parceque c’est une langue très difficile‘, sagte er hart und tonlos, als ob er aus einem Lehrbuch zitierte. ‚Gut so‘, sagte Beerta ungerührt. ‚Das kann Ihnen hier nützlich sein.‘“

Doch die wirklichen Probleme beginnen erst mit der Einstellung von Ad Muller und Bart Asjes. Während der eine bereits kurz nach Dienstantritt von „brennenden Augen“, hartnäckigen „Rachenpusteln“ und anderen ominösen Krankheiten heimgesucht wird, die ihn über Jahre hinweg immer wieder wochenlang ans Krankenlager fesseln, ist der andere eher der Kategorie der Totalverweigerer zuzurechnen: Geschickt versteht er es, Maarten in endlosen Diskussionen über noch den kleinsten Arbeitsauftrag so zu zermürben, dass dieser schließlich aufgibt und seinen Job gleich mit erledigt.

Im Laufe der Zeit kommen weitere Personalprobleme hinzu. Denn auch viele der anderen aus diesem „Haufen von Tölpeln“, mit denen der inzwischen zum Abteilungsleiter aufgestiegene Maarten sich tagtäglich herumschlagen muss, sind alles andere als eine Zierde der Zunft: Wenn sie nicht gerade an einem ihrer (insgesamt eher seltenen) Publikationen herumwerkeln – deren wissenschaftliche Qualität gelegentlich so erbärmlich ist, dass Maarten nur noch durch ein Veröffentlichungsverbot den gröbsten Schaden vom Büro abwenden kann –, feiern sie krank oder hecken Intrigen gegen ihren Chef aus. Dabei wäre Maarten der Allerletzte, der ein solches Verhalten verdient hätte – ein Mann, der sich, wie er selbst findet, um seine Leute stets wie der gute Hirte um seine Schäfchen bemüht hat. Und wie wird es ihm gedankt? Kaum hat Maarten im letzten Band des Zyklus den wohlverdienten Ruhestand angetreten, macht sich seine Abteilung daran, rigoros die Spuren seines Wirkens zu tilgen – bis hin zur unangekündigten Entfernung seines Schreibtisches, den man ihm zunächst noch als eine Art letzte Bleibe belassen hatte.

