Didache

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Die Didache (griechisch Διδαχὴ τῶν δώδεκα ἀποστόλων Didachḕ tõn dṓdeka apostólōn „Lehre der zwölf Apostel“, lateinisch Doctrina duodecim apostolorum) – auch Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden genannt – ist eine frühchristliche Schrift, die von verschiedenen unbekannten Autoren wahrscheinlich in Syrien verfasst wurde. Die beiden Titel der Schrift dürften spätere Hinzufügungen sein. Es ist die wohl früheste Kirchenordnung der Christenheit, deren Entstehungszeit nun überwiegend ins 1. Jahrhundert nach Christus angesiedelt wird (die frühere Forschung datierte das Werk ins Ende des 2. Jahrhunderts).[1] Lange Zeit wurde sie unter die kanonischen Schriften gezählt – erst Eusebius von Caesarea zählte sie unter die unechten Schriften. Sie wurde erst 1873 von Philotheos Bryennios in der Bibliothek des Jerusalemer Metochions zu Konstantinopel (Istanbul) im Codex Hierosolymitanus, einer im 11. Jahrhundert niedergeschriebenen Sammelhandschrift echter und unechter altchristlicher Texte, wiederentdeckt und hat seither große Bedeutung für die theologische Forschung erlangt. Bis heute sind keine weiteren Handschriften der Didache bekannt geworden, so dass die Authentizität des uns heute vorliegenden Textes nur aufgrund innerer Kriterien beurteilt werden kann. Die im Text aufscheinenden sehr primitiven Gemeindeverhältnisse und der fehlende Bezug zu späteren theologischen Streitfragen gelten allgemein als Beleg dafür, dass der Text in der Handschrift im Wesentlichen unverändert vorliegt.

Als Didache bezeichnet man allgemein auch die Belehrung der Gläubigen nach der Taufe, im Gegensatz zum Kerygma, der Belehrung der Katechumenen vor der Taufe.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk ist in 16 Kapitel mit jeweils drei Teilen und einer Conclusio aufgeteilt.

  • Kapitel 1–6: Überblick über christliche Sittenlehre in zwei Wegen: Weg des Lebens und des Todes
  • Kapitel 7–10: Sakramentenliturgie (Taufe, Eucharistie, Fasten, Gebet)
  • Kapitel 11–15: disziplinäre Anweisungen, Kirchenordnung (Wanderlehrer, Propheten, Gottesdienst, Gemeindewahlen)
  • Kapitel 16: Schlusskapitel: Eschatologie

Einige Wissenschaftler halten das plötzliche Abbrechen des letzten Kapitels ohne Schlussformel für ein Zeichen, dass der echte Schluss der Schrift verlorenging; diese Auffassung wird aber nicht allgemein vertreten.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk ist eine kurze Zusammenfassung der für alle christlichen Kirchen gültigen also "katholischen" (καθολικός = allumfassend, total) Lehre mit liturgischen und disziplinären Anweisungen. Wobei "katholisch" hier die ursprüngliche, griechische Bedeutung des Wortes meint, nicht die des Bischofs von Rom. Die Didache enthält vor allem das, was die Katechumenen vor der Taufe wissen mussten. In kurzen Aussagen wird nach Art einer Gemeindeordnung noch lange vor den kirchlichen Schismata das als richtig (ορθός) erachtete (δοκέω), also "orthodoxe" Verhalten dargelegt. Systematisch werden einzelne Themengebiete behandelt, die vielfach auch heute noch für unterschiedliche Diskussionen zwischen den Konfessionen Relevanz besitzen.

Textbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispielsweise zum biblischen Tötungsverbot:

  • Kapitel 2.1: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht huren, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht ein Kind durch Abtreibung morden, und du sollst das Neugeborene nicht töten.

Hinsichtlich der Zulassung zur Eucharistie:

  • Kapitel 9.5: Niemand aber soll essen und auch nicht trinken von eurer Eucharistie als die, die getauft worden sind auf den Namen des Herrn. Denn auch darüber hat der Herr gesprochen: Gebt nicht das Heilige den Hunden.
  • Kapitel 14.1: An jedem Herrentage, wenn ihr zusammenkommt, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Verfehlungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.

