Wintershall

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Wintershall Holding GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1894
Sitz Kassel, Deutschland
Leitung Mario Mehren (Vorstandsvorsitzender)
Hans-Ulrich Engel (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 2.000 (2015)

2.715 (2014) (Quelle: Jahresbericht 2015)

Umsatz 12,99 Mrd. EUR (2015) (Quelle: Jahresbericht 2015)

15,15 Mrd. EUR (2014)

Branche Öl und Gas
Website www.wintershall.de
Stand: 31. Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015
Zentrale der Wintershall in Kassel

Die Wintershall Holding GmbH ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent mit Sitz in Kassel und eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der BASF.

Das Unternehmen ist in der Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas in Europa, Nordafrika, Südamerika, Russland und im Mittleren Osten tätig. Weltweit arbeiten mehr als 2.000 Menschen bei Wintershall.[1] Im Geschäftsjahr 2015 betrug die Öl- und Gasproduktion rund 153 Millionen Barrel Öläquivalent (boe). Der Umsatz des Unternehmens lag bei 12,998 Milliarden Euro.[2] Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. Juni 2015 Mario Mehren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangsjahre und NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bohrgesellschaft Wintershall wurde 13. Februar 1894 vom Bergbauunternehmer Carl Julius Winter ursprünglich als Bohrgesellschaft zur Förderung von Kalisalz in Kamen gegründet. Der Name Wintershall (sprich: Winters·hall) setzt sich aus dem Nachnamen von Carl Julius Winter und dem althochdeutschen[3] Wort für Salz (Hall, vgl. Halit, Halurgie) zusammen.

Am 23. April 1900 erfolgte der erste Spatenstich zum Abteufen des Schachtes Grimberg bei Widdershausen, das erste Kaliwerk Wintershall wurde in Heringen errichtet. Wintershall teufte weitere Schächte im Werra-Kalirevier ab, baute und erwarb weitere Werke in der Region. Von 1895 bis 1913 wurden im Werratal sieben Kalischächte in Hessen und 21 in Thüringen abgeteuft.[4] Ab 1930 kam für Wintershall die Erdölförderung als Arbeitsfeld hinzu, da der zufällige Ausbruch von Erdöl in einem der Kalischächte in Volkenroda sich als zukunftsweisende Perspektive für Wintershall erwies. Die zunehmende Motorisierung sowie die später einsetzende Kriegsrüstung ließen Erdöl zu einem gefragten Produkt werden. Wintershall konzentrierte sich daher fortan auf die Erschließung von Erdölquellen.

In den 1930er Jahren übernahm Wintershall die Naphthaindustrie und Tankanlagen AG (NITAG) und firmierte sie 1938 in NITAG Deutsche Treibstoffe AG um. Die NITAG wurde damit neben Mihag, Wiesöl bzw. Wintershall Mineralöl GmbH die hauptsächliche Vertriebstochter für den Absatz der Mineralölprodukte.[5]

Zwangsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, viele von den 1360 Gefangenen stammten aus dem KZ Buchenwald.[6]

Nachkriegsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 DM der Wintershall AG vom Oktober 1951

In der Nachkriegszeit verlor Wintershall durch die Enteignungen in der sowjetischen Besatzungszone eine große Ölraffinerie in Lützkendorf, einen Teil ihrer NITAG-Tankstellen sowie die in Thüringen liegenden Kalischächte und -werke. Wintershall gelang 1951 in Norddeutschland der erste Erdgasfund. Von 1924 bis in die Nachkriegszeit wurde Wintershall im Wesentlichen durch August Rosterg und Günther Quandt bestimmt, denen zusammen die Mehrheit der Aktien gehörte.

Nach der Wertpapierbereinigung 1949/1950 übernahmen Wintershall und DEA 1952 in Zusammenhang mit dem Bau der Erdöl-Raffinerie Emsland die Aktienmehrheit der Deutschen Gasolin AG. 1956 wurde die Wintershall-Vertriebstochter NITAG mit der Gasolin AG zur Deutschen Gasolin Nitag AG verschmolzen.

1965 übernahm Wintershall die Preussag-Anteile am Kalisalzbergwerk Buggingen, zwei Jahre später beteiligte sich Wintershall zusammen mit Mobil Oil (heute ExxonMobil), Veba Oel und Gelsenberg an Aral.