Während all der Jahre lebt Maarten an der Seite einer Frau, die das, was er tut, rigoros ablehnt. Nicolien, so ihr Name, hatte sich eigentlich ein Leben mit ihm im trauten Heim vorgestellt, in dem man – arm, aber glücklich – den alten, linken Idealen von einem „wahrhaftigen“ Leben nachhängen kann. So passt es ihr gar nicht, dass Maarten den ganzen Tag außer Haus ist und langsam aber sicher Karriere macht – und das lässt sie ihn nur allzu deutlich spüren. Sie kritisiert, dass er sich immer mehr anpasst, immer mehr Geld verdient, immer weiter in der Hierarchie aufsteigt und demzufolge immer mehr arbeiten muss. So löst sich für Maarten auch die letzte Hoffnung allmählich in ein Nichts auf, dass es für ihn auf dieser Welt doch noch irgendwo ein Plätzchen in der Sonne geben könnte.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alter Ego von Maarten: Autor J. J. Voskuil (2001)
  • Im Büro[4]
    • Ansing, Hendrik: Assistent von Dé Haan, früher studentische Hilfskraft, im Gespräch für eine Abteilung „Bäuerliche Sprache und Arbeiten in der Landwirtschaft“
    • Asjes, Bart: zunächst studentische Hilfskraft (Nachfolger von Hein de Boer), später wissenschaftlicher Beamter in der Abteilung von Maarten Koning
    • Balk, Jaap: Leiter der Abteilung „Volksnamen“; später Nachfolger von Direktor Beerta
    • Bavelaar, Jantje: kommt zunächst aus dem Hauptbüro als Vertretung, spätere Nachfolgerin von Teun Nijhuis für die organisatorischen Arbeiten
    • Beerta, Anton P.: Direktor, Schriftführer der Kommission
    • Boer, Hein de: studentische Hilfskraft in der Abteilung von Maarten Koning
    • Bruul, Heidi: studentische Hilfskraft in der Abteilung von Maarten Koning; befreundet mit Ad Muller
    • Bruin, Cor de: Pförtner und Hausmeister
    • Dekker: Telefonist im Hauptbüro
    • Gerbrandy: Hausmeister im Hauptbüro
    • Gruiter, Caspar Paulus de: Bibliothekar im Büro, Nachfolger von Koert Wiegel
    • Haan, Dé / Deetje: Leiterin der Abteilung „Volkssprache“, Stellvertreterin des Direktors
    • Haar, Janter: Angestellter, zuständig für den Schriftwechsel mit den Korrespondenten
    • Haar, van der: Jurist, Schriftführer des Verwaltungsrats des Hauptbüros, später dessen Direktor, Maarten Konings oberster Vorgesetzter
    • Hendrik: siehe Ansing
    • Hindriks: Vertreter von Cor de Bruin als Hausmeister
    • Ieperen, van: Zeichner im Büro
    • Koning, Maarten: wissenschaftlicher Beamter, zuständig für den Atlas der Volkskultur, Leiter der Abteilung „Volkskultur“
    • Leguyt, Lotje: Sekretärin von Jaap Balk
    • Meierink, Geert: Assistent von Jaap Balk
    • Moederman: Nachfolgerin von Teun Nijhuis für die Korrespondentenverwaltung
    • Muller, Ad: studentische Hilfskraft und Nachfolger von Annechien Rensink in der Abteilung von Maarten Koning, studiert Deutsch, befreundet mit Heidi Bruul
    • Nijhuis, Teun: Verwaltungsbeamter im Büro, zuständig für die Korrespondentenverwaltung, Personal und Organisatorisches
    • Papendal: Jurist; Nachfolger von van der Haar
    • Rensink, Annechien: studentische Hilfskraft und Nachfolgerin von Bart Asjes in der Abteilung von Maarten Koning, studiert Niederländisch, später Hendrik Ansings Frau
    • Rentjes, Koos: studentische Hilfskraft bei Jaap Balk
    • Slofstra, Douwe: als Nachfolger für Veerman zunächst zuständig für das Ausschnittarchiv, später für das Karteisystem
    • Stoutjesdijk, Kees: studentische Hilfskraft in der Abteilung von Maarten Koning, zuständig für das Gebiet Volksheilkunde, Nachfolger von Bart Asjes, studiert Medizin
    • Swenker: Buchhalter in der Verwaltung des Hauptbüros
    • Veen, Frans: im Büro angestellt als Nachfolger von Jan ter Haar
    • Veerman: zuständig für das Ausschnittarchiv
    • Veldhoven, Berthe: leitet das Volksmusikarchiv, das dem Büro und der Abteilung von Maarten Koning angegliedert wird
    • Wagenmaker: Mitarbeiterin von Fräulein Veldhoven im Volksmusikarchiv
    • Wiegel, Koert: Bibliothekar
    • Wigbold, Henk: Hausmeister, Nachfolger von de Bruin
  • in der Kommission
    • Beerta, Anton P.: Schriftführer der Kommission, Direktor des Büros
    • Buitenrust Hettema, Karst: Museumsdirektor
    • Hillebrink: Professor
    • Kater, Kaatje: Vorsitzende der Kommission
    • Land, Ritsaert van der: wissenschaftlicher Beamter
    • Stelmaker: Jurist, Professor
    • Vervloet: Professor, Anthropologe
  • weitere Personen
    • Elshout, Jaring: Sammler von Volksliedern
    • Fagel, Henriette: ehemalige Kommilitonin und Freundin von Maarten Koning und Klaas de Ruiter
    • Güntermann, Wolf: deutscher Volkskundler
    • Henriette: siehe Fagel
    • Kasteele, van de: Sammler von Volkserzählungen
    • Kees: Maarten Konings Bruder
    • Klaas: siehe de Ruiter
    • Koning, Klaas: Maarten Konings Vater
    • Koning, Nicolien: Maarten Konings Frau
    • Mannetje, ’t: Vorsitzender des Bauernwagenvereins
    • Meer, Doktor van: Psychiater, behandelt Frans Veen
    • Pieters, G. J. (Staaf): Professor, Stadtdirektor von Antwerpen; zusammen mit Beerta Redakteur der Zeitschrift Ons Tijdschrift, Vorsitzender der Vereinigung für Flämische Volkskultur
    • Ravelli, Karel: Anton Beertas Freund und Lebenspartner
    • Ruiter, Klaas de: Maarten Konings Freund und ehemaliger Kommilitone
    • Seiner: Professor, deutscher Volkskundler
    • Springvloed: Professor, Lehrer von Maarten Koning und verschiedenen im Büro tätigen Studenten
    • Vanhamme, Jan: flämischer Redakteur des Atlas

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederlande

Bereits kurz nach dem Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1996 entwickelte sich der Roman in den Niederlanden zu einem Riesenerfolg. Der Verlag G.A. van Oorschot verkaufte fast 500.000 Exemplare des Werks. Die Leser waren so fasziniert von der Lebensbeichte des kleinen Angestellten Maarten Koning, dass sie sich morgens vor den Buchhandlungen drängten, wenn ein neuer Band der Büro-Saga ausgeliefert wurde. Doch das Heer derer, die Anteil am Leben Maarten Konings genommen haben, dürfte noch um ein Vielfaches größer sein. Ein Theaterstück nach Motiven des Buches war monatelang ausverkauft, und im niederländischen Radio wurde jahrelang eine Hörspielfassung des kompletten Romans gesendet; 2011 startete wegen der regen Nachfrage eine Wiederholung. Als das reale „Büro“ 1998 an den Stadtrand von Amsterdam umzog, wurden auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung in den alten Büroräumen Führungen für Voskuil-Fans veranstaltet. Dabei liefen manche der Mitarbeiter mit Namensschildern herum, auf denen ihr eigener Name und der ihres Roman-Egos standen, und führten kleine Rollenspiele für ihr Publikum auf. Und wer in Amsterdam auf den Spuren Maarten Konings wandeln und die Wege etwa von seiner Schlafhöhle zu seinen beruflichen Wirkungsstätten und von dort zum Markt für den mittäglichen Einkauf der Kartoffeln für Nicolien abschreiten wollte, wurde mit einem „literarischen Stadtführer“ zu J.J. Voskuil bedient.

