Leopoldshall

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Wappen von Staßfurt
Leopoldshall
Stadtteil von Staßfurt
Koordinaten 51° 50′ 56″ N, 11° 35′ 56″ OKoordinaten: 51° 50′ 56″ N, 11° 35′ 56″ O
Fläche 55,25 km²
Einwohner 10.468 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 189 Einwohner/km²
Adresse der
Verwaltung
Rathaus Staßfurt
Hohenerxlebener Straße 12
39418 Staßfurt
Website www.stadt-staßfurt.de/
Politik
Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD)

Leopoldshall ist seit 1946 ein Stadtteil von Staßfurt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Durch Leopoldshall fließt die Bode. Östlich von Leopoldshall in 5 km Entfernung verläuft die A 14.

Leopoldshall (Sachsen-Anhalt)
Leopoldshall
Leopoldshall
Lage von Leopoldshall in Sachsen-Anhalt

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhalt von 1863–1942

Mit der Gründung der Saline Leopoldshall auf dem Terrain der sogenannten Ritterflur im Jahre 1855/56, die zur Gemeinde Neundorf/Anhalt gehörte, entstand auf anhaltischem Gebiet eine Siedlung, die näher zur benachbarten preußischen Stadt Staßfurt als zur anhaltischen Gemeinde Neundorf lag. Diese Siedlung entwickelte durch ihr ständiges Wachstum ein eigenständiges gemeindliches Leben, sodass die Mehrheit der Einwohner eine Unabhängigkeit von der Muttergemeinde Neundorf forderte. Diesem Drängen gab Herzog Leopold von Anhalt nach und löste die Siedlung Leopoldshall zum 31. Dezember 1872 aus der Muttergemeinde Neundorf heraus und erklärte diese mit Wirkung ab 1. Januar 1873 zur selbständigen Gemeinde Leopoldshall.[1] Am 29. Januar 1919 erhielt Leopoldshall das Stadtrecht.

Während des Zweiten Weltkrieges bestand ab dem 28. Dezember 1944 ein Außenlager des KZ Buchenwald in Leopoldshall. Es wurde am 11. April 1945 mit einem Todesmarsch evakuiert.

Am 1. April 1946 wurde Leopoldshall nach Staßfurt zwangseingemeindet.

Bergbau und Salzgewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leopoldshall gehörte wie der gesamte Umkreis von Staßfurt zum Abbaugebiet für Steinsalz und Kalisalze. In der Grundsteinurkunde der St. Johanniskirche zu Leopoldshall ist dokumentiert, dass der Salzabbau bereits seit 1855 und 1856 über eine Siedesalz-Saline stattfand, die den Namen Leopoldshall erhielt.[2]

Leopoldshall wurde 1890 der Sitz des ersten Deutschen Kalisyndikats; zu ihm gehörten 13 Kaliwerke. Sie hatten sich zusammengeschlossen, um „der Preisdrückerei und Verschleuderung der Kalisalze vorzubeugen bzw. Einhalt zu tun und Gewinn und Absatz der Salze für fabrikatorische und landwirtschaftliche Zwecke den Bedürfnissen des Marktes entsprechend zu regeln“.[3] 1910 wurde es von Leopoldshall nach Berlin verlagert. Das einstige Verwaltungsgebäude in der Bodestraße wurde Anfang der 1930er Jahre dank Umbau und Aufstockung zum Knappschaftskrankenhaus der Halberstädter Knappschaft.[4]

Das heute nicht mehr angefahrene, aber aufgelassene „Herzoglich Anhaltische Salzwerk Leopoldshall“ (kurz Kaliwerk Leopoldshall) gilt als Typlokalität für die Minerale Bischofit und Kainit sowie als Co-Typlokalität für Anhydrit und Leonit.[5] Daneben wurden hier allerdings neben dem Steinsalzbildner Halit noch weitere Kalisalze wie der Carnallit, Kieserit und Sylvin sowie Boracit, Epsomit, Gips, Kaliborit, Pikromerit, Pinnoit, Polyhalit gefunden.[6]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Johannis in Staßfurt-Leopoldshall

Wohnlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leopoldshall bietet neben ein paar historischen Gebäuden ein saniertes und ruhiges Wohngebiet welches sich durch meist drei und sechs Etagen Wohnblocks abzeichnet.

Wohngebiet „Am Tierpark“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Wohngebiet von Leopoldshall ist das Wohngebiet „Am Tierpark“ welches sich in eine einseitige Wohnpolitik gliedert. Und damit ein typisches Wohngebiet einer Ostdeutschen Mittelstadt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wohngebiet „Am Tierpark“ entstand 1968 im südlichen Gebiet von Leopoldshall, und entstand somit zur gleichen Zeit wie das Wohngebiet von Staßfurt-Nord. Es wurde als typisches Plattenbauten Wohngebiet errichtet und seitdem Großflächig saniert. Seit dem Jahr 2000 wurde etwa ein sechstel der Wohnblöcke rückgebaut oder verkleinert.

Infrastruktur im Wohngebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wohngebiet am Tierpark ist direkt an das Wohngebiet von Leopoldshall angegliedert und verfügt über eine Grund- und Sekundarschule sowie einen Schulhort. Außerdem befindet sich in direkter Nähe ein Netto Markt für den allgemeinen Bedarf an Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wohngebiet Staßfurt „Am Tierpark“ wird von den führenden Wohnungsbaugesellschaften der Wohnungsbaugenossenschaft zu Staßfurt eG und der Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt verwaltet zudem kommt ein privater Wohnblock.

