Das Wirtshaus im Spessart

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Zirkelschmied und Goldschmied auf dem Weg zur Herberge (spät. 1869)

Das Wirtshaus im Spessart ist die Rahmenerzählung des dritten Bandes von Wilhelm Hauffs Märchenalmanach, zuerst veröffentlicht als Mærchenalmanach für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf das Jahr 1828 in Stuttgart. Die Veröffentlichung hat Hauff nicht mehr erlebt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Novelle Das Wirtshaus im Spessart, die 1826 von Wilhelm Hauff verfasst wurde, behandelt die Räuberthematik und erzählt die Geschichte der Gesellenwanderung des Goldschmieds Felix.

Während dieser Wanderung kehrt der Goldschmied eines Abends zusammen mit dem Zirkelschmied, mit dem er unterwegs ist, in ein Gasthaus ein, in dem er auf den Studenten und den Fuhrmann trifft. Dieses Gasthaus befindet sich im Spessart, der berüchtigt ist für Raubüberfälle. Deshalb beschließen die vier Männer erst gar nicht schlafen zu gehen, um nicht ausgeraubt zu werden. Daher erzählen sie sich gegenseitig vier Märchen, um wach zu bleiben. Gegen 22:00 Uhr kommt eine Gräfin zusammen mit ihrem Jäger und ihrer Hofdame ins Gasthaus. Die Männer unterrichten den Jäger von der drohenden Gefahr. Deswegen geht die Gräfin mit ihrer Dame auf ein Zimmer und der Jäger gesellt sich zu den Männern, um im Falle eines Angriffs bessere Verteidigungschancen zu haben.

Nach Mitternacht kommen tatsächlich die Räuber vorbei. Allerdings haben es diese nur auf die Gräfin abgesehen. Die Räuber wollen sie entführen, sodass ihr Ehemann sie freikaufen muss. Der junge Goldschmied, der noch klein ist und keinen Bart hat, kommt auf die Idee, sich als die Gräfin zu verkleiden und statt ihrer zu gehen. Der Jäger und der Student lassen sich mit dem jungen Goldschmied gefangen nehmen und begleiten ihn.

Während die Gräfin unbeschadet zurück nach Hause fährt und der Fuhrmann den Weg fortsetzt, werden die drei Gefangenen zum Lagerplatz der Räuberbande gebracht. Nachdem sie dort fünf Tage ausgeharrt haben, kommt der Räuberhauptmann zu ihnen und erklärt ihnen, wie ernst die Lage sei. Der Graf zahle das Lösegeld nicht, weshalb der Hauptmann dazu gezwungen sei, der Gräfin Schmerzen zuzufügen. Es scheint dem Räuberhauptmann jedoch unmöglich, die Gräfin in Gefahr zu setzen, da er sie sehr achtet. Daher schlägt er den Gefangenen vor, zusammen mit ihnen zu fliehen, sobald es dunkel wird. So wandern der Goldschmied, der Jäger, der Student und der Hauptmann die ganze Nacht hindurch. Als es hell wird, treffen die Fliehenden auf fünf Soldaten. Unter denen ist ein Major, der den Jäger wiedererkennt. So bringt dieser Major den bekannten Jäger und seine Mitreisenden sicher nach Aschaffenburg, wo der Graf verweilt.

Am selben Tag noch fahren der Graf, der Jäger und der Goldschmied zu seinem Schloss, wo die Gräfin auf gute Nachrichten von ihrem Retter wartet. Dementsprechend ist die Freude groß, als sie den Goldschmied sieht. Sie bittet ihn, seine Kleidung und seinen Sack, mit dem sie sich verkleidet hatte, um nicht von den Räubern als die wahre Gräfin entdeckt zu werden, behalten zu dürfen. Er erlaubt ihr dies. Jedoch bittet er das Geschenk seiner Patin, die er zuvor noch nie gesehen hat, behalten zu dürfen. Dieses will er ihr auf seiner Wanderung vorbeibringen. Die Gräfin schaut sich das Geschenk an und ist sehr überrascht, als sie es wiedererkennt. Es sind die Steine, die sie ihrem Patensohn, der auch Goldschmied ist und diese für sie bearbeiten sollte, selbst geschickt hat. Daher steht niemand Geringeres als ihr Patensohn vor ihr, der ihr das Leben gerettet hat. Die Gräfin nimmt ihren Patensohn zum Dank in die Familie auf, und als er von seiner Wanderung zurückkommt, richtet sie ihm ein vollständiges Haus in Nürnberg ein.

Hintergrund und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauff verfasste die Erzählung auf der Grundlage älterer, trivialer Räuberromane. In die Erzählung eingebettet sind die Erzählungen Die Sage vom Hirschgulden, Das kalte Herz (in zwei Abteilungen), Saids Schicksale und Die Höhle von Steenfoll.

Die Vossische Zeitung veröffentlichte am 18. November 1927 den Reisebericht Das Wirtshaus im Spessart von Kurt Tucholsky unter dessen Pseudonym Peter Panter.

Bereits 1923 verfilmte Adolf Wenter den Stoff im Film Das Wirtshaus im Spessart.

Der Regisseur Kurt Hoffmann drehte 1957 den Spielfilm Das Wirtshaus im Spessart frei nach Hauffs Erzählung, der am 15. Januar 1958 uraufgeführt und einer der erfolgreichsten deutschen Filme der 1950er Jahre wurde. Mit Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle wurde der Film ein Sensationserfolg. Diesem folgten dann noch die Filme Das Spukschloß im Spessart (1960) und Herrliche Zeiten im Spessart (1967) ebenfalls mit Liselotte Pulver. Diese Filme waren nicht mehr an Motive von Wilhelm Hauff angelehnt. Der 1981 erschienene sowjetische Märchenfilm Märchen in der Nacht erzählt kombiniert die Märchen Das kalte Herz und Das Wirtshaus im Spessart in Form von erzähltem Märchen und Rahmenhandlung.

Alte Post in Hessenthal

Aufführungen einer Bearbeitung für das Theater finden in unregelmäßigen Abständen auf der Freilichtbühne am Wasserschloss Mespelbrunn nahe dem Originalschauplatz statt. Als Vorlage für das Wirtshaus in der Erzählung wird das Gasthaus Alte Post in Mespelbrunn-Hessenthal vermutet, in dem Wilhelm Hauff sehr wahrscheinlich auf seiner Reise von Nördlingen nach Frankfurt im Jahre 1826 Station gemacht haben dürfte. Auch passt die Beschreibung als „langes, aber niedriges Haus“. Das ebenfalls als Vorbild gehandelte Wirtshaus in Rohrbrunn, welches der Autobahn 3 weichen musste, war seit 1820 keine Poststation mehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Böhn: Ökonomisches Wissen in Wilhelm Hauffs zyklischer Rahmenerzählung »Das Wirtshaus im Spessart«. In: ZfGerm. N. F. 16, 2006, Heft 3, S. 504–512.
  • Robert Gernhardt, Gerhard C. Krischker: Das Wirtshaus im Spessart. Kleebaum Verlag, Bamberg 1996, ISBN 3-930498-10-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Das Wirtshaus im Spessart – Quellen und Volltexte