Deutsches Kalisyndikat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Deutsches Kalisyndikat GmbH)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Deutsche Kalisyndikat GmbH (kurz: Kalisyndikat) war ein deutsches Wirtschaftskartell der Kali-Industrie. Es wurde am 16. Oktober 1919 als Zwangssyndikat infolge des Kaliwirtschaftsgesetzes vom 24. April 1919 gegründet[1] und bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Wurzeln reichen fast 30 Jahre zurück bis 1890, als in Staßfurt-Leopoldshall, dem Geburtsort des Kalibergbaus in Deutschland, das „Deutsche Kalisyndikat“ gegründet wurde. Es war dort bis 1910 tätig, bevor es nach Berlin verlagert wurde.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Förderquoten des Kalisyndikats im Jahr 1928.
Unternehmen Quote in %
Wintershall AG 38,58
Dr. W. Sauer-Werke 2,51
Salzdetfurth
– Aschersleben
– Westeregeln
21,66
Burbach-Gumpel 16,78
Kali-Chemie AG 3,95
Deutsche Solvay-
Werke
2,22
Mansfeld-Einigkeit 5,11
Preussag AG 5,95
Anhaltische Salzwerke, Leopoldshall 3,12
Siegelmarke Kaliprüfungsstelle

Erste Preisabsprachen in der Kaliindustrie gab es bereits in den Jahren nach 1860. Vorläufer war die durch ein Reichsgesetz vom 24. April 1910 gegründete „Kalisyndikat GmbH“, deren Name beibehalten wurde.

Der Sitz des ersten „Deutschen Kalisyndikats“ 1890 befand sich in Leopoldshall, zu ihm gehörten 13 Kaliwerke. Sie hatten sich zusammengeschlossen, um „der Preisdrückerei und Verschleuderung der Kalisalze vorzubeugen bzw. Einhalt zu tun und Gewinn und Absatz der Salze für fabrikatorische und landwirtschaftliche Zwecke den Bedürfnissen des Marktes entsprechend zu regeln“.[3] 1910 wurde es von Leopoldshall nach Berlin verlagert.

Das Syndikat legte Preise, Löhne sowie Förderquoten fest und betrieb Exportförderung. Die größten Mitglieder waren die Wintershall AG, die Gruppe Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln, die Burbach Kaliwerke AG und die Preussag AG.

Es wurde der „Reichskalirat“ gebildet, der von der Regierung berufen wurde und sich aus Vertretern der Kaliunternehmen, der Reichsländer, des Handels, der Verbraucher und der Arbeitnehmer zusammensetzte.

Bis nach dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland ein Weltmonopol für Kali. Durch die Abtretung Elsaß-Lothringens wurde Frankreich ein großer Kaliproduzent. Den dadurch entstandenen Preiskampf beendete man im Frühjahr 1926 durch den Vertrag von Lugano und den deutsch-französischen „Kalivertrag“ von Paris Ende 1926. Dabei wurde der Export im Verhältnis 70:30 zugunsten Deutschlands aufgeteilt. 1930 zerfiel dieses Kartell infolge der Weltwirtschaftskrise.

Zwischen 1919 und 1921 wurden alle deutschen Kaliproduzenten durch staatliche Gesetze gezwungen, dem Syndikat beizutreten. Ziel war es unter anderem, den Export zu Schleuderpreisen zu unterbinden.

Die Festlegung der Förderquoten hatte eine starke Konzentrationswelle zur Folge. Kleinere Kaliwerke wurden von den großen Gesellschaften aufgekauft um deren Förderquote zu übernehmen, und anschließend stillgelegt. Gleichzeitig wurden die leistungsfähigen Werke umfassend modernisiert und rationalisiert, um die ihnen zugestandenen Quoten mit minimalen Kosten zu produzieren. Zwischen 1926 und 1933 wurden so 125 von 229 Schachtanlagen stillgelegt. Die Zahl der Förderschächte sank von 175 im Jahr 1914 auf 38 im Jahr 1933. Zwischen 1922 und 1933 sank die Zahl der Beschäftigten von 48.700 auf 12.000.

1933 wurde das Reichskaligesetz („Kaliwirtschaftsgesetz vom 18. Dezember 1933“, Reichsgesetzblatt 1933, II, S. 1027) erlassen. Gemäß § 3 dieses Gesetzes hatten sich alle Kalibergwerksbesitzer zu einer Vertriebsgemeinschaft (Kalisyndikat) zusammenzuschließen. Gesellschafter konnten nur Kalibergwerksbesitzer, Besitzer einer Sonderfabrik und bestimmte andere Kalierzeuger sein. Gemäß § 59 des Gesetzes galt das bereits seit 1919 bestehende Kalisyndikat als der in diesem neuen Gesetz geforderte Zusammenschluss. Sitz der Gesellschaft „Deutsches Kalisyndikat, Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ und ihrer Verwaltung war nach wie vor in Berlin. Sogenannte Propaganda-Geschäftsstellen des Deutschen Kalisyndikats gab es in 18 deutschen Städten sowie in Kairo, Kapstadt und Tokio.