Auffallend ist, dass der Verfasser in der Belehrung über die rechte Eucharistiefeier dreimal das Wort Opfer zur Umschreibung für den gewöhnlichen Begriff Eucharistie benutzt:

Am Tage des Herrn versammelt euch, brechet das Brot und saget Dank, nachdem ihr zuvor eure Sünden bekannt habet, damit euer Opfer rein sei. Jeder aber, der mit seinem Freunde einen Streit hat, soll sich nicht bei euch einfinden, bis sie versöhnt sind, damit euer Opfer nicht entweiht werde. Denn so lautet der Ausspruch des Herrn: „An jedem Ort und zu jeder Zeit soll man mir darbringen ein reines Opfer, weil ich ein großer König bin, spricht der Herr, und mein Name wunderbar ist bei den Völkern.“ (14, 1-3)

Erstaunlicherweise findet sich hier kein Hinweis auf Tod und Auferstehung Jesu oder auf das letzte Abendmahl.[2]

Mehrfach wird sich auf „das Evangelium“ berufen (8,2; 11,3; 15,3.4), ohne Hinweis auf einen Autor. Dabei handelt es sich vermutlich um das Matthäus-Evangelium[3], da im Text auf kein anderes Evangelium Bezug genommen wird.

In der römisch-katholischen Kirche wird die Feier der Eucharistie bis heute als Messopfer verstanden.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Didache (Englisch) In: The Oxford Dictionary of the Christian Church. Oxford University Press. S. 482. Abgerufen am 29. Dezember 2013.
  2. gleichfalls nicht in Kap.9; Befund bei Lexikon:bibelwissenschaft.de, Pkt.1.2
  3. Klaus Wengst: Didache (Apostellehre), Barnabasbrief, Zweiter Klemensbrief, Schrift an Diognet, SUCII, Darmstadt Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1984, S. 25ff.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil von Renesse: Die Lehre der Zwölf Apostel, Übersetzung und eingehende Erklärung nebst Untersuchungen über die Entstehung sowie die Bearbeitung der Didache in den späteren Schriften, Hofbuchdr. v. A. Ludwig, 3. Auflage, Gießen 1897.
  • Didache oder die Apostellehre. Übersetzt von Franz Zeller; in: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Bd. 35. München 1918 Online-Ausgabe
  • André Tuilier, Willy Rordorf (Hrsg.): La Doctrine des douze apôtres. Le Cerf, Paris 1978, zweite Auflage 1998 (Sources Chrétiennes, 248). – Rez. von Pierre Nautin, in: Revue de l'histoire des religions 197, 1980, S. 99, (online).
  • Didache (Apostellehre). Übersetzt von Klaus Wengst; in: Schriften des Urchristentums. Kösel, München 1984, ISBN 3-466-20252-3
  • Didache/Zwölf-Apostel-Lehre (Fontes Christiani Bd. 1). Griechisch und deutsch, übersetzt von Georg Schöllgen. Herder, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-451-22101-2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Jülicher: Didache. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,1, Stuttgart 1903, Sp. 392–394.
  • André Tuilier: Didache. In: Theologische Realenzyklopädie 8 (1981), S. 731–736
  • André Tuilier: La Didachè et le problème synoptique. In: Clayton N. Jefford, The Didache in Context: Essays on Its Text, History, and Transmission. Brill, Leiden 1995, S. 110–130, (Auszüge online).
  • Kurt Niederwimmer: Die Didache. KAV 1. Göttingen 1993 ISBN 3-525-51677-0
  • Robert A. Kraft: The Apostolic Fathers, Bd. 3, Barnabas and the Didache, hg. Robert Grant, New York: Thomas Nelson and Sons 1965, aktualisierte Onlineausgabe
  • Ferdinand R. Prostmeier: Unterscheidendes Handeln. Fasten und Taufen gemäß Did 7,4 und 8,1. In: ΦΙΛΟΦΡΟΝΗΣΙΣ. Grazer Theologische Studien, Bd. 19, hrsg. v. Johannes B. Bauer. Verlag des Instituts für Ökumenische Theologie und Patrologie an der Universität Graz: Graz 1995, 55–75.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]