Dippels Tieröl

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Dippels Tieröl oder Ätherisches Tieröl (Oleum animale aethereum, Oleum animale Dippelli)[1][2] ist ein nach seinem Hersteller Johann Konrad Dippel (1673–1734) benanntes, anfangs farbloses Ätherisches Öl welches sich dann gelblich oder braun färbt.[3]

Die Herstellung erfolgte seinerzeit durch mehrmalige Destillation aus dem Stinkenden Tieröl (Oleum animale foetidum crudum, Rohes Tieröl), ein stark riechendes Tieröl mit alkalisch reagierenden, stickstoffhaltigen Verbindungen.

Dippels Öl erlangte Berühmtheit durch die Behauptung Dippels in seiner Dissertation, damit ein Elixir vitae, eine Universalmedizin, gefunden zu haben. Man setzte es ein bei Typhus, Epilepsie und zu Einreibungen. Mit drei Teilen Terpentinöl bildet es das Oleum contra Taeniam Chaberti, ein altes Bandwurmmittel. Allerdings erhob schon Diderot in der Encyclopédie Zweifel an der Wirksamkeit bei Epilepsie.

Dippels Tieröl war laut Georg Ernst Stahl von entscheidender Bedeutung bei der Entdeckung des Pigments Berliner Blau durch Johann Jacob Diesbach.[4]

Bei den ersten Photographien von Joseph Nicéphore Niepce 1827 bestand die lichtempfindliche Schicht aus Judäa-Asphalt, der in Dippels Öl gelöst und dann auf eine Zinnplatte aufgetragen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Konrad Dippel: Vitae Animalis Morbus Et Medicina: Suae vindicata origini Disquisitione Physico-Medica, Qua simul Mechanismi & Spinosismi deliramenta funditus deteguntur… Lugduni Batavorum (Leiden) 1711, urn:nbn:de:bvb:12-bsb11270426-1 (Latein, Dissertation).
  • Tieröl. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1909, S. 544.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz A. Hoppe: Drogenkunde. 8. Auflage. 2. Band: Gymnospermen, Kryptogamen, Tierische Drogen. Walter de Gruyter, 1977, ISBN 3-11-084414-1, S. 265 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Gotthilf Wilhelm Schwartze: Pharmakologische Tabellen oder systematische Arzneimittellehre. Erster Band, I–X Abteilung, Barth, 1819, S. 228, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  3. Tieröl. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 703.
  4. Georg Ernst Stahl: Experimenta, Observationes, Animadversiones, CCC Numero, Chymicae Et Physicae: Qualium alibi vel nulla, vel rara, nusquam autem satis ampla, ad debitos nexus, & veros usus, deducta mentio, commemeratio, aut explicatio, invenitur. Qualium… Haude, Berolini (Berlin) 1731, S. 281 ff., urn:nbn:de:bvb:12-bsb10073926-4 (Latein).