Mit dem Kaliwirtschaftsgesetz von 1933 (gemäß § 44) sicherte sich der Reichswirtschaftsminister die Oberaufsicht über die deutsche Kaliwirtschaft. Dieser wurde dadurch ermächtigt, Eingriffe in die Gestaltung des Gesellschaftsvertrages des Syndikats vorzunehmen. Weiterhin hatte er direkten Einfluss auf die Preisgestaltung der Kaliprodukte, der Lieferverträge sowie der Beteiligungsziffern der einzelnen Kaliproduzenten.

Nach dem Einbruch durch die Weltwirtschaftskrise stieg die Produktion wieder enorm an, von 2000 Tonnen im Jahr 1930 auf 120.000 Tonnen im Jahr 1939.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Syndikat auf Weisung der Alliierten aufgelöst. Nachfolger wurde die „Verkaufsgemeinschaft Deutscher Kaliwerke“.

Weitere Kali-Syndikate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am 21. Januar 1930 gegründete Interessengemeinschaft der Deutschen Kaliindustrie G.m.b.H. verfolgte die Interessen der Gesellschafter der Kali-, Steinsalz-, Brom-, Chlormagnesium- und Bittersalz-Industrie. Auch die nachfolgend aufgelisteten weiteren Kalisalz-Syndikate bestanden bis 1945:

Name des Syndikats Gründungsdatum Gegenstand des Unternehmens Anzahl der Mitgliedsunternehmen
Deutsches Steinsalz-Syndikat G.m.b.H. 21. Januar 1930 Regelung und Förderung des in- und ausländischen Absatzes von Steinsalz 16
Deutsches Bittersalz-Syndikat G.m.b.H. 21. Januar 1930 Regelung und Förderung des in- und ausländischen Absatzes von Bittersalz 7
Deutsches Brom-Syndikat G.m.b.H. 21. Januar 1930 Regelung und Förderung des in- und ausländischen Absatzes von flüssigem Brom, Bromeisen sowie Brom zur Herstellung von Antiklopfmitteln 7
Deutsches Chlormagnesium-Syndikat G.m.b.H. 21. Januar 1930 Regelung und Förderung des in- und ausländischen Absatzes von Chlormagnesium und Chlormagnesiumlauge, ausgenommen das wasserfreie Chlormagnesium 7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch rückwärts geordnet:

  • Ernst Laue: Staßfurt - Wiege des Kalibergbaus. Zaltbommel (Niederlande) 2010, ISBN 978-90-288-6614-0.
  • Bergmannsverein „Staßfurt, Wiege des Kalibergbaus“ e.V. (Hrsg.): 150 Jahre Salzbergbau 1852–2002. 2 Broschüren im Schuber, Staßfurt 2002, ohne ISBN.
  • Ernst Laue: Leopoldshall wie es früher war. Vom Ort einer Saline zum Stadtteil Staßfurt. Wartberg Verlag 2001, ISBN 3-86134-826-8.
  • Emil Baumecker: Leopoldshall, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung. Festschrift anlässlich des 25jährigen Bestehens der St. Johanniskirche. Leopoldshall 1901. 1993 als erweiterter Reprint veröffentlicht von Hartmut Wiest, Staßfurt-Leopoldshall. ISBN 3-930207-00-1.
  • Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, ISBN 3-928703-06-4.
  • Handbuch der Kali-Bergwerke, Salinen und Tiefbohrunternehmungen. Finanz-Verlag G.m.b.H., Berlin 1936.
  • B. Kartelle, Syndikate und ähnliche Vereinigungen. 3. Kalisyndikat. In: Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie. Bericht der Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin. Jahrgang 1909. Georg Reimer, Berlin 1910, V. Wirtschaftliche Entwicklung in Berlin., S. 166–170 (booksnow1.scholarsportal.info [PDF; 60,1 MB; abgerufen am 22. Oktober 2015]).
  • Erich Lierke:[4] Düngung der Blumen. Eine kurze Anleitung zur zweckmäßigen Düngung der Ziergärten, Topf- und Zimmerpflanzen. Kalisyndikat G.m.b.H. (Hrsg.), 28 Seiten, davon 16 Schwarzweißtafeln, 12 cm × 17,5 cm. Leopoldshall-Staßfurt 1906.
  • Kaliverbrauch in der Deutschen Landwirtschaft 1890 bis 1902. Herausgegeben vom Verkaufssyndikat der Kaliwerke, Statistisches Bureau, Leopoldshall – Staßfurt. Buchdruckerei von Carl Trippo, 59 Seiten, Staßfurt 1903.
  • Die Kalisalze und ihre Verwendung in der Deutschen Landwirtschaft. Herausgegeben vom Verkaufssyndikat der Kaliwerke, Agrikultur-Abteilung, Leopoldshall-Staßfurt; Buchdruckerei von Otto Thiele, Staßfurt 1901.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetz über die Regelung der Kaliwirtschaft, 24. April 1919, RGBl. 1919, S. 413–415. – Durchführungsverordnung, 18. Juli 1919, RGBl. 1919, S. 663–682.
  2. Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, ISBN 3-928703-06-4, S. 179 ff.
  3. Emil Baumecker: Leopoldshall, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung. Festschrift anlässlich des 25jährigen Bestehens der St. Johanniskirche. Leopoldshall 1901. Staßfurt-Leopoldshall, Reprint 1993, S. 39 (ISBN 3-930207-00-1).
  4. d-nb.info