Derwitzer Apparat

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Derwitzer Apparat
Lilienthal mit dem Derwitzer Gleiter im Frühjahr 1891
Typ: Experimental-Gleitflugzeug
Entwurfsland: Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Hersteller:

Maschinenfabrik Otto Lilienthal

Erstflug: 1891
Indienststellung: 1891
Produktionszeit: 1891
Stückzahl: 1

Der Derwitzer Apparat oder Derwitzer Gleiter war ein Gleitflugzeug, das von Otto Lilienthal entwickelt und 1891 vom Frühjahr bis zum Herbst geflogen wurde. Der Name bezieht sich auf den Ort Derwitz in Brandenburg, in dessen Nähe Lilienthal seine Gleitflüge durchführte.

Der Derwitzer Gleiter war das weltweit erste manntragende „schwerer als Luft“ Fluggerät, mit dem von Otto Lilienthal, Hugo Eulitz und anderen reproduzierbar gesteuerte Gleitflüge bis zu 25 Meter Weite durchgeführt wurden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In theoretischen Vorarbeiten und naturwissenschaftlichen Experimenten entwickelte Lilienthal Vorstellungen, wie ein Tragflügel für einen manntragenden Gleitflug hinsichtlich Spannweite, Flügeltiefe und Wölbung zu dimensionieren ist.[1] Vor 1891 baute Lilienthal mehrere Flugapparate (Tragflügel) unterschiedlicher Größe, mit denen er Stehversuche im Wind und Sprünge von einer Rampe durchführte.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flügel des Derwitzer Apparats hatten zwei Holme aus starken Weidenruten mit je Tragflächenseite 14 senkrecht dazu angeordneten gekrümmten Rippen. Die Bespannung war in lackiertem Schirting ausgeführt.[2] Die Flügelhälften wurden auf ein Holmkreuz aus Vierkanthölzern gesteckt. Gleichzeitig diente dieses Kreuz dem Piloten dazu, das Gerät mit den Unterarmen zu tragen. Zur Stabilisierung der Fluglage war von Anfang an eine vertikale Schwanzfläche vorgesehen; sie wurde im Zuge der Flugversuche um eine horizontale Fläche ergänzt.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Gleiter wurden ab Frühjahr 1891[3] bis in den Herbst des gleichen Jahres zahlreiche Gleitflüge aus 5 bis 6 Meter Höhe durchgeführt, bei denen Flugweiten zwischen 20 und 25 Meter erreicht wurden.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Lilienthal brachten die Gleitflüge neben der Bestätigung seiner theoretischen Vorarbeiten viel Flugerfahrung, die er beim Bau verbesserter Gleiter umsetzte. Er schreibt 1892: „Durch die vorjährigen Erfahrungen bereichert, versuchte ich in diesem Jahr den Segelflug mit Flügeln bis zu 16 m² Fläche.“[2]

Der französische Luftfahrtpionier Ferdinand Ferber schrieb 1905 nachbetrachtend zu Lilienthals Flügen mit dem Derwitzer Gleiter:

„Seit der Deutsche Lilienthal 1891 die ersten fünfzehn Meter in der Luft zurückgelegt hat, sind die Flieger im Besitz einer Methode, mit der sie arbeiten können.“

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derwitzer Gleiter[5]

  • Spannweite: 7,6 m (später 5,5 m)
  • Flügeltiefe: 1,7 m
  • Flügelfläche: ca. 10 m² (später 8 m²)
  • Flügelwölbung: 1/10 der Flügeltiefe
  • Länge: 3,90 m
  • Gewicht: 18 kg
  • maximale Flugweiten (von Lilienthal erreicht): 25 m

Steuerung durch Gewichtsverlagerung; starres Höhen- und Seitenleitwerk.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den verschiedenen Flugzeugkonstruktionen Lilienthals sind neben dem Derwitzer Apparat acht weitere fotografisch belegt. Tatsächlich erhalten sind aber nur mehrere Exemplare des Normalsegelapparats und der sogenannte Sturmflügel.[5] Nachbauten des Derwitzer Apparats sind als Exponate im Deutschen Segelflugmuseum, im Otto-Lilienthal-Museum und im Technikmuseum Berlin ausgestellt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Georg Dachner: Otto Lilienthals erste Flugversuche in Derwitz/Krielow. In: Heimatkundliche Blätter. Heft 41, Juli/August. Publikation des Arbeitskreises Stadtgeschichte im Brandenburgischen Kulturbund e. V., Brandenburg an der Havel 2015, S. 10–20 (lilienthal-museum.museumnet.eu [PDF; abgerufen am 23. August 2015]).
  • Ferdinand Ferber: Les Progrès de l’aviation depuis 1891 par le vol plané. Berger-Levrault & Cie, Paris Nancy 1905 (j2mcl-planeurs.net [PDF]).
  • Otto Lilienthal: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik. R. Gaertners Verlagsbuchhandlung, Berlin 1889, ISBN 3-9809023-8-2 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv, Digitalisat [abgerufen am 30. August 2017] Reprint der Originalausgabe, Friedland 2003).
  • Stephan Nitsch: Vom Sprung zum Flug. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1991, ISBN 3-327-01090-0.
  • Derwitzer Apparat 1891. In: Die Flugzeugkonstruktionen Lilienthals. Otto Lilienthal Museum; abgerufen am 23. August 2015.
  • Werner Schwipps: Der Mensch fliegt. Lilienthals Flugversuche in historischen Aufnahmen. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1988, ISBN 3-7637-5838-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Derwitzer Gleiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst.
  2. a b Der Mensch fliegt. S. 46 ff.
  3. Otto Lilienthals erste Flugversuche in Derwitz/Krielow. S. 10 ff.
  4. Les Progrès de l’aviation depuis 1891 par le vol plané. S. 4.
  5. a b Übersicht der Flugzeugkonstruktionen Lilienthals im Otto Lilienthal Museum Derwitzer Apparat 1891