Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
DGUV-Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1. Juni 2007
Sitz Berlin
Branche Sozialversicherung
Website www.dguv.de

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, abgekürzt DGUV, ist der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen. Er entstand am 1. Juni 2007 durch Zusammenlegung des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) und des Bundesverbands der Unfallkassen (BUK).[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DGUV ist der gemeinsame Spitzenverband für die neun gewerblichen Berufsgenossenschaften und die 27 Unfallkassen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen versichern zusammen siebzig Millionen Menschen gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten.[1]

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist ebenso wie ihre Vorgängerorganisationen als rechtsfähiger Verein organisiert. Mitglieder dieses Vereins sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen. Der Verband gliedert sich in die sechs rechtlich unselbständigen Landesverbände Nordwest, Nordost, West, Mitte, Südwest und Südost.[2]

Der Verband hat seinen Sitz in Berlin. In Sankt Augustin und München existieren Verwaltungsstandorte, weitere Einrichtungen befinden sich in Bad Hersfeld, Bochum, Hennef (Sieg) und Dresden. Vorsitzende des Vorstands sind derzeit Manfred Wirsch und Rainhardt von Leoprechting. Der Vorsitz wird alternierend ausgeübt und wechselt nach einem Jahr.[3]

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Politischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Fusion kamen HVBG und BUK weitergehenden Plänen der Politik zuvor: Bundesregierung und Bundesländer hatten im Sommer 2006 angekündigt, die Verbände zum 1. Januar 2008 zwangsweise zu einer staatlich kontrollierten Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammenzuschließen. Die von der Politik geplante Spitzenkörperschaft sollte die Befugnis erhalten, „für alle Unfallversicherungsträger verbindliche Entscheidungen zu treffen und zwischen den Trägern einen Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitswettbewerb zu organisieren.“[4] Zudem sollten ihr gemeinsame Angelegenheiten der Unfallversicherungsträger übertragen werden, „die besser und effizienter zentral erledigt werden können.“[4] Die Errichtung dieser Spitzenkörperschaft nach dem Vorbild der Deutschen Rentenversicherung Bund hätte die Befugnisse der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen empfindlich beschnitten und den staatlichen Einfluss auf die gesetzliche Unfallversicherung deutlich erhöht. Sowohl die Gewerkschaft Verdi[5] als auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände[6] sprachen deshalb von einer geplanten „feindlichen Übernahme“ der Berufsgenossenschaften durch die öffentliche Hand.

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DGUV betreibt drei Institute für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

DGUV-Akademie, Hochschule und Studieninstitut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademie Hennef der DGUV, Luftaufnahme 2017

Die DGUV unterhält eine eigene Weiterbildungseinrichtung, die DGUV Akademie, Hochschule und Studieninstitut[7] mit Einrichtungen in Bad Hersfeld und in Hennef. Diese ging zum 1. Januar 2007 hervor aus den beiden Vorläuferorganisationen, der Berufsgenossenschaftlichen Akademie in Hennef und dem Bildungszentrum des BUK in Bad Hersfeld.[8] Der Schwerpunkt der Ausbildung an der Hochschule der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und der DGUV-Akademie liegt in der Verwaltungslehre und im Sozialrecht, insbesondere der Rehabilitation; sie wendet sich an eigene Mitarbeiter und an das Personal anderer Sozialverwaltungsträger.[8]

Personal- und Arbeitsvermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DGUV job, der Personal- und Arbeitsvermittlungsdienst der DGUV für Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, vermittelt Versicherte, die nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit einer Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung bedürfen.

Fachzeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 gibt die DGUV eine eigene Fachzeitschrift heraus, das DGUV Forum. Sie erscheint zehnmal im Jahr und enthält Beiträge für Praktiker und Wissenschaft.

German Paralympic Media Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung vergibt seit 1999, mit Ausnahme von 2014, jährlich den German Paralympic Media Award.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b DGUV: Neuer Spitzenverband für gewerbliche Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Pressemeldung vom 28. Juni 2007
  2. DGUV: Landesverbände der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Abgerufen am 13. August 2017.
  3. DGUV: Neue Vorsitzende der DGUV gewählt. Pressemeldung vom 18. Juni 2014
  4. a b Eckpunkte zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung vom 26. Juni 2006. S. 6. (PDF-Datei, offline)
  5. Verdi:Verdi bekräftigt Kritik an Reformvorschlägen der Unfallversicherung. Pressemitteilung vom 11. September 2006.
  6. Kritik an Unfallversicherungsreform – Arbeitgeber fürchten ‚feindliche Übernahme‘ durch den Staat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Juni 2006.
  7. DGUV: Organisation und Geschäftsführung der DGUV Akademie, Hochschule und Studieninstitut. Abgerufen am 28. August 2015
  8. a b DGUV: Die DGUV-Akademie. Abgerufen am 20. April 2015