Um Het Bureau und seinen Helden Maarten Koning kam es zu einem Medienhype, wie ihn die Niederlande noch nicht erlebt hatten. Es gab lange Interviews mit dem Autor in Funk und Presse, die um ausführliche Hintergrundberichte über das reale Büro und dessen „Insassen“ ergänzt wurden, und die Literaturkritik übertraf sich in Lobeshymnen, wenn sie sich nicht verwundert über den Riesenerfolg des Werkes die Augen rieb. Mit Het Bureau war ein Roman zum Bestseller avanciert, der keinen wirklichen Plot kennt, mit einem wenig aufregenden Thema wie dem Alltag in einem Büro aufwartet und der zudem in einer so nüchternen, fast holzschnitzartigen Sprache geschrieben ist, dass sie von Kritikern gelegentlich als „Buchhalterprosa“ verspottet wurde.

Für seinen Het Bureau-Zyklus erhielt J.J. Voskuil in den Niederlanden verschiedene Auszeichnungen, so 1997 den F. Bordewijk-Preis und 1998 den Prix des Ambassadeurs sowie den Libris-Literaturpreis. 2002 nahm die Maatschappij der Nederlandse Letterkunde, eine altehrwürdige literarische Gesellschaft unter Schirmherrschaft der Königin, den gesamten Büro-Zyklus in den „Kanon der niederländischen Literatur“ auf Het Bureau rangiert unter den ersten zehn der 2007 vom NPS und NRC Handelsblad eingerichteten Internet-Bestenliste aller jemals erschienenen niederländischen Bücher.[5]

Der deutsche Übersetzer Gerd Busse liest aus Das Büro (Essen, Grillo-Theater, 2013)

Deutschland

Auch in Deutschland wurde der Roman sehr positiv aufgenommen. Kritische Meinungen bilden nur eine kleine Minderheit in der Fülle der Reaktionen auf den Roman; die weit überwiegende Mehrzahl der Kritiken sind begeistert. Besonders eindrucksvoll zeigt dies eine Kurzbesprechung von Marion Meier in der Aachener Zeitung: „Welch ein grandioses Portrait der verwaltenden Arbeitswelt. Jeder Satz ein Fest der Erkenntnis. Jeder Typus Mensch uns allen bekannt. Ein Ziegelstein voller Weisheit. Voskuil war in den Niederlanden ein Bestseller. Wünschen wir uns für Deutschland desgleichen. Ganz große Literatur.“[6]

Ganz ähnlich sieht dies auch Dirk Schümer in der FAZ: „Wahre Weltliteratur jenseits des Dokumentarischen wird aus dem Büro-Zyklus wie beim lange verkannten Großironiker Kafka erst durch die sarkastische Distanz zwischen dem sinnlosen Alltagstun und einer scheinbar weiseren Philosophie, die sich freilich nie gegen den Trott durchsetzen kann. […] Der Held Voskuil hat diese Hölle durchlebt und sie uns als Literatur geschenkt. Wer wie Hunderttausende Holländer süchtig danach wird, […] muss warten, dass der lobenswerte Beck Verlag die anderen sechs Bände nachlegt. Oder es heißt: für Voskuil Niederländisch lernen, egal in welchem Büro.“[7]

Erscheinungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Het Bureau. G.A. van Oorschot, Amsterdam 1996–2000.
  • Meneer Beerta, 1996
  • Vuile handen, 1996
  • Plankton, 1997
  • Het A.P. Beerta-Instituut, 1998
  • En ook weemoedigheid, 1999
  • Afgang, 2000
  • De dood van Maarten Koning, 2000
  • Das Büro. Direktor Beerta. Beck, München 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lut Missinne e.a.: Het Bureau – Ein Abend mit J.J. Voskuil. Münster: Waxmann, 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Bartmann: Roman-Zyklus „Das Büro“ - Dieses Nichts hat es in sich, Süddeutsche Zeitung vom 29. August 2012
  2. www.das-büro-der-roman.de vom Beck-Verlag
  3. Detlev van Heest: Der Wälzer-König von Amsterdam, in: VOLLTEXT, Ausgabe 3/2014
  4. Personenverzeichnis auf der Website zum Roman, abgerufen am 19. Dezember 2012.
  5. Liste der besten niederländischen Bücher, abgerufen am 14. Januar 2013.
  6. Aachener Zeitung, 18. August 2012.
  7. FAZ, 6. Oktober 2012.