David Abulafia

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David Abulafia

David Samuel Harvard Abulafia, FBA (* 12. Dezember 1949 in Twickenham, England) ist ein britischer Historiker. Er ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der University of Cambridge und Mitglied („Fellow“) des Gonville and Caius College in Cambridge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abulafia entstammt einer alten sephardischen Familie, die nach der Vertreibung der Juden aus Spanien um 1492 nach Galiläa umsiedelte und dort seit vielen Generationen in Tiberias lebte. Seine Frau, Anna Sapir Abulafia, ist eine angesehene Historikerin für jüdisch-christliche Beziehungen. Abulafia erhielt seine Schulbildung auf der St. Paul's School und dem King's College in Cambridge.

Er hat mehrere Bücher über mittelalterliche Geschichte publiziert und den 5. Band der New Cambridge Medieval History herausgegeben. Sein Buch über die Geschichte des Mittelalters wurde in sechs Sprachen übersetzt, u.a. in das Deutsche. Er hielt Vorlesungen in verschiedenen Ländern, z. B. in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, den USA, Japan, Israel, Ägypten und in Deutschland.

Sein bedeutendstes Buch ist Frederick II: a medieval emperor, das auch in deutscher und italienischer Übersetzung erschienen ist, aber wegen seiner kritischen Betrachtung Kaiser Friedrichs II. unterschiedlich beurteilt wird. Abulafia wurde in Anerkennung seiner Werke über die italienische, besonders sizilianische, Geschichte vom italienischen Präsidenten zum Commendatore dell'Ordine della Stella della Solidarietà Italiana ernannt. Er hat auch über Spanien, speziell die Balearen geschrieben und sich mit der ökonomischen Geschichte des Mittelmeeres und der Begegnung der drei abrahamitischen Religionen im Mittelmeerraum beschäftigt.

Er ist der Vorsitzende der Organisation Historians for Britain, die sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU einsetzt. Abulafia argumentiert, dass der Prozess der Europäischen Integration ein Mythos ist, der keine anderen Visionen des Zusammenlebens in Europa zulässt.[1] Zusätzlich spricht er vom "distinktiven Charakter" der britischen Geschichte, der Großbritannien vom Rest Europas unterscheidet, basierend auf der langen, ununterbrochenen Entwicklung seit dem Mittelalter.[2]

Seit 2002 ist er ordentliches Mitglied der Academia Europaea.[3] 2010 wurde er Fellow der British Academy.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien

  • The Two Italies. Economic relations between the Norman Kingdom of Sicily and the northern communes. 1977.
  • Italy, Sicily and the Mediterranean, 1100–1400. 1987.
  • Frederick II. A medieval emperor. London / New York 1988, 3. Auflage 2001.
    • Deutsche Übersetzung: Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen. Siedler Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-88680-354-6 (Rezension).
  • Spain and 1492: unity and uniformity under Ferdinand and Isabella. 1992.
  • Commerce and Conquest in the Mediterranean, 1100–1500. 1993.
  • A Mediterranean Emporium: the Catalan Kingdom of Majorca. 1994.
  • The Western Mediterranean Kingdoms, 1200–1500. The Struggle for Dominion. 1997.
  • Mediterranean Encounters, Economic, Religious and Political, 1100–1550. 2000.
  • The Great Sea. A Human History of the Mediterranean. 2011.

Herausgeberschaften

  • mit M. Rubin and M. Franklin: Church and City, 1000–1500. Studies in honour of Christopher Brooke. 1992.
  • The French descent into Renaissance Italy, 1494–95. Antecedents and effects. 1995.
  • mit B. Garí: En las costas del Mediterráneo occidental. Las ciudades de la Peninsula Ibérica y del reino de Mallorca y el comercio mediterráneo en la Edad Media. Barcelona 1997.
  • The New Cambridge Medieval History. Bd. 5, c. 1198–1300. 1999.
  • mit N. Berend: Medieval Frontiers: concepts and practices. 2002.
  • The Mediterranean in History. 2003.
    • Deutsche Übersetzung: Das Mittelmeer, Kultur und Geschichte. Belser, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-7630-2418-6.
  • Italy in the Central Middle Ages. 2004.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Abulafia: The EU is in thrall to a historical myth of European unity, Daily Telegraph, 26. Februar 2015.
  2. http://www.historytoday.com/david-abulafia/britain-apart-or-part-europe
  3. Mitgliederverzeichnis: David Abulafia. Academia Europaea; abgerufen am 24. Oktober 2017 (englisch).
  4. Fellows: David Abulafia. British Academy; abgerufen am 24. Oktober 2017 (englisch).