Untergeordnete Stadtgebietsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Großstadtteil Leopoldshall sind verwaltungstechnisch die Stadtgebiete Staßfurt-Mitte und Südstaßfurt zugeordnet. Zudem kommen das Wohngebiet „Am Tierpark“ und das Wohn- und Gewerbegebiet Friedrichshall.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der ehemaligen Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit Leopoldshall in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Baumecker (* 27. April 1866 in Hayn (Harz) bei Stolberg (Harz); † 19. Juli 1947 in Ballenstedt), mehr als vier Jahrzehnte evangelisch-lutherischer Pfarrer an Leopoldshalls St.-Johannis-Kirche (1893–1934) sowie langjähriger, mehrfach gewählter Abgeordneter im Landtag des Freistaates Anhalt
  • Carl Ludwig Reimer (* 12. März 1856 in Berlin; † 6. März 1921 in Leopoldshall), Fabrikdirektor bei den Vereinigten chemischen Fabriken zu Leopoldshall AG und später Mitarbeiter der Kaliforschungsstelle in Leopoldshall.
  • Adolph Frank (* 20. Januar 1834 in Klötze; † 30. Mai 1916 in Charlottenburg), erster Generaldirektor der Vereinigten chemischen Fabriken zu Leopoldshall AG (von 1871–1875)
  • Georg Borsche (* 1844; 18. Februar 1926 in Eisenach), Generaldirektor der Vereinigten chemischen Fabriken zu Leopoldshall AG (von 1876–1907)
  • Wilhelm Feit (* 24. Januar 1867 in Lippstadt; † 19. Juni 1956 in Bad Nauheim), Generaldirektor der Vereinigten chemischen Fabriken zu Leopoldshall AG (von 1908–1921)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Laue: Staßfurt - Wiege des Kalibergbaus. Zaltbommel (Niederlande) 2010. ISBN 9789028866140
  • Staßfurter Geschichtsverein (Hrsg.): Staßfurt und seine Ortsteile - Straßen und Plätze erzählen Geschichte. 96 Seiten, Format A4. Staßfurt 2009, ohne ISBN. Mit Angaben zu Altstaßfurt, Staßfurt (Altstadt), Staßfurt-Nord, Leopoldshall, Athensleben, Atzendorf, Brumby, Förderstedt, Glöthe, Hohenerxleben, Löbnitz, Löderburg, Lust, Neu Staßfurt, Neundorf, Rathmannsdorf, Rothenförde und Üllnitz.
  • Bergmannsverein "Staßfurt, Wiege des Kalibergbaus" e.V. (Hg.): 150 Jahre Salzbergbau 1852-2002. 2 Broschüren im Schuber, Staßfurt 2002, ohne ISBN
  • Ernst Laue: Leopoldshall wie es früher war. Vom Ort einer Saline zum Stadtteil Staßfurt. Wartberg Verlag 2001, ISBN 3-86134-826-8
  • Siegfried Maaß: "Du bist auch in der Fremde nicht für mich verloren ..." - Staßfurt - Geschichte und Geschichten einer Stadt. Staßfurt 1994. ISBN 3980405419
  • Emil Baumecker: Leopoldshall, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung. Festschrift anlässlich des 25jährigen Bestehens der St. Johanniskirche. Leopoldshall 1901. 1993 als erweiterter Reprint veröffentlicht von Hartmut Wiest, Staßfurt-Leopoldshall. ISBN 3-930207-00-1
  • Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, ISBN 3-928703-06-4
  • Wolfgangfriedrich Sachse (Pastor der Kirche Leopoldshall): Geschichte der Gemeinde Leopoldshall. 50 Seiten, Format A5. Kommissionsverlag Oskar Flemming, Staßfurt 1938[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leopoldshall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch, Band II, Mitteldeutschland, W. Kohlhammer Verlag/Stuttgart-Berlin 1941, S.582ff.
  2. Adolf Kirchner: Das anhaltische Salzwerk Leopoldshall und sein Einfluss auf den anhaltischen Staatshaushalt, FinanzArchiv / Public Finance Analysis, 39. Jahrg., H. 2 (1922), pp. 56-101
  3. Emil Baumecker: Leopoldshall, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung. Festschrift anlässlich des 25jährigen Bestehens der St. Johanniskirche. Leopoldshall 1901. Staßfurt-Leopoldshall, Reprint 1993, S. 39 (ISBN 3-930207-00-1)
  4. Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, S. 180 (ISBN 3-928703-06-4) sowie Ulrich Lauf: Die Krankenhäuser der deutschen Knappschaftsvereine im 19. und 20. Jahrhundert. S. 84. Bochum 2005, ohne ISBN (eine Veröffentlichung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See).
  5. Mineralienatlas:Kaliwerk Leopoldshall
  6. Mindat - Fundortbeschreibung und Mineralliste zu Leopoldshall, Stassfurt, Deutschland (englisch)
  7. Strandsolbad
  8. Emil Baumecker: Leopoldshall, seine Entstehung, Entwicklung und Bedeutung. Festschrift anlässlich des 25jährigen Bestehens der St. Johanniskirche. Leopoldshall 1901. 1993 als erweiterter Reprint veröffentlicht von Hartmut Wiest, Staßfurt-Leopoldshall. ISBN 3-930207-00-1
  9. Jüdischer Friedhof Staßfurt-Leopoldshall
  10. Im Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Leopoldshall-Staßfurt