Deutscher Soldatenfriedhof Vladslo

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Blick durch das Trauernde Elternpaar von Käthe Kollwitz über das Gräberfeld zum Eingangsgebäude des deutschen Soldatenfriedhofes Vladslo

Der deutsche Soldatenfriedhof Vladslo ist ein Ehrenfriedhof in Vladslo, Provinz Westflandern, Belgien. Er ist eine Ruhestätte für 25.645 gefallene deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges.[1] Er steht durch einen Ministerialerlass vom 18. März 1997 unter Denkmalschutz.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die parkartige Anlage liegt rund 20 Kilometer südlich von Ostende an der Straße Diksmuide-Beerst-Torhout. Etwa fünf Kilometer ostwärts von Beerst zweigt ein Weg nach links ab und führt nach wenigen hundert Metern zum deutschen Soldatenfriedhof.[3]

Sammelfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedhof wurde ab 1917 von deutschen Truppen während der Etappe angelegt. Nach Kriegsende waren 3.233 Gefallene bestattet. 1954 vereinbarte man, die insgesamt 128 durch den Kriegsverlauf verstreut liegenden kleinen deutschen Soldatenfriedhöfe Westflanderns zusammenzulegen. Zwischen 1956 und 1958 wurden die deutschen Gefallenen daher auf vier deutschen Soldatenfriedhöfen in Westflandern zusammengeführt, in Langemark, Menen, Hooglede und Vladslo.[4]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begräbnisstätte Vladslo

Man betritt die Ruhestätte durch einen kleinen Eingangsbau. Von dort blickt man auf die zweiteilige Figurengruppe Trauerndes Elternpaar von Käthe Kollwitz. Die beiden parallel zueinander angeordneten Figuren knien auf Steinsockeln und tragen die Gesichtszüge von Käthe und Karl Kollwitz. Die Augen der männlichen Figur sind auf das Grab des Sohnes Peter Kollwitz gerichtet, dem die Skulptur gewidmet ist. Ursprünglich war die Figurengruppe dreiteilig konzipiert,[5] wobei die Peter Kollwitz darstellende Skulptur mittig, längs, zwischen und vor den beiden Elternfiguren positioniert werden sollte.[6]

Die beiden Figuren aus belgischem Granit wurden am 23. Juli 1932 nach vielen Widerständen und Diskussionen in Anwesenheit der Künstlerin und ihres Ehemannes zunächst auf dem deutschen Soldatenfriedhof bei Esen-Roggeveld aufgestellt. 1958, als die Gefallenen umgebettet wurden, transportierte man die Skulpturengruppe zur Kriegsgräberstätte Vladslo. Das Kunstwerk gehört zu den bekanntesten Friedhofskunstwerken und gilt als bildhauerisches Hauptwerk der Künstlerin, das sie innerhalb von 18 Jahren, 1914 bis 1932, geschaffen hat.[7]

Das Grabfeld selbst ist mit Rasen bewachsen und wirkt mit seinem hohen Baumbestand wie eine weitläufige Parkanlage. Die strenge Geometrie der in Reihe liegenden Grabsteine aus belgischem Granit wird durch eine zuweilen in die Fläche gestreute Gruppe aus Sandsteinkreuzen aufgelockert.

Der Soldatenfriedhof wurde 2016 nach Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet.[8]

Beigesetzte Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Völkerverständigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedhof hat jährlich bis zu 70.000 Besucher.[9] Im Jahr 2007 wurden die Geschwister André, Gerard und Maria Museeuw geehrt, die den Friedhof fünfzig Jahre lang gepflegt hatten.[10]

Das Lied „Vladslo“ des flämischen Sängers Willem Vermandere bezieht sich auf diesen Friedhof.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Bernhard Sendker: Auf Flanderns Feldern gefallen. Deutsche und ihr Verhältnis zum Ersten Weltkrieg. 2., völlig überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Der Andere Verlag, Tönningen u. a. 2005, ISBN 3-89959-366-9.

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutscher Soldatenfriedhof Vladslo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webpräsenz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für Vladslo.
  2. routeyou
  3. Internetseite des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für Vladslo.
  4. Schlachtfelder in Flandern. In: Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V., auf: zum.de
  5. Liegender toter Soldat (Memento des Originals vom 27. September 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kollwitz.de. In: Käthe Kollwitz Museum Köln, auf kollwitz.de
  6. Silke Ballweg: Das Leben der Käthe Kollwitz. In: Deutschlandfunk, 30. Januar 2017, auf: deutschlandfunk.de
  7. Ulrich Grober: Das kurze Leben des Peter Kollwitz. Bericht einer Spurensuche. In: Die Zeit, 22. November 1996, auf: zeit.de
  8. Deutscher Soldatenfriedhof von Vladslo wiedereröffnet. In: vrtNWS, auf: vrt.be
  9. Daniela Lehmann: Baustelle in Belgien. Volksbund renoviert Langemark und Vladslo. In: frieden. Bd. 91, Nr. 1, April 2015, ISSN 2196-4734, S. 19, (Digitalisat (PDF; 2,26 MB)).
  10. Maurice Bonkat, Dorothee Reining: Der Schlüssel zum Friedhof. 50 Jahre Kriegsgräberstätte Vladslo. In: Stimme & Weg. Arbeit für den Frieden. Bd. 84, Nr. 1, 2008, ISSN 0944-2766, S. 8–9, (Digitalisat (PDF; 2,68 MB)).
  11. Willem Vermandere: Vladslo, flämischer Liedtext und deutsche Übersetzung, auf: songtext-ubersetzung.com

Koordinaten: 51° 4′ 12″ N, 2° 55′ 40″ O