Übernahme durch BASF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 wurde Wintershall von der BASF-Gruppe als wichtiger Lieferant von Rohstoffen und somit als Teil der Ressourcensicherung übernommen. Der Kalibergbau wurde 1970 in die Kali&Salz AG eingebracht. Seitdem konzentriert sich das Unternehmen auf die Bereiche Erdöl und Erdgas. Im Jahr 1971 fusionierte die Wintershall-Tochtergesellschaft Gasolin mit ihrer Schwestergesellschaft Aral. Zu gleichen Anteilen mit DEA betreibt Wintershall seit 1987 das Ölfeld Mittelplate am Rand des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Auf der mit 70 × 95 Meter relativ kleinen Förderinsel wurden bis 2016 insgesamt 20 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Das Offshore-Feld Mittelplate stellt damit eine tragende Säule der deutschen Erdölförderung dar.[7]

Ab 1990 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren engagierte sich Wintershall verstärkt im Erdgashandel. Im Herbst 1990 wurde eine Vereinbarung zur Vermarktung von russischem Erdgas in Deutschland mit Gazprom getroffen. Die im sogenannten „Vertrag über die gaswirtschaftliche Zusammenarbeit“ beschlossene Kooperation von Firmen aus der russischen und deutschen Energiewirtschaft stellte kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ein Novum in der Erdgaswirtschaft dar.

Im Jahr 1993 wurde Wingas als Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gazprom gegründet. Durch die europäischen Unbundling-Vorschriften mussten der Netzbetrieb und Speicher vom Erdgashandel in getrennte Gesellschaften überführt werden. Im Jahre 2010 entstand die neue Wingas (nur Erdgashandel) und Wingas Transport. Durch den Austausch von Unternehmensbeteiligungen zwischen BASF und Gazprom ging die neue Wingas und damit der Erdgashandel der Wintershall 2015 komplett in russischen Besitz über.

Parallel erfolgte 2012 bei der verbliebenen Wingas Transport die Umbenennung in Gascade. Die Gascade ist Teil des Gemeinschaftsunternehmen WIGA Transport Beteiligungs-GmbH & Co. KG (WIGA) der Wintershall Holding und PAO Gazprom.

Wintershall ist an der Nord Stream AG mit 15,5 % beteiligt, welche die Pipeline Nord Stream I betreibt.

Im Sommer 2015 unterzeichnete Wintershall die Absichtserklärung zum Bau der Kapazitätserweiterung an der Pipeline Nord Stream II.[8] Auch hier wurde eine eigene Gesellschaft gegründet mit dem Namen Nord Stream 2 AG. Aus juristischen Gründen können sich an dieser Gesellschaft keine Partner beteiligen, so dass die Unternehmen die damals Absichtserklärungen unterzeichnet haben heute nur als offizieller Unterstützer gelistet sind.

Unternehmensleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Vorstandsvorsitzenden, Mario Mehren, gehören dem Vorstand Martin Bachmann, (Exploration und Produktion Europa und Middle East), Thilo Wieland (Exploration und Produktion Russland, Nordafrika und Südamerika) und Ties Tiessen (Finanzen, Sales und Commercial) an.

Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Hans-Ulrich Engel (Vorstandsmitglied, BASF SE). Seine Stellvertreter sind Marc Ehrhardt (Leiter Finance Division, BASF SE) und Michael Winkler (Gewerkschaftssekretär der IG Bergbau, Chemie, Energie)

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Förderung in Deutschland basiert auf Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in folgenden Bereichen: Verbesserung der Fündigkeitsquote von Öl- und Gaslagerstätten, Entwicklung von Technologien für Lagerstätten mit schwierigen Erschließungs- und Förderbedingungen und Erhöhung der Lagerstättenausbeutung. Zentrale Standorte sind unter anderem Emlichheim, Landau in der Pfalz und Aitingen.

Nordsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über 50 % des in der Europäischen Union benötigten Erdgases werden in der Nordsee sowie in ihren Anrainerstaaten gefördert. Norwegen hat hierbei eine hervorgehobene Rolle und hat sich für Wintershall in den vergangenen Jahren zu einer Kernregion entwickelt. Mit über 60 Lizenzen – davon mehr als die Hälfte als Betriebsführer – ist Wintershall heute einer der größten Lizenzhalter in Norwegen.[9] Wintershall hat zudem in Kooperation mit Partnern erstmals als Betriebsführer den Entwicklungs- und Betriebsplan (PDO) für das in der Norwegischen See gelegene Feld Maria beim norwegischen Ministerium für Erdöl und Energie eingereicht.[10]

In den Niederlanden ist Wintershall einer der größten Gasproduzenten und in Großbritannien Betriebsführer der Wingate-Gasförderplattform, die im Oktober 2011 in Betrieb genommen wurde.

Südamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Argentinien ist Wintershall seit 38 Jahren aktiv und an insgesamt 15 Onshore- und Offshore-Feldern beteiligt. Zu den Produktionsstandorten gehören u. a. Aguada Federal, Bandurria Norte (hier ist Wintershall 100-prozentiger Betriebsführer) und Vega Pleyade.

Nordafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Libyen ist Wintershall seit 1958 aktiv und betrieb dort zuletzt acht Ölfelder mit einer Produktion von 100.000 Barrel Öl pro Tag. Die Produktion wurde wegen des Bürgerkriegs und der darauffolgenden Unruhen in Libyen im Jahr 2011 unterbrochen. Derzeitig sind nur libysche Mitarbeiter im Einsatz, da Wintershall alle internationalen Mitarbeiter Mitte 2014 abziehen musste.[11]

Naher Osten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Abu Dhabi hat Wintershall eine Erkundungsbohrung zur Entwicklung eines Sauergas- und Kondensatfeldes abgeschlossen. Eine weitere Erkundungsbohrung in Kooperation mit der staatlichen Ölgesellschaft von Abu Dhabi, Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), und dem österreichischen Öl- und Gas-Unternehmen OMV wurde 2016 gestartet. Mit der National Iranian Oil Company (NIOC) hat Wintershall im April 2016 eine Absichtserklärung über die zukünftige Zusammenarbeit unterschrieben.[12]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 25 Jahren setzt Wintershall auf ein Kooperationsmodell mit dem russischen Partner Gazprom.[13] Dank der Kooperation fördert Wintershall seit 2006 (offizieller Start 2008) als erster deutscher Produzent Erdöl direkt in Russland.[14] Zurzeit ist Wintershall in mehreren Joint Ventures zur Exploration und Produktion von Kohlenwasserstoffen in Westsibirien und Südrussland aktiv.[15]

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Umsatz der Wintershall lag bei 12,998 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2015, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresergebnis von 15,145 Milliarden Euro. Der Gewinn betrug 1,05 Milliarden Euro (2014: 1,464 Milliarden Euro). Die Öl- und Gasproduktion konnte 2015 gegenüber dem Vorjahr um 17 Millionen Barrel Öläquivalent (boe) auf 153 Millionen boe gesteigert werden.[16] Hiervon entfielen ca. 75 % auf die Erdgasproduktion.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wintershall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Menschen bei Wintershall. Abgerufen am 7. März 2017 (englisch).
  2. Wintershall steigert erneut Öl- und Gasförderung. (wintershall.com [abgerufen am 7. März 2017]).
  3. Ron Klug: Gunst- und Ungunstfaktoren der Anlage der Stadt Halle: Eine Betrachtung der geographischen Rahmenbedingungen in der Siedlungsentwicklung, GRIN, München 2010, ISBN 978-3-640-64740-8, S. 3, Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Bernd Koch: Die Anfänge. Abgerufen am 7. März 2017 (deutsch).
  5. Erinnerungen im Netz – NITAG ein deutsches Mineralölunternehmen der Wintershall mit eigener Tankstellenkette auch in Kassel. Abgerufen am 7. März 2017 (deutsch).
  6. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Zwangsarbeiter- Fonds: Diese Firmen haben profitiert, wollen bislang aber nicht zahlen – SPIEGEL ONLINE – Politik. Abgerufen am 7. März 2017.
  7. Mittelplate. Abgerufen am 7. März 2017 (englisch).
  8. BASF und Gazprom unterzeichnen Absichtserklärung zum Ausbau der Nord-Stream-Pipeline. In: BASF. (basf.com [abgerufen am 7. März 2017]).
  9. Wintershall in der Nordsee. Abgerufen am 7. März 2017 (PDF).
  10. Maria-Feld: Entwicklungs- und Betriebsplan eingereicht. (wintershall.com [abgerufen am 7. März 2017]).
  11. Wintershall in Libyen. Abgerufen am 7. März 2017 (englisch).
  12. Wintershall confirms signed memorandum of understanding with Iran. Abgerufen am 7. März 2017.
  13. Erdgas: BASF pumpt Milliarden in Gazprom-Projekte. (handelsblatt.com [abgerufen am 10. April 2017]).
  14. Wintershall bohrt in Sibirien. In: die tageszeitung. (taz.de [abgerufen am 10. April 2017]).
  15. Wintershall und Gazprom planen den Ausbau der gemeinsamen Erdgas-Förderung aus der Achimov-Formation des Urengoi-Feldes. (wintershall.com [abgerufen am 7. März 2017]).
  16. Wintershall steigert erneut Öl- und Gasförderung. (wintershall.com [abgerufen am 7. März 2017]).
  17. Wintershall steigert erneut Öl- und Gasförderung. (wintershall.com [abgerufen am 7. März 2017]).